Düsseldorf/Aktuell


 

Wundertüte

Auf der Suche nach einer Teleoptik stieß ich bei meinen Internetrecherchen immer wieder auf eine Optik mit dem schönen Namen “Wundertüte”. Geprägt wurde dieser Begriff in den 80er Jahren von Walter E. Schön, Objektivtester der Zeitschrift Colorfoto, der diesem Objektiv im Rahmen eines Vergleichstests eine sehr gute Qualität für einen minimalen Preis bescheinigte.
Die Wundertüte, ein f8.0 500mm Refraktor mit 4 Linsen, kann man nach nunmehr 30 Jahren in etwas veränderter Bauform immer noch neu unter den verschiedensten Handelsnamen kaufen. Früher als Beroflex bekannt, wird die koreanische Optik aus dem Hause Samyang heute unter den Namen Hanimex, Walimex, Danubia usw vertrieben. Die Preise bewegen sich zwischen 20€ für ein gebrauchtes bis 150€ für ein neues Exemplar inklusive Kameraadapter (Stand: Februar 2012).

Getestet habe ich die Abbildungsleistung des Objektivs unter Praxisbedingungen bei Tageslicht, außerdem die softwareseitige Korrektur der Farbfehler. Alle Aufnahmen wurden mit einer Nikon D5100 und dem Walimex 8.0 500mm neuer Bauart (67mm Frontlinsendurchmesser) erstellt. Montiert wurde die Optik auf einem schweren Manfrotto-Triman-Stativ, dazu später mehr.

 
Schärfeleistung bei verschiedenen Blenden
Bereits bei offener Blende (f8.0) zeigt die Optik eine gute Schärfe über den gesamten Bildbereich, der Schärfeabfall an den Rändern ist minimal.
Die größte Schärfe wird bei f11 bis f16 erzielt, f22 zeigt eine beugungsbedingte leichte Unschärfe, f32 ist nicht mehr zu gebrauchen.

 
Farbfehler
Bei Blende 8 bis 11 zeigen sich über das gesamte Bildfeld an Kontrastkanten ausgeprägte lila Farbsäume, die ab f16 stark zurückgehen und bei f22 fast verschwunden sind.
Ebenfalls auftretende Überstrahlungen an Kontrastkanten werden durch eine Verkleinerung der Blendenöffnung nicht beseitigt.
Auch Punktlichtquellen auf Nachtaufnahmen weisen Farbsäume in den Farben lila, grün, gelb und rot auf, außerdem Überstrahlungen.

 
Korrektur der Farbfehler mit Lightroom
Die Korrektur der chromatischen Aberrationen und der Farbsäume mit Lightroom ist recht einfach und wirkungsvoll. Die auf meinem Testbild angegebenen Einstellungen sollten allerdings nicht ungeprüft übernommen werden, abhängig von Arbeitsblende und Motiv können die Werte stark schwanken. Zur Beseitigung der lila Farbsäume hat sich neben den Einstellungen für Rot/Cyan und Blau/Gelb unter Entwickeln/Objektivkorrekturen/Chromatische Aberration auch eine Sättigungsminderung der Farbe Lila unter Entwickeln/Farbe bewährt.

 
Verzeichnung und Vignettierung
Sowohl Verzeichnung als auch Vignettierung der Wundertüte sind auf einem APS-C Sensor so minimal, daß ich sie nicht weiter untersucht habe.

 
Streulicht
Das Objektiv besitzt leider keine Streulichtblende, eine selbstgebaute Röhre aus schwarzem Karton, die man über den Objektivtubus stülpt, sieht zwar nicht so schick aus, erfüllt aber auch seinen Zweck. Streulichteinflüsse habe ich ebenfalls nicht untersucht.

 
Handhabung
Nicht unproblematisch ist die Handhabung dieses lichtschwachen Teleobjektivs. Ohne stabile Montierung geht nichts, die geringsten Erschütterungen durch z.B. Wind lassen die Bilder verwackeln. Auch die Scharfstellung des Motivs ist nicht ganz einfach, hier bewährt sich Live-View mit Zoomvergrößerung. Außerdem muß man die Kamera über eine Fernbedienung oder notfalls mit dem Selbstauslöser auslösen, da der Fingerdruck auf den Auslöser das Bild garantiert verwackeln würde. Eine Spiegelvorauslösung hat im Test überraschenderweise keinen Einfluß auf die Schärfe gezeigt, siehe Testbild. Nie sollte man allerdings das Objektiv über die Stativschelle mit dem Stativ verbinden, da der Spiegelschlag einer DSLR das System in Schwingung versetzt und die Aufnahme verwackelt, siehe Beispielbild. Die Montierung des Systems über das Kameragewinde stellt kein Problem dar, weil das sehr leichte Objektiv mit seinen 640g den Bajonettanschluß der Kamera nicht stark belastet.

 
Resümee
Alles in allem kriegt man für sehr wenig Geld eine recht leistungsfähige Optik, die aber nicht einfach zu handhaben ist. Die höchste Schärfe, leider verbunden mit starken Farbfehlern, erzielt die Wundertüte bei f11. Bei f16 weist das Bild immer noch eine gute bis sehr gute Schärfe auf, allerdings werden die bei offener Blende auftretenden starken Farbfehler auf ein erträgliches Maß reduziert, die man mittels Bildbearbeitung weitestgehend eliminieren kann.

Sport- oder Tierfotografen sollten Abstand von der Wundertüte nehmen und sich lichtstärkeren Optiken mit Autofokus zuwenden. Allen, die Spaß am Experimentieren mit extremen Bildwinkeln haben und ausreichend Geduld mitbringen, kann ich dieses Objektiv wärmstens empfehlen.

 
Links
Hersteller Samyang:
http://www.syopt.co.kr/eng/product/manual_zoom_500preset.asp

Vertrieb Walimex:
http://www.walimex.com/nc/foto/produkt/12728

Foreneintrag des Objektivtesters Walter E. Schön zur Abbildungsleistung der Wundertüte:
http://forum.astronomie.de/phpapps/ubbthreads/ubbthreads.php/topics/213719/

 
Testbilder (Anklicken zur Vollansicht)

Verkleinerte Übersichtsaufnahme mit 50mm und Testaufnahme mit 500mm

Verkleinerte Übersichtsaufnahme mit 50mm und Testaufnahme mit 500mm

1:1 Ausschnitt Zentralbereich

1:1 Ausschnitt Zentralbereich

1:1 Ausschnitt Randbereich

1:1 Ausschnitt Randbereich

Farbfehlerkorrektur mit Lightroom

Farbfehlerkorrektur mit Lightroom

Verwackelungstest der Wundertüte

Verwackelungstest der Wundertüte

BYOB/Düsseldorf

Videofilme von mir und anderen im NRW Forum Düsseldorf am 20.1.12 ab 17h

http://www.byobworldwide.com/tagged/duesseldorf

Niemand hat bisher das Verhältnis Köln-Düsseldorf besser beschrieben als Lore Lorentz mit ihren Worten:

“Düsseldorf hat eine Stärke: Kein Dom überragt die Gegenwart.
Ihre Schwäche: Sie weiß nicht, daß es ihre Stärke ist.”

Die Hintergründe des Dauerzwists zwischen Köln und Düsseldorf will ein neues Buch - herausgegeben von Düsseldorfern, gedruckt von Kölnern - beleuchten; 14 Autoren unter der Leitung der Direktorin des Düsseldorfer Schiffahrtsmuseums untersuchen diese Stadtrivalität auf 300 Seiten.

“Düsseldorf - Köln. Eine gepflegte Rivalität”.
Herausgegeben von Annette Fimpeler, Veröffentlichung des SchifffahrtMuseums der Landeshauptstadt Düsseldorf, erschienen im Greven Verlag Köln, 304 Seiten gebunden mit Schutzumschlag und 113 schwarz-weißen Abbildungen. Erhältlich ab sofort im SchifffahrtMuseum im Schlossturm sowie im Buchhandel zum Preis von 19,90 Euro.
http://www.duesseldorf.de/top/thema010/kultur/beitraege/koeln_duesseldorf/

Urbane Räume

Hallo Leute,

ich lade Euch zur Eröffnung der Ausstellung ‘Urbane Räume’ nächsten Freitag um 19h ein, alle weiteren Infos finder Ihr auf dem Plakat.

Bis Freitag, Kay

Link zum Ort: http://g.co/maps/bd8m

WEEKEND


 
Die Dazzledorf-Standbilder werden ab jetzt um bewegte Standbilder erweitert,
zu sehen unter http://vimeo.com/channels/dazzledorf/

Dazzledorf mobil

www.dazzledorf/mobil

www.dazzledorf/mobil

Unter www.dazzledorf.net/mobil gibt es jetzt eine bytereduzierte Variante der Dazzledorf-Seite für Smartphones.

Liebenswertes Köln

Liebenswertes Köln

…, daß sie besonders häßlich ist.

Jaques Tilly, Düsseldorfer Karnevalswagenbauer in der WDR-Sendung Rivalen am Rhein: Düsseldorf und Köln

Forum NRW

Forum NRW

Sehr interessante Dissertation von Holger Rescher zur Düsseldorfer Backsteinarchitektur der 1920er Jahre.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Link:
http://deposit.d-nb.de/cgi-bin/dokserv?idn=968435122&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=968435122.pdf

Das Ratinger Hof Buch

Ratinger Hof Buch

Ratinger Hof Buch

Tja, dafür war ich ein wenig zu jung und konnte den Ratinger Hof Mitte der 80er Jahre nur noch in seiner Endphase erleben. Die interessanteren Jahre ab 1977 dieses Geburtshauses einiger der besten deutschen Bands wie Der Plan oder Deutsch Amerikanische Freundschaft werden im Ratinger Hof Buch von ehemaligen Protagonisten dokumentiert.

 
Das Ratinger Hof Buch

herausgegeben von Ralf Zeigermann, mit Beiträgen von Moritz Reichelt, Peter Hein, Michael Schirner, Richard Gleim und vielen anderen, sehr empfehlenswert.

DIN-A 4-Querformat, 168 Seiten, ISBN 978-3-931775-13-1
€ 44,00

 
Links zur Besprechung des Buchs:

http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,716379,00.html

http://www.wz-newsline.de/?redid=937350

 
Interview mit Carmen Knoebel, der ehemaligen Betreiberin des Hofs:

http://www.dietotenhosen.de/alldieganzenjahre_freunde_knoebel.php

interview mit dem Herausgeber Ralf Zeigermann auf Deutschlandfunk:
http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2010/09/21/dlf_20100921_1537_0086a028.mp3

Bilderbuch Düsseldorf

Unter der vorbildlich gestalteten Seite www.bilderbuch-koeln.de hat man bereits seit 2 Jahren die Möglichkeit, stadtraumbezogene Fotos georeferenziert hochzuladen. Neben aktuellen Stadtansichten und Kölner Architektur findet man dort auch sehr interessante historische Fotos.
Nun hat Düsseldorf endlich mit www.bilderbuch-duesseldorf.de nachgezogen, hier Auszüge aus dem selbstdarstellenden Text:

Bilderbuch Düsseldorf soll das Bild unserer Stadt dokumentieren - in Text und Bild. Gezeigt werden Häuser, Straßen, Plätze, Kunstwerke und Ereignisse - über alle Zeiten. Angefangen von frühen Stichen und Plänen bis zur modernen HDR-Fotografie. Begleitet werden sollen ie Abbildungen von umfangreichem Textmaterial, die das Bilderbuch Düsseldorf zu einem städtebaulichen Lexikon Düsseldorf machen werden. Dieses ambitionierte Projekt ist möglich durch die Zusammenarbeit von Privatpersonen, Geschichtsvereinen, Fotobegeisterten und Ämtern der Stadt Düsseldorf.

Die Verknüpfung von Fotos mit Geodaten und Google Maps ermöglicht eine einfache virtuelle Navigation durch Düsseldorf. Schlagworte ermöglichen eine thematische Darstellung. Alle Straßen, zu denen es Fotos gibt, sind gelistet. Mehr und mehr Text zu den einzelnen Fotos, Straßen und Stadtteilen kommt dazu.

Neu ist die Möglichkeit der direkten Verknüpfung von Fotos (Foto-Tagging). Damit können Teile von Fotos mit anderen Fotos verlinkt werden und so ganze Fotofolgen, Stadtrundgänge oder Bildergeschichten entstehen.

Themen fassen Fotos zu einem Komplex zusammen, z.B. zum Medienhafen, Luftbilder etc.

Bilderbuch Düsseldorf ist keine Fotocommunity wie Flickr, in der beliebige und qualitativ schlechte Fotos abgelegt werden. Wir wollen unsere Stadt darstellen, nicht Haustiere, Personen oder Urlaubsbilder. Deshalb gelten Regeln und Nutzungsbedingungen zum Hochladen von Fotos.

Jeder kann mitmachen, kostenlos! Wer ein spezielles Interesse hat, wendet sich bitte direkt an die Redaktion. Insbesondere Fotografen, Schulen, Vereine können Ihre Fotos und auch sich selbst im Bilderbuch Düsseldorf darstellen.

Vieles ist bereits geschrieben worden zum Thema Google Street View, viel Emotionales, viel Sachliches, deshalb nur ein kurzes Statement meinerseits, da in dieser Diskussion ganz maßgeblich die elementare Voraussetzung für dokumentierende (Stadt)Fotografie in Frage gestellt wird, die Panoramafreiheit:

§ 59 UrhG – Werke an öffentlichen Plätzen

„(1) Zulässig ist, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Grafik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Bei Bauwerken erstrecken sich diese Befugnisse nur auf die äußere Ansicht.“
Erweitert wird dieses Gesetz bezüglich der Abbildung von Personen im öffentlichen Raum über:

§ 23 KunstUrhG: Ohne Einwilligung erlaubt sind unter Anderem „Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen“ und„Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben“.

Paris zensiert, Eugene Atget

Paris zensiert, Eugene Atget

Die Rechtslage ist also klar, gewisse Feinheiten wie z.B. Kunstwerke im öffentlichen Raum werden in weiteren Paragraphen abgehandelt. Trotzdem gerieren sich die Deutschen, vorneweg unter anderem der Chef unserer Spaß- und Egopartei Guido Westerwelle oder die Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, als ob ihnen durch die Ablichtung ihrer Hausfassaden nicht nur ihr Besitz, sondern auch noch die Seele geraubt werden könnte. In einigen Diskussionen wurden Häusern gar Persönlichkeitsrechte, resp. das Recht am eigenen Bild zugesprochen.

All das ist nur wieder Ausdruck unseres postmodernen übersteigerten Individualismus und Egoismus, der Horizont dieser Personen erstreckt sich offensichtlich nur bis zum eigenen Gartenzaun. Unter’m Strich zähle ICH, ICH, ICH und MEIN BESITZ. Daß man aber immer noch Teil einer Gesellschaft, daß das eigene Haus Teil einer Straße, eines Viertels, einer Stadt, eines Ganzen ist, wird schlichtweg geleugnet und komplett überzogene Verlustängste über geltendes Recht gestellt.

Leider betrifft diese idiotische Diskussion im speziellen die Stadtfotografie, im allgemeinen die Geschichtsschreibung. Was wären Eugene Atgets Parisaufnahmen oder Julius Söhns Aufnahmen Düsseldorfs mit geschwärzten Häusern heute wert? Nichts.

Meine Düsseldorfbilder wurden alle unter Beachtung geltenden Rechts erstellt, freiwillig gelöscht oder geschwärzt wird hier gar nichts.

Abschließend noch der Link zum Bilderbuch-Prozeß, eine Klägerin verlangte die Löschung eines georeferenzierten Fotos ihrer Hauses von der Seite www.bilderbuch-koeln.de, die Klage wurde vom Landgericht Köln Anfang 2010 abgewiesen:

http://www.telemedicus.info/urteile/Datenschutzrecht/982-LG-Koeln-Az-28-O-57809-Fotos-von-Strassen-und-Gebaeuden-Bilderbuch-Koeln.html

Areal des Derendorfer Güterbahnhofs 1

Areal des Derendorfer Güterbahnhofs 1, 2006

Seit 1846 wird die Düsseldorfer Innenstadt von einer der meistbefahrenen Nord-Süd-Eisenbahnverbindungen Deutschlands, der Strecke Duisburg-Köln1 zerschnitten. Nördlich und südlich des zentral gelegenen Düsseldorfer Hauptbahnhofs schließen sich mehrere hundert Meter lange und recht breite Güterbahnhofareale an, die die Trennung der westlichen und östlichen Stadthälften noch verstärken.

Der nördlich gelegene Derendorfer Güterbahnhof wurde vor mehreren Jahren stillgelegt, das 35 ha große Gebiet soll nun multifunktional bebaut2 und genutzt werden, d.h. Bürogebäude wechseln sich mit Wohnbauten ab und werden durch Parkanlagen aufgelockert.

So weit, so gut, nach mehreren Jahrzehnten der Trennung könnten nun theoretisch zwei voneinander isolierte Wohngebiete -das westlich gelegene Pempelfort und das östliche Düsseltal- zusammenwachsen.

Areal des Derendorfer Güterbahnhofs 2, 2006

Wäre da nicht die sechsspurige Bahntrasse am östlichen Rand des Areals. Und die zusätzlich geplante vierspurige “Entlastungsstraße3 entlang dieser Bahntrasse. Ja richtig gelesen, in bester Tammsscher4 Städtebautradition der Nachkriegsmoderne ist nämlich eine voraussichtlich sehr stark befahrene Hauptverkehrsstraße Belastungsstraße Entlastungsstraße*5 geplant, die kilometerlang durch neue und alte Wohngebiete führt und von einer 5m hohen Lärmschutzmauer (zwischen der Straße und den Bahngleisen!) resp. 8m hohem Lärmschutzwall gesäumt werden soll.

Düsseldorf ist eine der wenigen deutschen Städte, deren Einwohnerzahl stetig zunimmt. Die Stadt ist aufgrund ihrer Verkehrslage und des kulturellen und konsumtiven Angebots für Firmen und ihre Mitarbeiter attraktiv. Viele dieser Zuzügler gehören einer besser verdienenden Schicht an, dementsprechend exklusiv sind die bereits errichteten und projektierten großflächigen Wohnungsneubauten auf brachliegenden Arealen, so auch auf dem Gelände des Derendorfer Güterbahnhofs6. Absolut unerklärlich für mich und wahrscheinlich auch für die neuen Mieter und Eigentümer auf diesem stadträumlichen Sahnestück ist allerdings die geplante Wertminderung der Wohnqualität durch eine vierspurige Hauptverkehrstraße.

Nördliche Zufahrt zum Rheinufertunnel, 2008

Nördliche Zufahrt zum Rheinufertunnel, 2008

Man hätte die Attraktivität und die Integration dieses Areals an die östlichen Stadtteile sogar durch eine Versenkung der Bahntrasse in einen Tunnel erheblich steigern können, vergleichbar mit der Verlegung der Rheinuferstraße in den Rheinufertunnel7 Anfang der 90er Jahre zwischen Altstadt und Rheinufer. Damals wurde die räumliche Trennung der Altstadt und der Carlstadt vom Rhein durch die stark befahrene Rheinuferstraße aufgehoben und stattdessen eine prächtige Flaniermeile und Parklandschaft geschaffen.

Paradoxerweise wird momentan auf der Prestigebaustelle Kö-Bogen8,9 im Düsseldorfer Zentrum eine Hochstraße unter die Erde gelegt, die eigentlich niemanden stört, da in diesem Geschäftsviertel fast kein Mensch wohnt.

Tausendfüßler, 2010

Tausendfüßler, 2010

Düsseldorf will sich in seinem touristisch stark frequentierten Zentrum den Anschein einer zeitgemäßen, autofreien Stadt zulegen und opfert dafür symbolisch sein Wahrzeichen der autofreundlichen Nachkriegsmoderne, die denkmalgeschützte und bei den Düsseldorfern beliebte Hochstraße “Tausendfüßler10.

Aber solange in Düsseldorf vierspurige Hauptverkehrsstraßen durch Wohngebiete geführt werden, solange Parkplätze durch die Verkleinerung von Bürgersteigen11,12 geschaffen werden und es gefährliche kombinierte Rad/Fußwege gibt, bleibt dieser Abriß der Hochstraße nur Makulatur und Düsseldorf bewegt sich weiterhin auf dem Irrweg der autogerechten Stadt13,14.

*Zu Beginn der Planungen im Jahre 2000 war von einer Entlastungsstraße keine Rede. Der in einem Werkstattverfahren mit Architekten, Stadtplanern und hoher Bürgerbeteiligung erarbeitete Entwurf verwarf die damals bereits diskutierte Idee einer Entlastungsstraße. 3 Jahre später wurde dieser Werkstattentwurf im Bebauungsplan der Stadtverwaltung in keinster Weise berücksichtigt, hier war die Entlastungsstraße als Planungsziel festgeschrieben.

Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Köln–Duisburg
http://www.duesseldorf.de/planung/rahmplan/gbfderendorf/index.shtml
http://de.wikipedia.org/wiki/Entlastungsstraße_Derendorf
http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Tamms
http://www.kammerevert.eu/meldungen/17896/71643/Entlastungsstrasse-in-Derendorf-ist-und-bleibt-verkehrspolitischer-Unsinn.html
http://www.derwesten.de/staedte/duesseldorf/Ein-neues-Viertel-fuer-Besserverdiener-id130306.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Rheinufertunnel_(Düsseldorf)
http://www.duesseldorf.de/koebogen/projekt/vision/3_koe_hofgarten.shtml
http://www.duesseldorf.de/koebogen/projekt/vision/1_verkehr.shtml
10 http://www.dazzledorf.net/aktuell/index.php/2009/09/14/tausendfusler/
11 http://www.rp-online.de/duesseldorf/duesseldorf-stadt/nachrichten/Stadt-schafft-2400-neue-Parkplaetze_aid_793791.html
12 http://www.rp-online.de/public/download/aktuelles/download/HBEQD75M.pdf
13 http://de.wikipedia.org/wiki/Autogerechte_Stadt
14 http://homepage.ruhr-uni-bochum.de/frank.braechter/Deutsch/Studium/Geo/HA-SBuVI-FB.pdf

Bilder des Derendorfer Güterbahnhofgeländes von 2006 vor der Bebauung: http://www.dazzledorf.net/search.php?search_keywords=gueterbahnhofgelaende

Der rote Bulli kommt

Der rote Bulli

Der rote Bulli im NRW-Forum Düsseldorf

Nach gefühlten 1000 Ausstellungen mit eher profanen, aber publikumswirksamen Themen* stellt das NRW-Forum Düsseldorf ab dem 11.09.2010 das Werk Stephen Shores aus, eine der Schlüsselfiguren der New Color Photography. Auch der Einfluß Shores auf die Düsseldorfer Schule unter der Leitung der Bechers in den 70er, 80er und auch noch 90er Jahren wird in dieser Ausstellung anhand von Bildern der ehemaligen Becherschüler, wie z.B. Candida Höfer, Thomas Ruff, Thomas Struth und Andreas Gursky thematisiert.

*Nach der Privatisierung des ehemaligen Landesmuseums für Volk und Wirtschaft im Jahre 1998 konzentriert sich das Management des NRW-Forums vorwiegend auf leichtverdauliche und populäre Ausstellungen. Die enge finanzielle Bindung an einen der Hauptsponsoren -die Messe Düsseldorf- wird durch den unproportional hohen Anteil modebezogener Themen im Ausstellungskatalog deutlich: kein Jahr vergeht, ohne das zeitgleich zur Eröffnung einer der großen Düsseldorfer Modemessen auch irgendetwas Modisches im NRW-Forum zu sehen ist.

 
Der rote Bulli: Stephen Shore und die Neue Düsseldorfer Fotografie
11.09.2010 - 16.01.2011

NRW-Forum Düsseldorf
Ehrenhof 2
40479 Düsseldorf, Germany

Teilnehmende Künstler:
Stephen Shore, Bernd und Hilla Becher, Thomas Struth, Axel Hütte, Tata Ronkholz, Miles Coolidge, Martin Rosswog, Thomas Ruff, Candida Höfer, Claus Goedicke, Simone Nieweg, Stefan Schneider, Kris Scholz, Wendelin Bottländer, Elger Esser, Andreas Gursky, Boris Becker, Bernhard Fuchs, Laurenz Berges, Andi Brenner, Volker Döhne, Claudia Fährenkemper, Matthias Koch

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog:
Format 22,5×21,5 ca. 250 S., Hardcover, zweispr. Deutsch / Englisch, 33,- Euro
Titel: Der Rote Bulli. Stephen Shore und die Neue Düsseldorfer Fotografie / Stephen Shore and the new Düsseldorf Photography
Herausgegeben von Werner Lippert und Christoph Schaden
Autoren: Christoph Schaden, Tony Hiss, Gerald Schröder, Jeffrey Ladd, Maren Polte, sowie ein Überblick über “Die Studienklasse von Bernd Becher an der Kunstakademie Düsseldorf” mit allen Schülern.

Exzellenzfotografie
Erfolgsgeschichtenfotografie
BestPracticeFotografie
Benchmarkfotografie
Referenzfotografie
Success-Story-Fotografie
Das-Geistige-kommt-hier-zu-kurz-Fotografie
Weltanschaulich durchgeformte Fotografie
Ganzheitliche Fotografie
Masterplan-Fotografie
Nachhaltige Fotografie
Ich-bedanke-mich-für-diese-Frage-Fotografie
Leistungsbereitschafts-Fotografie
Beispielhafte Fotografie
Rheinisch-Römisch-Katholische Fotografie
Protestants-Go-Home-Fotografie
Reform-Fotografie
Rettungsschirm-Fotografie
Soziale-Marktwirtschafts-Fotografie
New-Deal-Fotografie
Sechsspänner-Fotografie
Hausaufgaben-machen-Fotografie
Neu-Aufstellen-Fotografie
Early-Adopter-Fotografie
Fanboy-Fotografie
Finger-im-Po-Mexiko!-Fotografie
Anständige Fotografie
Entscheider-Fotografie
Salon-Fotografie
Bildungsferne Fotografie
Aufbau-West-Fotografie
Abbau-Ost-Fotografie
emotionale Fotografie
Lückenlos-Aufgeklärte-Fotografie
Lumas-Fotografie
Akademie-Fotografie
Wachstumsbeschleunigungs-Fotografie
Womanizer-Fotografie
Koronarprotektive Fotografie
Fotografie von Gottes Gnaden
Lüftlfotografie
Besonders wertvolle Fotografie
Prädikatsfotografie
Prekariatsfotografie
Operettenfotografie
hochsterilisierte Fotografie
Anstrengungslose Wohlstandsfotografie
Spätrömische Dekadenzfotografie
Gefährdete Mittelstandsfotografie
Fotografie muß sich wieder lohnen!
Leitfotografie
Barrierefreie Fotografie
authentische Fotografie
Kompetenzfotografie
Das wird man ja wohl noch fotografieren dürfen!
Top-Kill-Fotografie
unbürokratische Fotografie
Sommermärchenfotografie
präsidiale Fotografie
Triple A-Fotografie
Gesunde Volksfotografie
Rumpelfotografie
Win-Win-Fotografie
Lose-Lose-Fotografie
Lieber schlechte Fotos als gar keine Fotos!
intelligente Fotografie
wertkonservative Fotografie
hintergründige Migrationsfotografie
verantwortungsvolle Fotografie
hochuninteressante Fotografie
Sackkinofotografie
mißverstandene Fotografie
brutalstmögliche Fotografie
epochale Revolutionsfotografie
systemimmanente Fotografie
tiefbegabte Fotografie
arbeitsplatzgefährdende Fotografie
arbeitsplatzsichernde Fotografie
nicht hilfreiche Fotografie
Deutsche Volksfotografie

Google Home View

Kays Home View: www.kayroehlen.net/wohnungen/wohnungen.html

Vortrag, Diskussion und Bildpräsentation
5. August 2010, 19 Uhr

Stadtplanung und Architektur sind die wesentlichen Gestaltungsinstrumente des städtischen Raumgefüges und bestimmen die innere Wahrnehmung des Stadtraums. Die äußere Wahrnehmung, das Stadtimage, wird entscheidend durch Fotografie und Film geprägt. Wie unterschiedliche politische, ökonomische oder dokumentarische Positionen vielfältige und völlig divergente Stadtimages erzeugen können, untersucht der Düsseldorfer Kay Röhlen seit mehreren Jahren mit seiner dokumentarischen Stadtraumfotografie.

Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist DAZZLEDORF, die flächendeckende Abbildung der Düsseldorfer Stadtlandschaft der Gegenwart mit den Mitteln der demokratischen Fotografie. Dazzledorf umfasst derzeit etwa 1200 Fachkamera-Aufnahmen mit Fokus auf Bauten der Moderne, Stadtumbauten der Nachkriegszeit und Bauten des Verkehrs. In anderen Serien erforscht Röhlen differenzierte Herangehensweisen an die Wahrnehmung von Stadträumen und hinterfragt Aussagekraft und dokumentarischen Wert von Stadtraumfotografien. In jüngster Zeit dehnt Röhlen sein Arbeitsfeld auf andere Städte, insbesondere Rotterdam, aus.

Im Vortrag am 05.08. stellt Röhlen zwei sehr unterschiedliche Konzepte seiner Stadtraumfotografie vergleichend vor. Im Anschluss Diskussion bei Wein und Snacks.

Statt einer begleitenden herkömmlichen Ausstellung werden wir einen zahlreichen Meter langen Endlos-Print mit Fotos unterschiedlicher Serien an die Wände des Projektraums montieren. Besucher haben die Möglichkeit, die Papierbahn zu zerschneiden und sich einzelne Fotos anzueignen. Die Ausstellung endet spätestens, wenn alle Fotos einen neuen Eigner gefunden haben.

Der Projektraum Fotografie ist eine Initiative von Haiko Hebig, Gerhard Kurtz und Daniel Sadrowski.

Projektraum Fotografie

Huckarder Straße 8-12
44147 Dortmund

Telefon 0231 58 96 253

Einladungskarte (PDF)

www.americansuburbx.com

Sehr umfangreiche amerikanische Fotoseite mit den Schwerpunkten Dokumentation, Reportage und Konzeptfotografie. Besonders interessant die Dutzende von Interviews mit z.B. Stephen Shore, William Eggleston, Gary Winogrand, Thomas Ruff …

www.americansuburbx.com

Frei nach Claude Chabrol, der meint, daß er lieber schlechte Filme als gar keine drehen würde.
Chabrol feiert heute seinen achtzigsten Geburtstag, herzlichen Glückwunsch!

Rotterdam auf www.kayroehlen.net

Rotterdam auf www.kayroehlen.net

Unter www.kayroehlen.net/rotterdam gibt es jetzt Rotterdamer Stadtaufnahmen zu sehen, die ich dieses Jahr aufgenommen habe. Die Bilder werden in Form einer interaktiven Google Map präsentiert, ganz ähnlich wie die Düsseldorfbilder unter www.dazzledorf.net/explore.php.

Klickt man auf die roten Fähnchen in der Landkarte, erscheint ein zusätzlich noch vergrößerbares Vorschaubild.Alternativ kann man die Vorschaubilder unterhalb der Landkarte anklicken und wird auf der Karte zum Aufnahmeort geführt.

Die Sammlung umfasst bislang knapp 300 Bilder und wird kontinuierlich erweitert. Sobald ich genügend Literatur und Informationsmaterial über die abgebildeten Objekte gesammelt habe, werden die Fotos auch vernünftig beschrieben und mit Keywords versehen.

Die Düsseldorfer Altstadt vor Alpenkulisse, der Rheinturm im Grand Canyon: digitale Bildbearbeitung macht es möglich. Sogar das Unmögliche: Mannesmann-Hochhaus und Kölner Dom friedlich nebeneinander vereint.
Düsseldorf geht auf Reisen unter www.duesselwelt.de

Gepflegte Links

Nach 2 Jahren war es an der Zeit, meine Linksammlung zu entrümpeln und ergänzen.
Hier nun alle Links, kommentiert und sortiert nach Themengebieten:



Architektur



Arch+
Arch+ widmet sich seit vier Jahrzehnten dem Experiment. Angesiedelt zwischen Architektur, Stadt, Kultur und Medien lotet Arch+ vierteljährlich die Grenzen der sich wandelnden Disziplinen in Theorie und Praxis mit intellektueller Neugier aus.

archINFORM
Internationale Architekturdatenbank

Architektur der 50er 60er 70er aus NRW
Forschungsprojekt zur Architektur und Ingenieurbaukunst der 50er, 60er und 70er Jahre im Land Nordrhein-Westfalen der Uni Dortmund

baukunst-nrw
baukunst-nrw – Die Datenbank für Architektur und Ingenieurbaukunst in NRW

Baunetz
Online-Newsdienst für Architekten und Ingenieure, stets aktuell

Berlin Babylon
hervorragende Filmdokumentation über das Berliner Baugeschehen der 90er Jahre.

Bildarchiv Foto Marburg
Bildindex der Kunst und Architektur des Marburger Archivs

Deutsches Architekturmuseum

koelnarchitektur.de
Architekturführer Köln

M:AI
Museum für Architektur und Ingenieurskunst NRW

Museum Of The Phantom City: Other Futures
Wandern Sie durch New York und sehen Sie auf Ihrem Iphone standortbezogene architektonische Visionen

NAI
Netherlands Architecture Institute

nextroom
Architekturdatenbank

restmodern.de
restmodern.de erfasst die typischen, aber vom Verschwinden bedrohten Bauten und Details der Nachkriegsmoderne in Berlin

structurae
Internationale Galerie und Datenbank des Ingenieurbaus

Strukturformen der modernen Architektur der 50er Jahre in Deutschland
Strukturformen der modernen Architektur der 50er Jahre in Deutschland, Dissertation von Grit Kluthe

urbanophil.net
Netzwerk für urbane Kultur

Wolkenkuckucksheim
Elektronische Architekturzeitschrift mit theoretischem Schwerpunkt





Düsseldorf



Aktionen gegen Wohnungsnot und Umstrukturierung in Düsseldorf
Politische Aktionen gegen Wohnungsnot und Umstrukturierung und die HausbesetzerInnenbewegung in Düsseldorf von 1972 bis heute, Diplomarbeit von: Volker Rekittke & Klaus Martin Becker Düsseldorf, den 17.11.1995

Alte Düsseldorfer Ansichtskarten

archinform: Düsseldorf

Architektur der 50er/60er/70er Jahre in Düsseldorf
Forschungsprojekt zur Architektur und Ingenieurbaukunst der 50er, 60er und 70er Jahre im Land Nordrhein-Westfalen.

Architektur im Düsseldorfer Medienhafen

Düsseldorfer Archivportal
Düsseldorfer Archive und historischen Einrichtungen

Düsseldorfer Baudenkmalliste
Vollständige Datenbank der Düsseldorfer Baudenkmäler mit komfortabler Suchfunktion

Geschichtswerkstatt Düsseldorf
Stadtführungen:Stadtrundgänge:Aktionen in Düsseldorf

Rheinischer Denkmalschutzverein
Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, Regionalverband Düsseldorf

Stadtplanungsamt Düsseldorf





Stadtprojekte



Daniel Belasco Rogers, Konzeptkünstler, Psychogeograph
“Alle Wege, die ich zurücklege, zeichne ich mit einem GPS-Empfänger auf. Das mache ich seit April 2003″

Die Theorie des Umherschweifens: Dérive
Der situationistische Ansatz Guy Debords zur Konstruktion von Situationen im urbanen Raum

Kommunalpolitische Infothek
Texte zur Stadtentwicklung

Landesinitiative StadtBauKultur NRW
StadtBauKultur NRW ruft Architekten, Stadtplaner, Ingenieure, Gartenarchitekten, Landschaftsplaner, Künstler und Bauherren auf, ihre Ideen und Vorschläge in die Landesinitiative einzubringen.

Liebe Deine Stadt
Nachkriegsbauten in Köln

SEHEN LERNEN StadtBauKultur NRW
Die Kampagne will die Öffentlichkeit für die gebaute Umwelt sensibilisieren und die Bevölkerung stärker für die Belange der Baukultur gewinnen.

Tropolism
Tropolism means proposing new alternatives. Tropolism means finding beauty everywhere it exists. Tropolism means making the hidden city visible.

Urban Catalyst
Projektsammlung zur Zwischennutzung von urbanen Übergangsräumen





Fotografie



Ansicht Aussicht Einsicht
Aufsätze des kunstgeschichtlichen Instituts Bochum über die Becher-Schüler

Beierle + Keijser
2 Fotografen aus Arnheim, ganz hervorragender Foto-Blog

Bernd Langmack
Stadt- und Industrielandschaften des Ruhrgebiets

Bildarchiv Foto Marburg
Bildindex der Kunst und Architektur des Marburger Archivs

Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz

Deutsche Fotothek
Bilddatenbank der sächsischen Landesbibliothek

Dieter Schmidt
Bremer Stadtfotograf

Ehsan Soheyli Rad

Fotoarchiv Ruhrmuseum

FotoNetzWerk Berlin
FotoNetzWerk Berlin verfolgt den Zweck, nach den für Berlin und seine Geschichte relevanten Fotografien von 1839 bis heute zu forschen, diese systematisch digital zu erfassen und über ein Portal im Internet jedermann öffentlich zugänglich zu machen.

Guido Fink
Ein bisschen Eggleston, ein bisschen Klein und ganz viel Fink

Haiko Hebig
Industrie- und immer häufiger Stadtlandschaften

Horatiu Sava
New Topographics, Landschaften und Menschen

Iconic Photos
Sammlung fotografischer Ikonen

Jörg Schmiedekind
Stadtlandschaften aus Berlin und Ludwigshafen

Kim Bouvy
Rotterdamer Stadtfotografin

Matthias Schaller

Michael Wesely
Langzeitbelichtungen von mehren Minuten bis mehreren Jahren

Oliver Susami
Münchner Soziologe, wirft interessante Blicke auf Städte, Menschen, Wohnungen

Pixelprojekt Ruhrgebiet
Ständig erweiterte Fotosammlung des Ruhrgebiets

Projektraum Fotografie
Arbeits- und Ausstellungsraum für Fotografie in Dortmund

Ralf Lange
New Topographics, Portraits, Innenaufnahmen

Sebastian Schubert
Wiener Stadtlandschaften und Interieurs

Shorpy
Historisches Archiv mit hochaufgelösten Großformatfotografien aus den USA

Stephan Baumann
Architekturfotograf aus Karlsruhe mit vielen interessanten freien Arbeiten

Stephen Shore
Ja, Stephen Shore halt

Urban Landscapes
Stadtlandschaftsfotografie aus dem englischen und angloamerikanischen Raum

William Eggleston
Ja, William Eggleston halt

Städte der Welt - Frühe Farbfotografien aus dem Musée Albert-Kahn im Dialog mit der Fotografischen Sammlung

Roger Dumas: Marktszene, Tokio, Japan, 1926.

Roger Dumas: Marktszene, Tokio, Japan, 1926.

Der Elsässer Albert Kahn schuf zwischen 1909 und 1931 ein Monument der Weltkultur. Er beauftragte Fotografen mit der Dokumentation des Lebens in Gesellschaften auf dem ganzen Erdball, ob in Marokko, Schweden oder auch in der Mongolei. Es entstanden seine 72.000 Aufnahmen umfassenden einzigartigen “Archive des Planeten”. Sie gehören zu den ersten Farbfotografien.
Das Stadtmuseum Düsseldorf widmet als erstes deutsches Museum dieser einzigartigen Sammlung eine Ausstellung mit einer Auswahl von Aufnahmen städtischen Lebens. Ergänzt wird diese globale Perspektive durch historische Düsseldorfansichten aus der Fotografischen Sammlung.

Stadtmuseum Düsseldorf
Berger Allee 2
40213 Düsseldorf

Städte der Welt: 29.05.2010 - 05.09.2010
Öffnungszeiten: Di - So 11:00 - 18:00h

Dummies

Dummies #06

Dummies #06

Neue Serie: Dummies

siehe auch:
Michael Schirner: Bye Bye

Stahl Ansichten

Stahl Ansichten von Bernd Langmack

Nach nur einem Jahr veröffentlicht Bernd Langmack mit STAHL Ansichten seinen zweiten umfangreichen Fotoband über das Ruhrgebiet. Seine Perspektive hat sich gewandelt: der unspezifische Blick des ersten Buchs RUHR Ansichten auf die Stadtlandschaft des Ruhrgebiets fokussiert nun in STAHL Ansichten auf die Maschinenlandschaften der stahlverarbeitenden Industrie. Und so wie sich im Ruhrgebiet die zerklüftete Stadtlandschaft und die Großanlagen der Montanindustrie gegenseitig bedingen und bestätigen, so wird auch erst über beide Bücher Langmacks ein ziemlich umfassendes Bild des Ruhrgebiets vermittelt.

Wobei mir persönlich STAHL Ansichten besser gefällt. Formal und ästhetisch unterscheiden sich die Fotos beider Bücher nicht, Bernd Langmack setzt gekonnt die bewährte Bildsprache der “New Topographics” ein, allerdings gewährt er dem Betrachter in Stahl Ansichten Einblicke in die weitgehend unbekannte Maschinenwelt der Stahlhütten, wohingegen RUHR Ansichten Bilder des auch mir gut bekannten öffentlichen Raums des Ruhrgebiets zeigt.

Mit STAHL Ansichten klärt Bernd Langmack im Kulturhauptstadtjahr 2010 die von unspezifischen Massenveranstaltungen verschwommene Sicht auf das Ruhrgebiet und gewährt Einblicke in das aller Pleitgenrufe* zum Trotz immer noch kräftig schlagende Stahlherz des Potts. Ein schöner und wichtiger Beitrag zum Kulturhauptstadtjahr 2010 eines Kulturschaffenden direkt aus dem Ruhrgebiet und nicht eine dieser kurzlebigen und bezugslosen Kunstaktionen oder Events der üblichen Profikreativen aus Berlin, Düsseldorf oder Tokiorama, die leider das Hauptprogramm des Kulturhauptstadtjahres überfüllen und wahrscheinlich über 99% der Kulturfördermittel einkassieren.

* Bei der Programmvorstellung zum Kulturhauptstadtjahr 2010 sagte Geschäftsführer Fritz Pleitgen: „Wir wollen neue Bilder gegen das alte, standortschädigende Image setzen.”

 

STAHL Ansichten
128 Seiten, ca. 75 Abb., Fadenheftung, Leinen mit Schutzumschlag, Kettler Verlag Bönen
Mit einem Essay von Michael Dückershoff, Kurator Hoesch Museum Dortmund


 

Fotoausstellung Stahl Ansichten:
12. April – 21. Mai 2010, Mo-Do 0730-1530h, Fr 0730h-1230h
Besucherzentrum im ThyssenKrupp Hüttenwerk Duisburg-Bruckhausen,
Kaiser-Wilhelm-Strasse 100, neben Tor 1


 

Links:

Bernd Langmack und seine beiden Bücher über das Ruhrgebiet: www.berndlangmack.de

Fritz Pleitgens Zitat: www.derwesten.de/kultur/ruhr2010/Groenemeyer-schreibt-eine-Hymne-auf-das-Ruhrgebiet-id60883.html

Come closer

Imagefilm der Düsseldorf Marketing und Tourismus GmbH:

Sprechtext:

Kommen sie noch noch näher und erleben sie, wie spannend die vitale Metropole Düsseldorf Erfolg und Lifestyle verbindet.

Come closer.

Düsseldorf. Die Stadt am Rhein. Ein außergewöhnlicher Ort. Zum Leben, zum Arbeiten. Für Kurztrips oder auch längere Aufenthalte. Herzlich und tolerant. Kreativ und international. Eine Stadt inspiert von Einflüssen und Impulsen aus aller Welt. Zukunftsweisend, voll von Begegnungen. Aus Gästen werden hier Freunde. Kommen sie noch näher. Wir bauen auf Freundschaften.

Bei uns finden viele Branchen ein inspirierendes Umfeld. Ob in Finanzen, Kommunikation und Dienstleistungen oder in Wissenschaft und Technik, Messen Made in Düsseldorf sind ein weltweitwer Qualitätsbegriff. Und die internationale Wirtschaft trifft bei uns auf Kongresslocations nach Maß. Exzellente Hochschulen und Technologiezentren bilden den Nachwuchs aus. Ein Ort für Erlebnisse und Entdeckungen. Große Museen und Galerien zeigen Kunst von Weltrang. Das Klangerlebnis in der historischen Tonhalle ist ein Genuß. Ob Oper, Theater oder Open-Air-Konzerte, wir kennen keine Langeweile. Denn hier spielt die Musik.

Düsseldorf ist das lebendige Zentrum einer Region mit über 11 Mio Menschen. Hier landen sie auf den Punkt genau. Im Herzen Europas. Aus Paris, London, Amsterdam oder Frankfurt erreicht man uns in maximal 2 Stunden. Ob vom Flughafen oder vom Hauptbahnhof, in 10 Minuten sind sie mitten in der City.

Wir lieben unsere jungen Klassiker. Allen voran Kurfürst Jan Wellem, dem Begründer der Kunst- und Kulturmetropole Düsseldorf. Über 750 Jahre Geschichte und eine große Liebe für die Zukunft, bei uns finden sie beides. In Kaiserswerth die über 1000jährige Pfalz, das Benrather Schloss, ein Gesamtkunstwerk aus dem Spätbarock. Im Medienhafen die Lebens- und Arbeitsräume von morgen, entworfen von internationalen Stararchitekten. Robert und Clara Schumann, Heinrich Heine, Paul Klee und Joseph Beuys, Klassiker und Avantgardisten in Kunst und Kultur prägen die Stadt. Auch wenn wir die Tradition lieben, Düsseldorf ist immer jung.

Düsseldorf ist eine Eventlocation von internationalem Rang. Ob Eishockey, Basketball oder Fußball, Düsseldorf jubelt mit. Für Begeisterung und Stimmung in den Stadien und Hallen sind unsere Fans berühmt. Düsseldorf punktet mit Topevents wie dem Skilanglauf-Weltcup direkt am Rhein, der Tennismannschaft-Weltmeisterschaft oder dem jährlichen Marathonlauf. Wo Raum ist für die Profis, ist bei uns auch immer Platz für Enthusiasten und Freizeitspaß.
Typisch Düsseldorf. Manchmal steht die Welt hier eben Kopf. Sunnyside up. Artisten verzaubern die Gäste der Stadt. Ebenso der jährliche Japantag. Zur Jazzrallye grooved ganz Düsseldorf. Das Open-Air-Kino direkt am Rhein, eine Attraktion für alle Filmfans. Die größte Kirmes am Rhein, in jedem jahr das Familienereignis. Der Düsseldorfer Karneval, Tradition plus Lebensfreude pur. Die Königsallee, kurz und liebevoll Kö genannt, ein Shoppingboulevard nicht nur mit internationalen Labels. In den Stadtteilen die innovativen jungen Designer. Und zwischendurch mal Auftanken. Die Stadt und ihre Menschen genießen mit einem Altbier aus einer Hausbrauerei in einem Biergarten, einem Straßencafe oder in einer Bar. Gelegenheiten bieten wir genügend. Die pure Sonnenseite. Ruhige Idylle und Gelassenheit in den Parks der Stadt, am Rhein, in der Natur. Und einfach entspannen.

Kommen sie noch näher. Wir freuen uns auf sie. Herzlich Willkommen in Düsseldorf.

English version and other languages: http://www.youtube.com/watch?v=uCpPcxc4FoM

Schon was älter, aber immer noch unfreiwillig dämlich: Tobias Kniebe schreibt für die Süddeutsche Zeitung über Düsseldorf:

Das Prinzip Düsseldorf, von Tobias Kniebe

This image is a work of a U.S. military or Department of Defense employee, taken or made during the course of an employee's official duties. As a work of the U.S. federal government, the image is in the public domain.

Rotterdam 1940

Vor 70 Jahren wurden Zentrum und Hafen Rotterdams durch schwere Bombardements der deutschen Luftwaffe nahezu dem Erdboden gleichgemacht. Dieser und weitere Luftangriffe in den folgenden Kriegsjahren zerstörten Rotterdam so ausführlich, daß sich die Stadtverwaltung nach dem Kriege anstatt für einen Wiederaufbau ehemaliger Strukturen für einen totalen städtebaulichen Neubeginn entschied. Grundbesitzer im Zentrum wurden gegen Entschädigung enteignet, der Stadtraum neu parzelliert und sogar die gesamte unterirdische Versorgungsinfrastruktur, wie z.B. Abwasserkanäle, Strom- und Wasserleitungen wurden neu verlegt.
Oberirdisch orientierte sich der Aufbau an den Prämissen der modernen Stadtplanung mit seiner räumlichen Trennung funktionaler Einheiten: die Banken und Verwaltungsgebäude wurden in der City rund um die Börse angesiedelt, der Hafen westlich Richtung Rheinmündung verlagert und die Wohngebiete an den Stadtrand verlegt. Allerdings kam es in den Achtzigern nach der unvermeidlichen Verödung der Innenstadt aufgrund fehlender Bewohner zu einem Strategiewechsel in der Stadtplanung. Die strenge Funktionstrennung innerhalb des Stadtraums wurde aufgehoben und zur Belebung der vewaisten Innenstadt wurden touristische sowie kulturelle Zentren und Wohngebiete im Stadtzentrum errichtet.
Das heutige Stadtbild ist geprägt von Gebäuden der Nachkriegsmoderne, der Postmoderne und aktueller Architektur. Rotterdam hat sich zu einem Zentrum und Labor der zeitgenössischen europäischen Architektur entwickelt, nicht zuletzt durch die Ansiedlung des NAi (Nederlands Architectuurinstituut), des Berlage-Instituts und namhafter Architekturbüros wie z.B. OMA oder MVRDV.
Dementsprechend verbindet das öffentliche Bewußtsein mit Rotterdam das Image einer modernen und lebendigen Großstadt. Dieses Stadtimage ist geprägt von einer blitzenden Wolkenkratzer-Skyline, spektakulärer Architektur und dem hochtechnisiertem und größten Seehafen Europas.

Phantom City, Kim Bouvy 2010

Phantom City von Kim Bouvy

Ganz anders Kim Bouvys Bild Rotterdams in ihrem neuen Buch Phantom City. Auf über 270 Seiten zeichnet sie mit ihren eigenen Schwarzweißfotografien aus den letzten 6 Jahren und alten, “gefundenen” Zeitungsfotos ein düsteres und befremdendes Bild der Stadt.
Ihre fotografische Erkundung Rotterdams beschränkt sich auf einen relativ kleinen Innenstadtbereich, den sie allerdings sehr gründlich dokumentiert. So kehrt sie immer wieder zu bestimmten Orten zurück und fotografiert diese Szenerien aus unterschiedlichen Perspektiven oder bei verschiedenen Lichtstimmungen.
Ihr Sujet ist im Gegensatz zu üblichen fotografischen Stadtportraits, die vornehmlich auf Gebäude und Sehenswürdigkeiten fokussieren, der Stadtzwischenraum, der menschliche Bewegungsraum zwischen den monolithischen Gebäuden der Moderne. Diese Architektur ist auf den Bildern zwar immer präsent, wird aber nicht wie auf den gängigen Stadtportraitfotos zum Hauptdarsteller und dient lediglich als Kulisse für meist unbespielte Straßen- und Platzszenerien. Nur selten treten Menschen als Akteure auf diesen Bühnen auf, aber immer wirken sie wie hilflose Statisten vor zu groß dimensionierten Kulissen.
Kim Bouvys Bildgestaltung ist nicht Sklave der strengen und geometrischen Ästhetik moderner Bauweise, so wie es heute in der Architektur- oder Stadtlandschaftsfotografie allgemein üblich ist. Hier wird die Kamera nicht exakt an der Architektur ausgerichtet, stürzende Linien nicht parallelisiert; das Bild wird nicht -zumindest nicht offensichtlich- kontrolliert und konstruiert, sondern eher beiläufig durch den flanierenden Fotografen mitgenommen. Nicht die Gebäude bestimmen mehr das Bild, sondern der Fotograf, der unkalkulierbare Mensch mit seiner Spontaneität, seinen Emotionen und seinen Fehlern.

Eigentlich zeigen uns diese Bilder nichts Neues oder Außergewöhnliches, wir alle sind mit solchen Szenerien aus den Großstädten Nachkriegseuropas vertraut. Aber Kim Bouvys Bildästhetik entreißt diese Stadträume ihrer unbeachteten Alltäglichkeit und verleiht ihnen eine merkwürdige Präsenz. Eine Präsenz, die zur intensiven Beschäftigung mit dem Dargestellten zwingt und den Stumpfsinn und Menschenfeindlichkeit, die Ort-, Zeit- und Geschichtslosigkeit dieser Räume offenbart und beim Betrachter ein Gefühl der Befremdung hinterläßt.*

Kim Bouvy präsentiert in Phantom City eine sehr erfrischende und nachdenklich stimmende Sichtweise auf unsere Städte. Besonders Anhänger der Zollstock-im-Arsch-New-Topographics-Fotografie** sollten dieses Buch kaufen. Und alle anderen auch, es ist unbedingt empfehlenswert.




*Eine ganz ähnliche ver- und befremdende Wirkung erzielte Jean-Luc Godard übrigens 1965 in seinem Film Alphaville. Die dystopische Zukunftsstadt Alphaville im Zentrum der Galaxis wirkt entfernt und fremdartig, ist aber das Paris der 60er Jahre. Und genau wie Eddie Constantine in der Rolle des Geheimagenten aus der Außenwelt Lemmy Caution als einzig normaler, emotionaler Mensch in der kalten, gefühllosen, von Maschinenmenschen bevölkerten Zukunftsstadt wild um sich ballert, schießt Kim Bouvy mit ihrer Kamera in Rotterdam die Häuser ab.

**intertextuelles Zitat: Haiko Hebig




PHANTOM CITY - A Photo Novel from Kim Bouvy
276 Seiten
offset
Soft cover, otabind
19×12 cm





Links:

Kim Bouvy: www.kimbouvy.com

Nederlands Architectuurinstituut (NAi): www.nai.nl

Berlage-Institut: www.berlage-institute.nl

Office for Metropolitan Architecture (OMA), Rem Kolhaas: www.oma.nl

MVRDV: www.mvrdv.nl

Alphaville (une étrange aventure de Lemmy Caution) von Jean-Luc Godard: www.artfilm.ch/alphaville.php

Die passende Musik zum Buch, ein einstündiger Sampler aus der Alphaville-Filmmusik, Textpassagen und elektronischen Musikschnipseln: http://alphavillefm.blogspot.com/

So ist es immer…

Filmplakat Alphaville

Filmplakat Alphaville

So ist es immer, man versteht nie etwas.
Eines abends endet es damit, daß man daran stirbt.

Eddie Constantine alias Lemmy Caution in Alphaville,
Jean Luc Godard 1965

Zeche Consolidation, Gelsenkirchen, 1974

Zeche Consolidation, Gelsenkirchen, 1974 © Bernd und Hilla Becher

Bernd und Hilla Becher.
Bergwerke und Hütten – Industrielandschaften

7. Februar bis 2. Mai 2010

Über vierzig Jahre hat das Fotografenpaar Bernd und Hilla Becher an einer Bestands aufnahme von Gebäuden der Industriearchitektur gearbeitet. Fabrikhallen, Fördertürme, Gasbehälter, Stahlöfen, aber auch Fachwerkhäuser gehören zu den Sujets, die sie in Deutschland, in England, Frankreich, Mitteleuropa und den USA aufgenommen haben.

Sie nennen diese Gebäude ‘Anonyme Skulpturen’, um auf deren eigentlich künstlerische Qualität hinzuweisen, die jedoch im Bewusstsein der zumeist unbekannten Baumeister und der Benutzer keine Rolle spielte. Ihre Fotografie will diese verborgenen skulpturalen Qualitäten verdeutlichen; genauso ist sie historische Dokumentation, mit der eine untergehende Baukultur - viele der fotografierten Gebäude und Anlagen sind heute nicht mehr in Gebrauch oder bereits abgerissen - vor dem Vergessen bewahrt werden soll.

Das Ehepaar Becher hat sich von Beginn an der Industriearchitektur im Ruhrgebiet mit besonderem Interesse gewidmet, namentlich den für diese Region typischen Berg werken und Stahlhütten. Zum ersten Mal wird mit unserer Ausstellung dieser Bereich ihres Schaffens systematisch erschlossen. Namen wie die der Zechen Concordia und Hannibal oder der Gutehoffnungshütte stehen bis heute für die industrielle Geschichte des Ruhrreviers. Dabei konzentriert sich die Ausstellung nicht auf einzelne Gebäude, sondern nimmt die Anlagen als ganze und ihre Situierung innerhalb des Stadt- oder Naturraums in den Blick. Dieser von den Bechers ‘Industrielandschaft’ genannte Bildtypus stellt das Ruhrgebiet in Bezug zu vergleichbaren Komplexen in Deutschland, Europa und den USA. Die für die Geschichte der Region so wichtige Sprache der Industriearchitektur findet hier zu einer gültigen Darstellung.

Zur Ausstellung erscheint in Zusammenarbeit mit dem Verlag Schirmer/Mosel das Buch Bernd und Hilla Becher. Bergwerke und Hütten (188 Seiten, 154 Duotonetafeln, Broschur). Preis im Museum: 36 Euro.

Die Ausstellung ist Teil des von den RuhrKunstMuseen organisierten Projekts Mapping the Region im Programm der Kulturhauptstadt Europas Ruhr.2010.

Die Ausstellung wird gefördert durch die Sparkassen-Finanzgruppe und die Kulturstiftung der Sparkasse Bottrop.

Josef Albers Museum Quadrat Bottrop

Im Stadtgarten 20
46236 Bottrop
Tel.: 02041/29716
Fax: 02041/22578

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Samstag: 11 - 17 Uhr
Sonn- und Feiertage: 10 - 17 Uhr
Montag geschlossen.

Johannes Bendzulla auf dem Rundgang 2008

Diese Woche ist wieder Rundgang in der Düsseldorfer Kunstakademie.

03.02.2010 - 07.02.2010

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Freitag: 9.00 bis 20.00 Uhr
Samstag und Sonntag: 10.00 bis 18.00 Uhr

Außerdem Mittwoch abend 19h das letzte Konzert von Lederlust in der Aula der Kunstakademie.

weitere Infos:

http://www.kunstakademie-duesseldorf.de/die-akademie/rundgang.html

http://www.myspace.com/lederlust11

Ökologische Stadt

Click: Flyer als PDF-Download

Eine Ausstellung des Stadtmuseums Düsseldorf

Preview: 4.2., 19 Uhr
Pressekonferenz: 5.2., 11 Uhr
Eröffnung: 5.2., 19.30 Uhr

Laufzeit: 06.02. – 02.05.2010
Di bis So von 11 – 18 Uhr

STADTMUSEUM
Landeshauptstadt Düsseldorf
Berger Allee 2
40213 Düsseldorf
Telefon: 0211.89-9 61 70

Medienpartner ARCH+

Dass sich die Debatte um Nachhaltigkeit und Klimawandel nicht nur von technischen, sondern vor allem auch von kulturellen Themen handelt, zeigt das STADTMUSEUM Düsseldorf, das gemeinsam mit dem Umweltamt und dem Stadtplanungsamt der NRW-Landeshauptstadt eine Ausstellung zum Thema Ökologie erarbeitet hat.
Mit Artefakten der Stadtgeschichte bis zur Gegenwart wird versucht, den Begriff „Ökologischen Stadt“ beispielhaft für Düsseldorf zu definieren.
Dazu dienen Gemälde, Fotografien, Pläne, Modelle, Grafiken, Statistiken, Zeitungsartikel, Archivalien, Filme und Tonaufnahmen, die von Vorträgen, Workshops und Aktionen begleitet werden.
Die Bürgerinnen und Bürger können so den Umgang mit den Ressourcen Wasser, Boden und Luft in ihrer Stadt diskutieren.

(Text Arch+, Bild Stadtmuseum Düsseldorf)

Es klingt wie ein Projekt aus den autoverrückten 60ern des letzten Jahrhunderts, aus einer Zeit, in der es noch Autowanderkarten gab und man ökologisch unvorbelastet spazierenfuhr, ist aber hochaktueller Bestandteil der Kulturhauptstadt 2010 und wird gerade realisiert: die Parkautobahn A42. Park nicht im Sinne des unfreiwilligen Stauparkens, sondern als bewußt gestalteter Weg zum Lustwandelnfahren durch den Emscher Landschaftspark. Unfreiwillig komisch werden so in der Machbarkeitsstudie seitenlang die optischen Analogien zwischen dem Landschaftspark und dem Schloßpark Sanssouci erzwungen: Wasserachsen im Park Sanssouci mit der begradigten Emscher, der Ruinenberg mit verrosteten Hochöfen, die Kolonnaden des Schloßes mit den Säulengalerien der Emscherbrücken.
Die Parkanlage ist also bereits vorhanden, der Parkweg -die A42- ebenfalls, jetzt muß der Weg nur noch wohlgestalt in diesen Park integriert und gleichzeitig eine vernünftige Aussicht auf den Landschaftspark geschaffen werden.

Die geplanten Maßnahmen (Zitate und Termini aus der Machbarkeitsstudie kursiv markiert):

  • Interventionen an besonderen Orten (sprich Abholzung des vorhandenen Baum- und Strauchbestands*) zur Schaffung von Sichtachsen auf sogenannte Sehenswürdigkeiten, wie z.B. schöne Häuser oder alte Kirchen

  • Einbau von Fenstern in Schallschutzwände, die ebenfalls den Blick auf die sogenannten Sehenswürdigkeiten freigeben

  • Redesign des Straßenbegleitgrüns, auch hier wieder strukturierende Beseitigung des vorhandenen Grüns auf 36000 qm Gesamtfläche und teilweiser Ersatz durch sogenannte Leitbäume.
    Leitbaum ist der Mammutbaum, die ersten wurden letzte Woche gepflanzt
    .

  • Anlage von Parks auf den Grünflächen der Autobahnkreuze, sogenannnte Ohrenparks

  • Parktankstellen, sprich: Rastplätze mit Aussichtsplattformen und Fahrradverleih.

  • Analog zu den Statuen eines klassischen Parks werden an den Autobahnausfahrten Podeste mit thematisch auf den jeweiligen Ort abgestimmten Objekten, so z.B. einem Fußball an der Ausfahrt Schalke, aufgestellt. Außerdem werden Anfang und Ende der A42 jeweils durch ein Parktor - 16 m hohe Stahlkonstruktionen mit aufgepflanzten Bäumen und Windrädern- markiert

  • Farblich einheitlich gestaltete Schallschutzwände und Leitplanken, die die Aufmerksamkeit der Autofahrer vor Ausfahrten erhöhen sollen

Ziel dieser 42 Mio Euro teuren Umgestaltung ist eine zeitgemäße Präsentation des Ruhrgebiets. Die Autofahrer sollen den Kulturraum Ruhrgebiet bewußter wahrnehmen, außerdem soll die Monotonie des Autobahnfahrens über die gegebenen visuellen Reize gebrochen und die Fahrsicherheit erhöht werden.

Die Autobahn soll also im Kulturlandschaftsraum Ruhrgebiet verortet  und somit eine räumliche Beziehung zwischen den Autofahrern und der durchfahrenden Umgebung geschaffen werden.
Und hier wird es schwierig. Autobahnen werden als raumlose Transits wahrgenommen, die lediglich interessante Orte miteinander verbinden. Der allgemeine Sprachgebrauch macht es deutlicher, die Frage nach der Distanz zwischen 2 Städten wird üblicherweise mit der zeitlichen Dimension -also der Fahrdauer- beantwortet, die räumliche Dimension der Streckenlänge kann häufig gar nicht näher beziffert werden. Eine Ausnahme bilden vielleicht noch Urlaubsfahrer, die auch mal nach rechts oder links von der Fahrbahn eine Blick riskieren, der gemeinhin zeitknappe Berufskraftfahrer wird sich kaum noch für die tagtäglich durchquerte Umgebung interessieren, die als einzige Highlights Industrieruinen, alte Kirchen und ein paar schöne Häuser hergibt**.
Ich denke, daß bereits der Ansatz des Projekts, die Analogie Schloßparkweg-Landschaftparkautobahn verkehrt ist, da sich die gefühlte Raum- und Zeitstruktur eines eher “langsamen” klassischen Fußgängerparks von unseren “schnellen”, modernen automobilen Stadt- und Landschaftsräumen eklatant unterscheidet. Zeitgemäßer wäre sicherlich eine Orientierung an aktuellere, auf das Automobil zugeschnittene Raumsysteme gewesen, wie z.B. Las Vegas. So wie das Ruhrgebiet ist auch Las Vegas eine sehr schnell gewachsene Raumstruktur in einem ehemaligen Niemandsland. Allerdings wuchs Las Vegas parallel mit dem Autoboom in den USA und konnte sich deshalb bestens den Bedürfnissen des automobilen Flaneurs anpassen. Diese Anpassung und Ausrichtung der Stadt auf den Autofahrer wurde in den 60ern eingehend von den Architekten Robert Venturi, Denise Scott Brown et al in dem hochinteressanten Buch “Learning from Las Vegas” analysiert und interpretiert.
Kurz zusammengefasst beschreibt das Buch eine urbane Raumstruktur aus vornehmlich architektonisch einfachsten Gebäuden, welche über ihre Dekorationen -Neonreklame, Werbetafeln, Symbole- um die Aufmerksamkeit der ausnahmslos motorisierten Flaneure konkurrieren. Sowohl in ihrer Größe als auch in ihrer Ausrichtung sind diese Zeichen perfekt auf den Strip -die Hauptverkehrstraße Las Vegas- ausgerichtet.

Learning from Castrop-Rauxel

Vertane Chance: So schön und trendsetzend hätte die A42 werden können!

Und hier könnte das Ruhrgebiet den Amis noch etwas vormachen: anstatt die Neonwerbung auf eine Straße zu beschränken, könnte man mit gigantischen illuminierten Reklametürmen ungeahnten Ausmaßes ganze Städte entlang der A42 bewerben oder Autofahrer über die neuesten Events und Konsumangebote der Region informieren; mit 42 Mio € hätte man da schon eine Menge auf die Beine stellen können. Außerdem wäre keinem einzigen lärm- und sichtschützenden Baum oder Strauch entlang der A42 ein Ast gekrümmt worden, ortsansäßige Werbeunternehmen, Bau- und Elektrofirmen hätten über Jahre hinweg volle Auftragsbücher und der eine oder andere Autofahrer würde tatsächlich den Werbeaufrufen folgend die Autobahn verlassen.
Und auf dem Weg von der Autobahnausfahrt zum Konsumtempel könnte er sich nebenbei in aller Ruhe noch alte Kirchen und schöne Häuser aus der Nähe angucken.

*Die Rodung des lärm- und sichtschützenden Straßenbegleitgrüns ist den Autobahnanliegern schwer bzw gar nicht zu vermitteln. Die Leserkommentare der Presseartikel zu dem Thema bewerten die Parkautobahn fast ausschließlich negativ. Auch die Resonanz der lokalpolitischen Akteure des Ruhrgebiets ist überwiegend ablehnend, siehe http://www.derwesten.de/suche/?s=dd&q=parkautobahn

**Das Interesse an alten Kirchen oder schönen Häusern hält sich nicht nur im Ruhrgebiet, sondern allgemein doch sehr in Grenzen, wenn die alte Kirche nicht gerade der Kölner Dom ist oder die schönen Häuser Spektakelgebäude von Gehry, Libeskind und Co sind.

 
Links:

Parkautobahn A42:
http://www.essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de/programm/metropole-gestalten/baukultur/parkautobahn-a42.html

Machbarkeitsstudie der Parkautobahn:
http://www.bl-nord.de/files/blfiles/a42/2701__A_42_Machbarkeitsstudie.pdf

Bericht des WDR-Magazins Westpol vom 17.05.09 über die Parkautobahn:
http://www.wdr.de/themen/global/webmedia/webtv/getwebtvextrakt.phtml?p=10&b=227&ex=6

BUND.NRW steigt aus Beratungen aus:
http://www.bund-nrw.de/index.php?id=3378&tx_ttnews[tt_news]=12486&tx_ttnews[backPid]=3347

Visionär oder absurd, Stimmungsbilder über die Parkautobahn:
http://www.derwesten.de/staedte/herne/Visionaer-oder-absurd-id58821.html

Straßen.NRW, Mammutbaum wird Leitbaum:
http://www.strassen.nrw.de/thema/ruhr.2010/parkautobahn-a42/leitbaum.html

Bericht über die Pflanzung der ersten Mammutbäume:
http://www.derwesten.de/staedte/castrop-rauxel/Der-erste-Mammutbaum-an-der-A42-ist-gesetzt-id2408874.html

 
Literatur:

Learning from Las Vegas, Robert Venturi, Denise S. Brown, Steven Izenour:
http://www.birkhauser-architecture.com/#2222190

The View from the Road, Donald Appleyard, John Myer, Kevin Lynch (leider vergriffen):
http://urbantick.blogspot.com/2009/12/view-from-road.html

Wolkenkuckucksheim

Beim Stöbern in einer 11 Jahre alten Archplus-Ausgabe stieß ich auf einen Link mit anscheinend hochinteressantem Inhalt. Unter der sperrigen Adresse http://www.theo.tu-cottbus.de/wolke wurde damals eine dreisprachige Architekturzeitschrift namens Wolkenkuckucksheim mit dem Schwerpunkt Architekturtheorie veröffentlicht. Und tatsächlich findet man diese elektronische Zeitschrift auch heute noch unter dieser Adresse. Sehr zu empfehlen!

 
Links:

Wolkenkuckucksheim: http://www.theo.tu-cottbus.de/wolke

Arch+: http://www.archplus.net

Installation Bilder #5

Installation Bilder #5

Installation Bilder #5

Installation Bilder #5

Installation Bilder #5


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Bilder #5, Marmor, Blei, 10×15 cm, Dezember 2009
(freundlicherweise angefertigt von Oliver Moser, Steinmetz aus Düsseldorf)

 
Links:

alle Bilder-Installationen: www.kayroehlen.net/information_installation

Der Weinreinbringer

Fünf Männer seh ich
inhaltsschwer -
wer sind die fünf?
Wofür steht wer?

Des ersten Wams strahlt blutigrot -
das ist der Tod
das ist der Tod

Der zweite hält die Geißel fest -
das ist die Pest
das ist die Pest

Der dritte sitzt in grauem Kleid -
das ist das Leid
das ist das Leid

Des vierten Schild trieft giftignaß -
das ist der Haß
das ist der Haß

Der fünfte bringt stumm Wein herein -
das wird der
Weinreinbringer sein.

Robert Gernhardt

  

Video auf 8”-Photoframe, Länge: 2 min, Auflösung: VGA, Endlosschleife

 
Links:

alle Bilder-Installationen: www.kayroehlen.net/information_installation

Seascapes für Arme

Seascapes für Arme #24, Düsseldorf im November 2009

Seascapes für Arme #24, Düsseldorf im November 2009

Neue Werkgruppe auf www.kayroehlen.net:

Mit Bryce 5.5 gerenderte Seascapes für Arme, Düsseldorf im November 2009

Inkjet-Print, Format ungefähr 100 x 133 cm, unlimitierte Auflage.

 

Links:

Seascapes für Arme:
http://www.kayroehlen.net/seascapes/

Seascapes für Reiche:
http://images.google.com/images?&q=seascapes%20hiroshi%20sugimoto

Bryce:
http://www.daz3d.com/i.x/software/bryce/

Ende Oktober positionierten sich mehrere Hamburger Stadtteilinitiativen in dem Manifest Not in our name, Marke Hamburg gegen die Instrumentalisierung von Kreativen als wirtschaftsfördernde Maßnahme im Sinne des Ökonomen Richard FloridaStädte ohne Schwule und Rockbands verlieren das ökonomische Wettrennen” durch das Stadtmarketing. Die Kernaussage dieses Manifests lautet wörtlich: “Wir sagen: Eine Stadt ist keine Marke. Eine Stadt ist auch kein Unternehmen. Eine Stadt ist ein Gemeinwesen.”

Alles fast richtig, aber gerade der letzte Punkt lädt zum Nachhaken ein. Was ist das, ein Gemeinwesen? Grundsätzlich alle Formen menschlichen Zusammenlebens, die über Mikrogemeinschaften, wie z.B. eine Familie hinausgehen. Also Staaten, Kommunen, Städte, aber auch Königreiche, Diktaturen usw, ganz unabhängig von der Machtverteilung im jeweiligen System.
Ich gehe davon aus, daß die Verfasser des Manifests an dieser wesentlichen Stelle leider falsch oder zumindest sehr unscharf formuliert haben, ansonsten könnte man nämlich alles beim alten belassen, da Hamburg auch in seinem jetzigen, von den Künstlern kritisierten Zustand ungleicher Verhältnisse ein Gemeinwesen ist.
Ist nicht eher eine Gemeinschaftsform gemeint, in dem jedes Mitglied im Rahmen seiner Möglichkeiten ohne Benachteiligung anderer Gruppenmitglieder einen positiven und stabilisierenden Einfluß auf das Kollektiv ausübt, welches im Gegenzug den Gruppenindividuen Sicherheit, Stabilität und Heimat bietet?
Natürlich gibt es in solchen Gemeinschaften immer gegensätzlich agierende Personenkreise, im folgenden stark vereinfacht zusammengefasst in die Gruppe Besitzer (z.B. Grundstückseigentümer, Vermieter) und Besitzlose (z.B. Mieter, Wohlfahrtsabhängige). Koordinierend und vermittelnd müßte eigentlich der dritte Akteur auf der städtischen Bühne, die Stadtverwaltung stehen. Seitdem Unternehmensberatungen städtische Verwaltungen ausschließlich unter marktwirtschaftlichen Maßstäben beurteilen und umstrukturieren, kann man diese ehemals dritte Kraft getrost der Besitzergruppe zuschlagen.

Die populärsten Vorwürfe gegen die Besitzer und Stadtverwaltungen sind hinlänglich bekannt und in gestraffter Form z.B. in diesem Manifest nachzulesen, deshalb richte ich mein Augenmerk auf die wesentlich größere, aber gleichzeitig schwächere Gruppe der Besitzlosen:
Was nehmen und geben wir, die besitzlosen Individuen eigentlich der Stadt?
Der Besitzlose nutzt die wirtschaftliche, kulturelle, soziale und Verkehrsinfrastruktur der Stadt, beschränkt sich beim Geben meistens aber auf möglichst wenig Steuern und Abgaben.
Weil wir (post)moderne Menschen sind, die hemmungslos unseren Individualismus und Egoismus kultivieren, weil wir uns am liebsten blasiert und desinteressiert durch den Stadtraum bewegen und weil uns selbstloses und uneigennütziges Denken und Handeln veraltet und exotisch erscheint.
Wer von uns engagiert sich für die Stadtgemeinschaft über seine persönlichen Interessen hinaus?
Wenige, sehr wenige dürften das sein, dabei ist die Besetzung der mittlerweile vakanten Position des sozial engagierten Akteurs mit dem Ausscheiden der Stadtverwaltung aus lokalen Wohlfahrtsarrangements dringender vonnöten denn je.
Wir können natürlich nicht großflächig neue Wohnungen bauen oder Arbeitsplätze schaffen, aber wir können sofort in und mit unserer Nachbarschaft im kleinen Maßstab Dinge bewegen, Hausgemeinschaften, Stadtteilinitiativen, Kinderbetreuung, Altenversorgung usw.
Aber dafür müßten wir unsere materialistisch und narzisstisch bestimmten Individualinteressen einschränken, müßten auf fremde Menschen zugehen und unsere heißgeliebte Freizeit für affektive Arbeit opfern.

Fällt was auf? Wir, die armen, besitzlosen Stadtbürger unterscheiden uns lediglich in der Geld- und Machtfülle von den reichen Besitzern des städtischen Raums; das materialistisch-individualistische Persönlichkeitsfundament, auf dem sich unsere ichbezogenen, asozialen Handlungsstrukturen aufbauen, haben wir Besitzlosen aber mit den Besitzern gemein.
Auch dieses Manifest hinterläßt leider den Eindruck, daß es den Verfassern -Künstler und Kreative- vornehmlich um die Sicherung und Ausbau ihrer ganz speziellen Individualinteressen geht, auch wenn sie sich als Feigenblatt das Interesse für Belange randständiger Stadtbevölkerungsgruppen umbinden.
Das Feigenblatt fällt allerdings sehr sehr klein aus; gerade eine Handvoll Sätze in dem doch recht umfangreichen Manifest beschäftigen sich mit fehlenden Sozialwohnungen, überzogenen Mieten und Gentrifizierungstendenzen, ansonsten wird seitenweise aus der speziellen Sicht der Kulturschaffenden die Hamburger Kulturpolitik und das Stadtmarketing kritisiert.
So sehr ich mich auch der Kritik an den bestehenden Verhältnissen anschließen kann, so wenig kann ich mir allerdings vorstellen, daß ausgerechnet die Gruppe der Kreativen und Künstler über ihre persönlichen und individuellen Interessen hinaus in der Lage ist, nachhaltig das soziale Klima Hamburgs zu verbessern. Ist es nicht gerade Grundvoraussetzung für einen modernen Künstler, besonders individuell zu sein? Sind Einzelgängertum und Egoismus nicht fundamentale Eigenschaften, um auf dem schwierigen Kunst- und Kulturmarkt bestehen zu können?

Trotz dieser Einwände und Vorbehalte gegen die Initiatoren des Manifests bewerte ich die Aktion schlussendlich positiv, grundsätzlich richtige Kritik an der Stadtpolitik wurde über das Sprachrohr einer sendungsbewußten und mediengewandten Gruppe kommuniziert.

Aber jetzt ist unser aller Engagement gefragt, damit diese Bewegung auf eine breite Basis gestellt wird und nicht Gefahr läuft, nur als Künstler/Kreativlobby zu agieren.

 
Links:

Manifest Not in our name, Marke Hamburg!: http://buback.de/nion/

Gentrification Blog: http://gentrificationblog.wordpress.com/

Ökonom Richard Florida: http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Florida

Floridas Propagandaseite: http://creativeclass.com/

Es gibt wieder eine neue Düsseldorfer Bürgerinitiative, die sich mit dem Denkmalschutz auseinandersetzt. Aber im Gegensatz zur Lott-stonn-Bürgerinitiative für die Erhaltung des Tausendfüßlers und der Düsseldorfer-Pro-Gaslicht-Bewegung will die Denkmal-Lärm-Initiative den Schutz des Verkehrsdenkmals obere Kaiserswerther Straße aufheben und das Kopfsteinpflaster gegen Asphalt ersetzen lassen.

Kaiserswerther Straße

Das südliche Ende des gepflasterten Abschnitts der Kaiserswerther Straße, im Vordergrund ist das Kopfsteinpflaster zu erkennen.

Zur Geschichte: Die Kaiserswerther Straße, vormals Richthofenstraße, wurde im Jahre 1937 anläßlich der Reichsausstellung ‘Schaffendes Volk’ zur Anbindung der Innenstadt an das im nördlichen Stadtraum gelegene Ausstellungsgelände begradigt und auf 58 m verbreitert, um genügend Platz für zwei Fahrbahnen zu je acht Metern Breite und einen viergleisigen Bahnkörper für Straßenbahnen zu schaffen. Die ursprüngliche Kopfsteinbepflasterung ist zwischen Freiligrathplatz und Reeser Platz auf 1,3 km Länge erhalten geblieben und wurde am 08.05.2009 ind die Düsseldorfer Denkmalliste eingetragen.

Leider führt diese Straße fast auf ihrer gesamten Länge durch Wohngebiete und fällt den Anwohnern nicht aufgrund ihrer optischen, sondern durch ihre akustischen Reize auf. Der Motorenlärm und ganz besonders die Abrollgeräusche der Autoreifen auf den Granitsteinen produzieren auf der stark befahrenen Straße tagsüber eine Schalldruckpegel von knapp 70 db(A), in den angrenzenden Wohngebieten liegt der Schalldruck immer noch zwischen 55 und 70 db(A), nachts sinkt der Pegel in den Wohngebieten auf Werte zwischen 50 und 60 db(A) ab.

INFO

Wirkung von Lärm auf Menschen

Lärm löst in Abhängigkeit von der Tageszeit (Tag/Nacht) in unterschiedlichem Maße unterschiedliche Reaktionen aus. Im Allgemeinen sind innerhalb von Wohnungen bei Mittelungspegeln (Lm), die nachts unter 25 dB(A) und tags unter 35 dB(A) liegen, keine nennenswerten Beeinträchtigungen zu erwarten. Diese Bedingungen werden bei geöffneten Fenstern (bei Annahme einer mittleren Schalldruckpegeldifferenz von 10 dB(A)) bei Außenpegeln nachts unter 35 dB(A) und tags unter 45 dB(A) sichergestellt. Bei gekippten Fenstern (max. etwa 10 cm Öffnungsschlitz in Kippstellung) kann von einer 5 dB(A) höheren Schallpegeldifferenz ausgegangen werden. [Kötz, W-D.2004] Die Bedingungen werden demnach bei gekippten Fenstern noch erreicht, wenn die Außenpegel nachts unter 40 dB(A) und tags unter 50 dB(A) liegen. Bei Mittelungspegeln über 55 dB(A) tags außerhalb der Häuser ist zunehmend mit Beeinträchtigungen des psychischen und sozialen Wohlbefindens zu rechnen.

Auszug aus der Broschüre Lärmmindernde Fahrbahnbeläge herausgegeben vom Bundesumweltamt 2009

Somit werden die gesundheitsschädlichen Grenzwerte für Lärm sowohl tagsüber als auch nachts ständig überschritten (siehe Info-Kasten).
Da ich in direkter Nähe zur Kaiserswerther Straße in Stockum aufwuchs, kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, daß diese Straße unangenehmst laut ist. Gerade zu Messezeiten produziert die Straße eine konstante akustische Dröhnung, die auch in den angrenzenden Wohngebieten das Maß des Erträglichen locker übersteigt.

4 Instrumente zur Lärmminderung sind theoretisch denkbar:

  • Schallschutzwände

  • Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit

  • Minderung des Verkehrsaufkommens

  • Austausch des Fahrbahnbelags.

Schallschutzwände sind wohl die schlechteste Alternative, da sie nicht nur das gesamte Erscheinungsbild des Straßenzugs negativ beeinflussen, sondern auch die ohnehin gegebene räumliche Trennung der Wohngebiete durch die Kaiserswerther Straße weiter verstärken würden.

Die Einrichtung einer Tempo-30-Zone ist direkt umsetzbar und kostet fast nichts.

Kaiserswerther Str.: Straßenlärm tagsüber
Kaiserswerther Str.: Straßenlärm nachts

Kaiserswerther Str.: Straßenlärm

Eine Senkung des Verkehrsaufkommens z.B. durch Einrichtung einer Anlieger-Zone halte ich für möglich, da der Durchgangs- und auch der Messeverkehr über die gut ausgebaute Beckbuschstraße und die entlang des Rheins verlaufende Rotterdamer Straße geführt werden kann. Diese asphaltierten Straßen tangieren auch nur auf sehr kurzen Abschnitten Wohngebiete, somit dürfte es nicht nur zu einer Verlagerung des Lärmproblems kommen.
Zusätzlich könnte man die Höchstgeschwindigkeit auf der Kaiserswerther Straße auf 30 km/h beschränken.

Auch den Austausch des Pflasters gegen Asphalt und somit die Aufhebung des Denkmalschutzes sollte in Betracht gezogen werden, da im Falle der Kaiserswerther Straße die Nachteile für die Bevölkerung die Vorzüge der Erhaltung historischer Bausubstanz bei weitem übersteigen.
Da Düsseldorf außerdem über eine Großzahl wesentlich älterer gepflasterter Straßen verfügt, hält sich hier der Verlust in Grenzen.
 

Links:

Bürgerinitiative Denkmal-Lärm: http://www.denkmal-laerm.de/

Reichsausstellung “Schaffendes Volk”: http://schaffendesvolk.sellerie.de/

Broschüre des Bundesumweltamts “Lärmmindernde Fahrbahnbeläge”: http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3841.pdf

Lott-stonn-Bürgerinitiative zur Erhaltung des Tausendfüßlers: http://www.dazzledorf.net/aktuell/index.php/2009/09/14/tausendfusler/

Düsseldorfer-Pro-Gaslicht-Bewegung: http://www.dazzledorf.net/aktuell/index.php/2009/10/30/den-schein-wahren/

Den Schein wahren

Der Protest der Bürgerinitiative Lott-stonn! gegen den Abriß des Tausendfüßlers war kaum verhallt, da formierte sich zum Jahresbeginn eine neue Front engagierter Düsseldorfer Bürger gegen einen wesentlich tiefgreifenderen Umgestaltungsplan der Stadtoberen: alle Gaslaternen sollten gegen moderne LED-Leuchten ausgetauscht werden.

INFO

Nach Berlin mit 44 000 Gaslaternen (20% aller Berliner Straßenlaternen) besitzt Düsseldorf mit 17 000 Gaslaternen das zweitgrößte Gaslaternennetz weltweit.
Mit 30% ist der Anteil der Gaslaternen an der Gesamtzahl aller Düsseldorfer Straßenlaternen extrem hoch und auf findige Ingenieure der Düsseldorfer Stadtwerke zurückzuführen, die in den fünfziger Jahren die Umrüstung der Gaslaternen vom giftigen Stadtgas auf Erdgas technisch ermöglichten.
Außer Berlin und Düsseldorf ersparten sich damals alle anderen deutschen Städte die Modifikation der meisten Laternen auf Erdgasbetrieb und tauschten ihre Gaslaternen direkt gegen elektrisch betriebene Leuchten aus. In diesen Städten findet man Gaslaternen meistens nur noch vereinzelt auf touristisch interessanten Plätzen oder Straßenzügen vor.

Im Gegensatz zu der Lott-stonn!-Bewegung könnte diesmal die Bürgerinitiative Düsseldorfer-Pro-Gaslicht* zumindest einen Teilerfolg verbuchen, da der Stadtrat aufgrund des massiven Widerstands von seinen ursprünglichen Plänen abrückte und sich kompromißbereit zeigt:
das Gaslaternen-Modell Alt-Düsseldorf aus der Gründerzeit (4334 Laternen) und die 200 Frankfurt-Laternen im Hofgarten sollen auch weiterhin mit Gas betrieben werden, die Ansatz- und Aufsatzleuchten aus den 30er Jahren (9973 Exemplare)  auf LED-Technik umgerüstet und die 3100 Exemplare der Reihenleuchte aus den 50ern komplett demontiert und durch moderne LED-Laternen ersetzt werden.
Düsseldorfer-Pro-Gaslicht ist das zu wenig, vergangenen Montag übergab Gabriele Henkel im Namen der Initiative Oberbürgermeister Dirk Elbers eine Resolution, in der die Bürgerinitiative fordert, das gesamte Düsseldorfer Gaslaternennetz unter Denkmalschutz zu stellen, langfristig soll sogar die Aufnahme in die Weltkulturerbeliste angestrebt werden.

Emotion und Tradition gegen Fortschritt und Effizienz, gute Argumente haben beide Lager zu bieten:

Pro LED

  • Der Wirkungsgrad einer LED-Lampe ist um ein Vielfaches höher als der einer Gaslaterne, sprich: sie sind trotz niedrigerer Leistungsaufnahme viel heller

  • Die Ökobilanz der LED-Lampen ist aufgrund ihres niedrigeren Energieverbrauchs besser als die der Gaslaterne

  • Die Wartungskosten einer LED-Laterne sind niedriger, sie arbeiten wesentlich störungsärmer als Gaslaternen

  • Effizientere Lampenkopfgestaltung ermöglicht ein blendungsfreie Beleuchtung

  • Strombetrieb ist sicherer als Gasbetrieb

Pro Gaslaterne

  • Angenehm warmes Licht

  • Hohe Gaslaternendichte Alleinstellungsmerkmal Düsseldorfs

  • Starke emotionale Wirkung

Gaslaterne Alt-Düsseldorf

150 Jahre alt, häßlich, aber beliebt: die Laterne Alt-Düsseldorf verbleibt im Originalzustand

Gerade in Zeiten schrumpfender Städte sind die beiden letzten Argumente der Gaslicht-Befürworter eigentlich unschlagbar. Die Bevölkerung unserer Großstädte nimmt stetig ab, im Wettbewerb um neue Einwohner setzen die Stadtregierungen neben den traditionellen Instrumenten wie z.B. der Wirtschaftsförderung oder dem Ausbau der Infrastruktur verstärkt auf die Förderung sogenannnter weicher Faktoren (soft skills). Die Stadt wird zu einer Marke aufgebaut (city-branding), sie soll im Vergleich zu anderen Städten einzigartig im positiven Sinne sein, anziehend für neue und identitätsstiftend für die bereits vorhandenen Bewohner werden. Düsseldorfs ausgedehnte Gasbeleuchtung erfüllt alle Bedingungen für solch ein City-Markenzeichen: (fast) einzigartig in seiner Netzausdehnung, angenehm im Erscheinungsbild, beliebt bei den Bürgern.

In Anbetracht der Klimaproblematik haben die LED-Verfechter mit ihren Energiesparlampen bessere Karten; das Bild relativiert sich, wenn man den absoluten Energieverbrauch und Kohlendioxidausstoß der Gaslaternen analysiert: er liegt bezogen auf den Gesamtenergieverbrauch Düsseldorfs im Promillebereich, der Anteil am Kohlendioxidausstoß bei 0,2%.
Ein weiterer Vorteil der LEDs ist die wesentlich größere Lichtausbeute und die Möglichkeit der effektiven Lichtlenkung und -bündelung über moderne Reflektor- und Linsensysteme.**

Die Aufsatz- und Ansatzleuchten aus den 30er Jahren sollen auf LED-Betrieb umgerüstet werden. Abgebildet ist eine Aufsatzleuchte

In diesen Punkten fällt die beliebte Gaslaterne Alt-Düsseldorf aus der Gründerzeit besonders negativ auf: ihre Beleuchtungsstärke ist so niedrig, daß gerade mal der Laternensockel ausreichend erhellt wird. Da der Laternenkopf auf einem recht kurzen Mast sitzt, wird man eigentlich ständig geblendet.
Die Beleuchtungsqualität der Ansatz- und Aufsatzleuchten ist nicht viel besser, lediglich der Blendfaktor ist geringer, da die Laternenköpfe aufgrund ihrer etwas größeren Lichtleistung auf höheren Masten montiert sind.
Das hellste Licht mit dem niedrigsten Blendfaktor strahlen die Reihenleuchten aus den 50ern aus, leider sollen ausgerechnet diese schönen Laternen auf ihren eleganten Peitschenmasten im Rahmen der Umstellung ganz verschwinden.



Die Ansatzleuchte wird ebenfalls umgerüstet



Auch wenn die LEDs wesentlich effizienter als Gaslaternen arbeiten, halte ich die Umrüstpläne der Stadt für keine gute Idee. Farbtemperatur und Helligkeit der LEDs können noch so perfekt das Gaslicht simulieren, es ist doch nur ein historisierender und falscher Schein ohne Authentizität und emotionale Wirkung. Form und Inhalt müssen zueinander passen, sonst landet man ganz schnell bei solch Grausamkeiten wie dem Braunschweiger Schloß, einer rekonstruierten Schloßfassade mit Kaufhausinnenleben.
Eine LED gehört in moderne, funktionale Strahler und nicht in eine 80 Jahre alte Gaslaterne.

Komplett daneben liegt die Stadt mit ihrer Entscheidung, die Reihenleuchte aus den Fünfzigern vollständig zu demontieren. Das Verschwinden dieser im Stil der Nachkriegsmoderne gestalteten Laterne würde das Gesamtbild der über 100-jährigen  Düsseldorfer Gaslaternen-Geschichte um ein wichtiges Element berauben, außerdem passt gerade dieser Laternentyp wunderbar zur ausgedehnten Nachkriegsbebauung Düsseldorfs.

50 Jahre alt, schön, aber unbeliebt: die Reihenleuchte soll aus dem Straßenbild verschwinden

In diesem Zusammenhang muß man die Frage stellen, warum der sogenannnte Ensembleschutz fast ausschließlich auf Straßenzüge, Plätze oder Stadtviertel angewandt wird, deren Bebauung mindestens aus dem vorletzten Jahrhundert stammt; einem Jahrhundert, welches sich überwiegend durch seine eklektizistischen Stilverirrungen und -verwirrungen auszeichnete und solch gestalterisch und funktional fragwürdige Produkte wie z.B. die Gaslaterne Alt-Düsseldorf hervorgebracht hat. Was nicht heißen soll, daß diese Produkte oder Gebäude nicht schützenswert sind, sie besitzen natürlich einen kulturhistorischen und/oder architekturgeschichtlichen Wert. Einen ebensolchen Wert besitzen aber auch die in Düsseldorf reichlich vertretenen Bauten der Nachkriegsmoderne.
Die nachts übrigens besonders schön wirken, wenn sie von Gaslaternen ihrer Generation illuminiert werden. :-)

Da unterstütze ich doch lieber die Initiative Düsseldorfer-Pro-Gaslicht in ihrer Forderung, das Gaslaternennetz vollständig zu erhalten.***
Der schöne Gasschein muß bewahrt werden.



* Viele Mitglieder der Bürgerinitiative Düsseldorfer-Pro-Gaslicht gehören zur düsselDorfprominenz: Die Kunstsammlerin Gabriele Henkel, Tony Cragg, Rektor der Kunstakademie, Kay Lorentz vom Kom(m)ödchen, die Galeristin Julia Stoschek, der Karnevalswagenbauer Jaques Tilly, um nur einige zu nennen.

** Man kann die Lichtwirkung der LED-Laternen live vor dem Aquazoo im Nordpark überprüfen, da hier die Stadt zu Testzwecken 4 LED-Laternen mit unterschiedlichen Leuchtcharakteristika aufgestellt hat.

*** Vertretbar wäre für mich noch der Austausch der Gaslaternen gegen LEDs in eher unbelebten Stadtvierteln wie z.B. Industriegebieten oder auf Parkplätzen. In diesen nächtens ausgestorbenen Stadträumen wiegen die Sicherheitsvorteile einer hellen LED-Beleuchtung bei weitem die gemütliche Atmosphäre des Gaslichts auf.




Links:

Verein ProGaslicht, hier findet man auch die Initiative Düsseldorf Pro Gaslicht: http://www.progaslicht.de/

Pressespiegel Gaslaternen in Deutschland:
http://www.progaslicht.de/Gaslichtstadte/Presselinks/presselinks.html


Zu schlechter Letzt ein echter Weggucker: Elektrolampen im Gas-Outfit, private Installation auf Firmengrund

Das Ruhrlandmuseum übernahm 1989 von der Kulturstiftung Ruhr eine aus mehreren Konvoluten bestehende Fotosammlung zur Geschichte des Ruhrgebiets. Zurzeit umfasst das Bildarchiv mehr als zwei Millionen Negative und mehrere Zehntausend Papierabzüge (Vintages, Reprints) und Dias. Es handelt sich dabei überwiegend um komplette Nachlässe von Bildjournalisten und Ateliers, außerdem um einzelne Serien oder Teile von Werken, die sich auf das Ruhrgebiet beziehen. Daneben existieren anonyme und private Überlieferungen.

Die zeitlichen Schwerpunkte der Sammlung erstrecken sich von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart, insbesondere die 30er sowie 50er bis 90er Jahre des 20. Jahrhunderts. Thematisch wird ein breites Spektrum abgebildet: alte und neue Bilder der Region, Zeugnisse der wechselvollen Geschichte von Politik, Kultur und Sport, von Landschaften und Städten; Beobachtungen der Menschen und ihres Alltags; Dokumente der Industriearchitektur ebenso wie der unterschiedlichsten Arbeitsplätze und schließlich der Zeugen des Strukturwandels.

Unter den Fotografen finden sich viele berühmte Namen - von Ruth Hallensleben, Ludwig Windstosser, Albert Renger-Patzsch, Richard Gerling bis André Gelpke, Thomas Struth oder Bernd und Hilla Becher. Aufbewahrt werden die Bilder von so bedeutenden Lokal- und Regionalreportern und Fotografen wie Willy van Heekern, Peter Kleu, Josef Stoffels, Anton Tripp, Hermann Hill, Rudolf Holtappel, Marga Kingler.

Die Sammlung steht allen Interessenten offen, sie wird von Wissenschaftlern der unterschiedlichen Disziplinen ebenso genutzt wie von den Medien, von anderen Kultur- und Bildungseinrichtungen und von Bürgerinnen und Bürgern, die sich über bestimmte Aspekte der Geschichte und Gegenwart der Region informieren möchten.

Seit heute (02.10.09) online: http://www.fotoarchiv-ruhrmuseum.de

Installation “Bilder”

Installation Bilder #1

Installation Bilder #1

Neue Serie auf www.kayroehlen.net: “Bilder”.


Installation Bilder #1

Installation Bilder #1

Die erste Bilder-Installation besteht aus 7 Detailaufnahmen einer Zimmerwand.




Die fotografierten Wandausschnitte werden im Maßstab 1:1 mit einem 6mm breiten weißen Rand im Format 10 x 14.8 cm auf Thermosublimationspapier gedruckt, auf 5mm KAPA-Bloc gezogen und deckungsgleich mit dem abgelichteten Ausschnitt auf der Wand fixiert.



Weitere Installationen sind in Vorbereitung, bei Interesse an einer persönlichen Bilder-Installation bitte E-Mail an kay@dazzledorf.net

Tausendfüßler


Anläßlich des ersten Spatenstichs für den Kö-Bogen in Düsseldorf präsentierte Daniel Libeskind der Öffentlichkeit vor 3 Wochen seinen Entwurf zur Bebauung des Jan-Wellem-Platzes, ein zentral in der City am nördlichen Ende der Königsallee und am südlichen Ende des Hofgartens gelegenen Platzes, der seit Jahrzehnten als Straßenbahn- und Busbahnhof genutzt wird.
Der zugrunde liegende städtebauliche Neuordnungsplan für diesen Platz sieht eine fußgängerfreundliche Verbindung des bislang durch den Bahnhof und Straßen abgeschnittenen Hofgartens zur Königsallee vor.
Libeskinds Bebauungsentwurf nimmt diesen vermittelnden Charakter des Platzes ästhetisch auf, indem er drei wichtige, das Bild des dortigen Stadtraums im wesentlichen bestimmende optische Momente -die Glasfassade des Dreischeibenhauses, die geschwungene Architektur des Schauspielhauses und das Grün des Hofgartens- in seinem Gebäude namens Kö-Bogen kombiniert.
Sowohl der Straßenbahn- als auch der Autoverkehr werden zukünftig durch Tunnel unterhalb des Platzes geleitet und damit komme ich zum eigentlichen Thema des Artikels: dem Tausendfüßler.

Die aufgrund ihrer vielen Stützen von den Düsseldorfern als Tausendfüßler* bezeichnete 500m lange gegabelte Hochstraße neben dem Jan-Wellem-Platz soll nach Fertigstellung des Autotunnels trotz bestehenden Denkmalschutzes abgerissen werden.
Geplant und erbaut wurde der Tausendfüßler 1962 im Rahmen der Umstrukturierung Düsseldorfs zu einer autogerechten Stadt durch den damaligen Baudezernenten Friedrich Tamms, dem die Stadt auch die wunderschöne innerstädtische Brückenfamilie, das leider abgerissene Rheinstadion, aber auch breite, den ehemals bestehenden städtischen Wohnraum zerstörende Durchgangsstraßen, wie z.B. die Berliner Allee, in die der Tausendfüßler mündet, zu verdanken hat.
Isoliert betrachtet kann die Architektur des Tausendfüßlers aufgrund ihrer Leichtigkeit und Eleganz als sehr gelungen bezeichnet werden, innerhalb des umgebenden Stadtraums wirkt er eher sperrig und als optische Grenze zwischen der Schadowstraße und dem Schadow- bzw Jan-Wellem-Platz, zusammen mit dem benachbarten und ungefähr zur gleichen Zeit errichteten Thyssen-Hochhaus und  dem etwas jüngeren Schauspielhaus ergibt sich aber ein beispielhaftes Ensemble qualitativ hochwertiger Nachkriegsarchitektur auf engstem Raum.

Verkehrstechnisch bald überflüssig, stadt- und architekturgeschichtlich aber hochinteressant hat sich der Tausendfüßler zu einem Düsseldorfer Politikum entwickelt, um den sich der Stadtrat, Bürgerinitiativen und Künstlergruppen seit 3 Jahren zanken.
Die Stadtregierung will ihn abreißen lassen, die Bürgerinitiativen und Künstler wollen ihn bewahren.
Über die zukünftige Funktion der Hochstraße sind sich die Gegner des Abrisses allerdings nicht ganz einig; die prominenteste und größte Anti-Abriß-Gruppierung Lott stonn! will auch weiterhin mit dem Auto über den Tausendfüßler fahren, andere Gruppen schlagen eine Umnutzung, z.B. als Fußgängerpromenade** vor.

Der Lott-stonn-Initiative mit ihrem Wunsch der weiteren Autoverkehrsnutzung des Tausendfüßlers kann ich mich nicht anschließen; der Individualautoverkehr muß in unseren Städten eingeschränkt werden, der Durchgangsverkehr sollte möglichst unterirdisch geführt werden, um die innerstädtische Lebensqualität zu steigern.
Wesentlich sympathischer ist mir die Idee einer Umfunktionierung des Tausendfüßlers zu einer Fußgängerpromenade. Allerdings sollte der auf der Tausendfüßler-Promenade lustwandelnde Flaneur immer an die ehemalige Funktion dieser Hochstraße gemahnt werden, indem man auf den ehemaligen Fahrspuren dicht an dicht ein paar Hundert Abwrackautos fixiert, die dort langsam vor sich hin rosten dürfen.
Gleichzeitig würde innerhalb oder besser oberhalb dieses extrem konsumorientierten Innenstadtbereichs (Königsallee, Schadowstraße) für die geneigten Fußgänger ein Ort der Kontemplation und in Anbetracht der vor sich hin rostenden heiligen Konsumkühe hoffentlich auch ein Ort der Besinnung geschaffen.

* Der gemeine Düsseldorfer neigt im allgemeinen zur Übertreibung. Tatsächlich ruht der Tausendfüßler nicht auf 1000, sondern lediglich auf 20 Stützen.

** Ein sehr gelungenes Beispiel für die Umnutzung obsoleter innerstädtischer Verkehrswege ist die in Paris auf einer stillgelegten Hochbahntrasse angelegte Promenade plantée.

Links:

Tausendfüßler: http://de.wikipedia.org/wiki/Tausendf%C3%BC%C3%9Fler_%28D%C3%BCsseldorf%29

Städtebauliche Neuordnung Nordende Königsallee/Jan-Wellem-Platz: http://www.duesseldorf.de/planung/stadtentw/entwicklungsgeb/koebogen/index.shtml

Daniel Libeskind: http://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Libeskind

Kö-Bogen: http://www.daniel-libeskind.com/projects/show-all/koe-bogen-duesseldorf/

Das Stadtplanungskonzept der “autogerechten Stadt”: http://de.wikipedia.org/wiki/Autogerechte_Stadt

Friedrich Tamms: http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_Tamms

Künstlerinitiative gegen den Abriß des Tausendfüßlers: http://www.mitohne.de/index.htm

Initiative des rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftschutz e.V. “Lott stonn!” gegen den Abriß: http://www.pixelitohosting.com/hosting/lott-stonn/

Bürgerinitiative gegen den Abriß: http://www.unser-jan-wellem-platz.de/

Promenade plantée: http://www.promenade-plantee.org/

Fotos des Tausendfüßlers, des Jan-Wellem-Platzes und des umliegenden Stadtraums

Ciao Ciao David

David von Hans-Peter Feldmann

David von Hans-Peter Feldmann

Nach über einem Jahr wird morgen Hans-Peter Feldmanns Plastik-David vor dem Malkasten abmontiert und durch eine Skulptur von Tony Cragg, dem neuen Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie, ersetzt.
Schade. Finden meine Kinder (6 und 8 Jahre) auch, die haben sich immer köstlich über den “großen nackten bunten Mann mit dem bekloppten Gesicht” amüsiert.
Aber eine Abschiedsparty im Malkasten am Donnerstag, den 3. September ab 19h gibt es dann doch noch.

M:AI: Architektur im Aufbruch

M:AI: Architektur im Aufbruch

Warum wird die Architektur der 1960er Jahre so heftig diskutiert? Warum spricht bei Gebäuden aus dieser Zeit so oft die Abrissbirne das letzte Wort? Wo liegen die Qualitäten der Architektur dieser Zeit? Welcher Zeitgeist steht hinter der Baukunst dieses Jahrzehnts?

In der Ausstellung „Architektur im Aufbruch. Planen und Bauen in den 1960ern“ befasst sich das M:AI Museum für Architektur und Ingenieurkunst mit ausgewählten Architekturbeispielen aus dieser Zeit. In der Duisburger Liebfrauenkirche, einem charakteristischen Bau der 60er, geht es um Hintergründe und Zeitströmungen, um das, was Architekten in der Zeit bewegte und um neues architektonisches Selbstverständnis. Die Ausstellung wirft einen differenzierten Blick auf die Architektur der 1960er Jahre und lädt ein, sich mit neuer Offenheit diesem Thema zu nähern: Denn diese Zeit hat noch mehr zu bieten als Beton, Verdichtung und Großform. Architektonisches Schaffen war nach den ersten notwendigen Wiederaufbaumaßnahmen auf dem Weg zu einem eigenen Ausdruck: Fortschrittsglauben, Wirtschaftswunder, eine neue Rolle auf internationalem Parkett waren die Motoren für eine Neupositionierung der Architektur. Die Ausstellung will die Architekturqualität der 60er schwerpunktmäßig an Beispielen aus Nordrhein-Westfalen beleuchten.
Ein umfangreiches Diskussions- und Exkursionsprogramm begleitet die Ausstellung.

* Idee und Gesamtkonzept: Dr. Ursula Kleefisch-Jobst, M:AI
* Wissenschaftliches Konzept und Beratung: Prof. Dr. Thorsten Scheer, Peter Behrens School of Architecture Düsseldorf
* Ausstellungsarchitektur: Jangled Nerves, Stuttgart
* Projektpartner: Stadt Duisburg, Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum, Stiftung Brennender Dornbusch, Ruhr Universität Bochum, Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW, Stadt Bochum

Vom 23.Oktober bis 29. November 2009 ist die Ausstellung im Foyer des Audimax der Ruhruniversität Bochum zu sehen.

M:AI: Architektur im Aufbruch

Logo Route der Wohnkultur

Logo Route der Wohnkultur

Wesentlich kleiner und unspektakulärer als das Still-Leben Ruhrschnellweg aber umso feiner ist das Kulturhauptstadt 2010-Projekt Route der Wohnkultur.
Auf diesen geführten Touren durch rund 60 Wohnungen unterschiedlichster Coleur kann man sich einen Einblick in verschiedene Wohnsituationen des Ruhrgebiets verschaffen, ich zitiere:

Die unterschiedlichen Projekte der Route der Wohnkultur werden das gesamte Kulturhauptstadtjahr [und darüber hinaus] anhand buchbarer Führungen in lokalen Touren von drei bis vier Stunden Länge im Außenraum erfahrbar gemacht. Diese geführten Touren veranschaulichen an unterschiedlichen Standorten die vier Kernthemen des Wohnens im Ruhrgebiet :

Siedlung
Geschichte & Moderne
Urbanität
Demografie

Über das Ruhrgebiet verteilt werden vier bis fünf lokale Touren angeboten, diese orientieren sich an den Portalstädten der Kulturhauptstadt RUHR.2010 [Duisburg, Oberhausen, Essen, Bochum, Dortmund].
Jede lokale Tour besitzt einen Ankerstandort, an dem die Tour startet oder endet, er bildet das „Highlight“ einer Tour und verfügt über weitere Informationsmöglichkeiten und Angebote. Die Touren des Basisangebotes sehen nur in Ausnahmefällen einen Besuch bewohnter Wohnungen vor.

In den Monaten August, September und Oktober werden zusätzlich ausgewählte bewohnte Wohnungen entlang der geführten Touren für die Besucher geöffnet.

Am “Tag der Wohnkultur“, einem Tag im September 2010, werden alle 60 Wohnobjekte der Route der Wohnkultur für Besucher zugänglich sein, diese können unabhängig von Führungen besucht werden.

Für ein interessiertes Fachpublikum können die lokalen Touren jeweils über ihre vier Themen auch regional zu Themenrouten vernetzt werden.

Im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 wird es nächstes Jahr einige Großveranstaltungen im Ruhrgebiet geben. Der sicherlich spektakulärste und größte “Event” ist das Still-Leben Ruhrschnellweg, ich zitiere aus dem Pressetext:
Von 11 Uhr bis 17 Uhr wird die gesamte Strecke der A40 am 18.07.2010 in beide Richtungen gesperrt und für Besucher freigegeben. In Fahrtrichtung Duisburg wird die längste Tafel der Welt zur Bühne kultureller Vielfalt der Metropole Ruhr. Auf der Fahrbahn von den Ausfahrten Dortmund, Märkische Straße bis Duisburg-Häfen wird der rund 60 Kilometer lange Tisch aufgebaut. Auf der Gegenrichtung von Duisburg nach Dortmund können alle Interessierten die einmalige Chance nutzen, mit allem was Räder, aber keinen Motor hat, die Autobahn zu befahren.

Schön Scheiße: A40 in Essen © Klaus Henning P.

Schön Scheiße: A40 in Essen © Klaus Henning P.

Die A40 wird also zur “Bühne” des multinationalen -der Begriff multikulturell scheint mir hier zu hoch gegriffen- Lebens im Ruhrgebiet, aber hat sie das eigentlich verdient? Die temporäre kulturelle Bespielung primär anderweitig genutzter ->Eichbaumoper oder auch die dauerhafte Umwandlung ihrer ursprünglichen Funktion entledigter Stadträume ->Zeche Zollverein in kulturelle Veranstaltungsorte kann mittlerweile auf eine langjährige Tradition zurück blicken und führt in den meisten Fällen tatsächlich zu einer Bereicherung des sozialen und kulturellen Lebens an diesen Orten.
Bei dem Still-Leben kann man sich für 25 € + Bearbeitungsgebühr + Ticketversandkosten einen Biertisch mieten und alle Facetten der Alltagskultur -Gesang, Tanz, Musik, Kabarett, Theater, Lesungen- entweder selber produzieren oder konsumieren. Wir dürften uns darüber einig sein, daß die Natur dieser “Kulturveranstaltung” sich nicht sonderlich von im Ruhrgebiet ständig stattfindenden Schützen- oder Stadtteilfesten unterscheidet, bemerkenswert scheint mir nur der Austragungsort A40 zu sein und der hat es -um die eingangs gestellte Frage klar zu beantworten- eindeutig nicht verdient.

Auch Schön Scheiße: Still-Leben Ruhrschnellweg, © TAS Emotional Marketing GmbH

Auch Schön Scheiße: Still-Leben Ruhrschnellweg, © TAS Emotional Marketing GmbH

Ähnlich dem Berliner Todesstreifen zieht sich diese gerne als Hauptschlagader des Ruhrgebiets (Hauptschlagadern gehören im übrigen unter die Haut oder wie in diesem Fall in einen Tunnel) bezeichnete Asphaltschneise kilometerlang durch mehrere Großstädte des Ruhrgebiets, trennt ehemals räumlich und kulturell verbundene Stadtteile und kontaminiert ihre Umgebung mit ohrenbetäubendem Lärm, Dreck und erbärmlichem Anblick. Und so sehe ich die temporäre Überhöhung der A40 zum kulturellen Austauschort lediglich als hirn- und geschmacklosen Euphemismus erste Güte an.

Wie es meiner konstruktiven Natur entspricht, stelle ich abschließend noch drei persönliche Alternativen zur Einbindung der A40 in das Kulturhauptstadtprojekt vor:

1. Opel-Renntag auf dem Ruhrschnellweg
Gleich dem Berliner Avus wird der Ruhrschnellweg für einen Tag zur Rennstrecke umfunktioniert.
Zur Wahrung des Lokalkolorits und Promotion des Opelwerks Bochum sind nur Fahrzeuge der Marke Opel zugelassen, teilnehmen dürfen nur Mitglieder der im Ruhrgebiet zahlreich vertretenen Opel-Gangs mit ihren von D&W aufgemotzten Autos.

2. Alle motorisierten Bewohner des Ruhrgebiets packen am 18.07.2010 Grillzeug, Getränke und Campingmöbel in den Kofferraum ihrer Fahrzeuge und begeben sich auf die A40, deren Zufahrten an diesem Tag alle geöffnet, die Abfahrten aber gesperrt sind. Der kulturelle Austausch in diesem bemerkenswerten Riesenstau von 60km Länge dürfte gleichwertig zu dem geplanten Still-Leben-Projekt sein, allerdings zu einem Bruchteil der Kosten. Außerdem wird der Ruhrschnellweg funktionstypischer in dieses Alltagskulturereignis eingebunden.

3. Totalsperrung der A40 für einen Tag. Keine Autos, keine Menschen: absolute Ruhe für einen Tag, das verstehe ich unter Still-Leben Ruhrschnellweg.

Kay

Das gelbe Haus

Da ich eher am Zusammenspiel verschiedener Stadtobjekte im urbanen Raum interessiert bin, widme ich recht selten eine ganze Bilderserie einem einzelnen Gebäude. Das gelbe Haus in Derendorf scheint mir aber einer näheren Betrachtung wert zu sein.

Gelbes Haus, rote Halle, passende Container und Autos

Gelbes Haus, rote Halle, passende Container und Autos

Umschlossen vom Düsseldorfer Stadtarchiv, einer Mercedes-Benz-Werkshalle und älteren Firmengebäuden liegt das gelbe Haus am nördlichen Ende des Derendorfer Güterbahnhofs in einem alten Gewerbegebiet an der Rather Straße. Auf den ersten Blick ein eher ungewöhnlicher Ort für ein primär von Modefirmen genutztes Gebäude, näher betrachtet macht die Standortwahl Sinn, da sich in unmittelbarer Nähe Deutschlands wichtigste Modemessen auf dem Düsseldorfer Messegelände und den zugehörigen Fashion-Houses mehrmals pro Jahr inszenieren. Auch weitere Modefirmen haben bereits ihre Showrooms in benachbarte Gebäude integriert, so z.B. in der direkt angrenzenden roten Halle.

Mit seinen streng in 13 Achsen angeordneten hohen Atelier-Sprossenfenstern und dem Spitzgiebel wirkt das gelb-bräunlich verklinkerte Haus aus der Entfernung wie ein ordentlich renovierter Altbau.Die gelbe Farbe wiederholt sich in allen Gebäudeelementen: Fensterrahmen, Jalousien, die Jagdgöttin-Diana-mit-Hirsch-Statuen auf dem Dach und das Dach selbst: alles gelb oder gülden, lediglich von einem sehr kleinformatigen, an bedruckte Textilien oder Schlangenhaut erinnerndes Rautenmuster auf der Frontfassade überzogen.

Alcatraz in Düsseldorf: Rückseite des gelben Hauses

Alcatraz in Düsseldorf: Rückseite des gelben Hauses

Die Annäherung an das Gebäude offenbart Überraschendes: auf der Vorderseite werden 52 Galeriefenster  von kapitalen -ebenfalls gelben- Elchgeweihrepliken bekrönt; das Originalgeweih ist laut Architekten die Trophäe eines schwedischen Großwildjägers.
Der Eingang liegt etwas versteckt hinter einer Säulenreihe an der nördlichen Schmalseite des Gebäudes. Durch den Säulengang gelangt man auch zur schmucklosen Rückseite des gelben Hauses, welches in Kombination mit den vergitterten Fenstern und dem Basketballfeld eher an den Gefängnishof von Alcatraz erinnert.
Einzig der Vorplatz -terrassenförmig angelegte Parkplätze- ist ein echter Minuspunkt, da kann die zugegeben witzige Idee des als Firmenschildhalter umfunktionierten Containerstapels mit aufgepflanzten Birkenbäumchen auch nicht viel retten. Die grauen Betonplatten der Parkplätze unterstützen zwar sehr schön die Farbwirkung des gelben Hauses, im vollgeparkten Zustand geht diese Effekt aber leider verloren.

Die Verwendung klassischer Gebäudegestaltung, ohne historisierend zu wirken, der humorvolle Balanceakt zwischen Ornament und Kitsch der Elchgeweihe und die den rheinischen Backsteinexpressionismus zitierende gemusterte Klinkerfassade ergeben ein verspielt kreatives und ideenreiches Gesamtbild, sicherlich ganz im Sinne der im Haus ansässigen Modefirmen.

Der Entwurf des 2007/2008 errichteten Neubaus stammt von Karl-Heinz Petzinka, Nathalie Ness und René Clasen, Bauherr ist die Petzinka Wohn- und Gewerbeimmobilien GmbH & Co KG.

Und sollten die Elchgeweihe mal aus der Mode kommen, kann man sie garantiert ganz leicht durch andere Applikationen ersetzen, die dann en vogue sind, wie z.B. Elefantenrüssel, Blumenkästen, Klobürsten…

Kay

Gelbes Haus
Düsseldorf Derendorf, Rather Straße
Baujahr 2007-2008
Architekten: Karl-Heinz Petzinka, Nathalie Ness und René Clasen

Rote Halle
ehemalige Rheinmetall-Halle, Sanierung und Umbau 2006
Architekten: Petzinka Pink Architekten

Zur Bildserie auf www.dazzledorf.net

Das Leben

Meistens ist das Leben ja langweilig.

Und es wird nicht viel spannender, nur weil man die Kamera draufhält“,

Bjarne Mädel alias Rüdiger Bunz in Der kleine Mann

so der Kunsthistoriker Beat Wyss in einer Sondersendung des Deutschlandradio Kultur von der Art Basel. Naja, Tomaten soll es soweit ich weiß auch ohne Supermärkte geben.
Die Sendung war gespickt mit solch fragwürdigen Äußerungen unterschiedlichster Interviewpartner allesamt mit dem Ziel, die Wirtschaftskrise weg- und schönzureden. Plötzlich hieß es, daß die spektakulären Höchstpreise -die vor kurzer Zeit niemand ernsthaft in Frage gestellt hat- für Kunst in den letzten Jahren sowieso viel zu hoch waren und der Markt sich jetzt endlich! wieder normalisiert. Zurück bleiben die wahren! Kunstliebhaber und Sammler, die ohne unlautere Spekulationsabsichten für reine! Kunst angemessene Preise zahlen werden, hihi.
Ok, lautes Pfeifen im dunklen Rezessionswald von Leuten, deren wirtschaftliche Existenz direkt vom Kunstmarkt abhängt; kann man verstehen. Aber ganz unabhängig von der Wirtschaftskrise befinden wir uns schon seit geraumer Zeit in einer Phase, die den bestehenden Kunstmarkt zwar nicht vollständig umwälzen oder verändern, sondern um einige interessante Aspekte erweitern, vielleicht sogar bereichern wird.
Angetrieben von dem diffusen Drang zur Selbstverwirklichung, versuchen sich Unmengen von Menschen auf kreativen Gebieten zu individualisieren, etwas eigenes und persönliches als Kontrapunkt zu unserer Massengesellschaft zu schaffen. Die “Kunst” ist nicht länger eingeschlossen in avantgardistischen oder akademischen Kreisen, sie ist zur Massenkunst geworden und wird über das Massenmedium Internet schnell, effektiv und preiswert verbreitet. Sie bleibt aber keineswegs virtuell, sondern findet ihren Weg in die reale und öffentliche Welt häufig in Form von Galerien oder Ausstellungen zurück. Zusätzlich besteht der Mehrwert dieser Kunst nicht selten in persönlichen Kontakten zum Künstler und im Vergleich zur Spekulationsmarktkunst sehr niedrigen Preisen. Über die Qualität¹ dieser Kunst kann man geteilter Meinung sein, rein quantitativ betrachtet dürfte die Menge an hochwertigen Werken aber enorm anwachsen.
Sicherlich wird weiterhin der Spekulationskunstmarkt existieren und somit auch die “Kunst wegen des Marktes²“, daneben wächst aber nun auch ein bunter Amateurkunstmarkt mit vielfältigen Absatzmöglichkeiten. Tomaten gibt es eben auch nicht nur im Supermarkt oder Feinschmeckergeschäft, sondern auch beim Türken um die Ecke oder bei der direkt erzeugenden Nachbarin ausm Biogarten.

¹ Geht man von einer Gaußschen Normalverteilung in der künstlerischen Qualität (jaja, künstlerische Qualität ist nicht meßbar, aber mein persönlicher Eindruck korreliert mit dieser Kurve) der gezeigten Werke aus, so ist der Großteil im Mittelfeld anzusiedeln: nicht richtig schlecht und nicht richtig gut, eben der erwartete Durchschnittswert. Sehr wenig ist abgrundtief schlecht und ebenso wenig ist herausragend gut. Sehr wenig im Zeitalter des Massenindividualismus und der Massenkunst bedeutet aber in absoluten Zahlen eine ganze Menge: 1 Promille herausragender Künstler von einer Million sind immerhin 1000 Personen.

² Das soll aber nicht heißen, daß es auf dem Spekulationskunstmarkt nur marktorientierte Kunst gibt.

Farbstich

Viele der neueren Fotos sind aufgrund eines Verarbeitungsfehlers farbstichig. Ich werde sie im Laufe der Zeit durch farbrichtigere Varianten ersetzen.

Helnweins Donald Duck zum 50ten Geburtstag

Etwas vorschnell haben einige Kulturwissenschaftler in diesen Tagen die postcarbone Ära eingeläutet, die postdonalde Ära hat nach 75 Jahren leider tatsächlich begonnen.
Auch wenn die Donald Duck-Comics neueren Datums nicht mehr die Qualität der von Carl Barks gezeichneten und von Erika Fuchs übersetzten alten Comics haben, ist es doch etwas schade, Donalds 75ten zu feiern und ihn gleichzeitig zu Grabe tragen zu müssen, da es keine neuen Geschichten mit dem cholerisch-chaotischen Enterich mehr geben wird: die in den USA erscheinende Heftreihe „Donald Duck Adventures“ wird eingestellt.

Bochum Wattenscheid 2008, © Joachim Schumacher

Joachim Schumachers Serie Reviermiljö war auf der diesjährigen Pixelprojekt-Ausstellung der Neuaufnahmen mein Favorit. Er zeigt uns im Panoramaformat fotografierte Straßenszenerien von Wohngebieten im Ruhrgebiet.

Seine Bilder sind keine effektheischenden Perspektivspielereien, die leider sehr häufig mit diesem Bildformat einher gehen, sondern scheinbar beiläufige, aber immer präzis kadrierte und richtig schön “volle” Bilder, die das städtebauliche Durcheinander des Ruhrgebiets ordnen und lesbar machen.

Einziger Kritikpunkt: die präsentierten Abzüge waren mir zu klein.
Jede noch so unbedeutende, aber leider schwer angesagte Hauseckendesignfotografie wird heutzutage auf quadratmetergroße Museumsformate aufgeblasen, obwohl ein 10×15 cm-Abzug auch gelangt hätte.
Im Gegensatz dazu könnten die detailreichen Panoramaaufnahmen Schumachers auf großformatigeren Abzügen nur gewinnen.

Kay

Reviermiljö auf Pixelprojekt Ruhrgebiet

Schönheit #2

Die Schönheit hat nur eine Gestalt, die Hässlichkeit hat Tausende“,
Victor Hugo

Flyer RUHR.Ansichten

Seit 20 Jahren dokumentiert der Fotograf Bernd Langmack eindrucksvoll den inneren und äußeren Wandel des Ruhrgebiets. Die mehr als 70 großformatigen Bilder des Essener Fotografen machen die unmittelbare Vorgeschichte der Region sichtbar, die im kommenden Jahr europäische Kulturhauptstadt sein wird.

Konzentrierte Langmack sich in den 1990er Jahren hauptsächlich auf die Dokumentation der damals verbliebenen montanindustriellen Standorte des Ruhrgebiets und deren Dialog mit der umgebenden Landschaft, so hat er sich in der letzten Zeit immer mehr jenen Bereichen des urbanen Lebensraums zugewandt, die er unter dem Begriff Zwischenstadt zusammengefasst sehen will.
Gemeint sind Grenzbereiche und Verzahnungen zwischen dem Wohnen und dem Arbeiten der Menschen, die das Gesicht der Region prägen: Werksmauern und Werkstore, Brücken, Straßen und Lärmschutzwälle, verlassene wie neu genutzte Industrieanlagen, Gewerbegebiete und Parkdecks, Brachen und leere Plätze – aber auch Orte, an denen die Industrie das Leben der Menschen noch beeinflusst, sei es als produzierendes Hüttenwerk oder als Landmarke, die von der Sozial- und Kulturgeschichte der Region Zeugnis ablegt.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im KettlerVerlag, Bönen.

Zollverein, Schacht XII, Halle A 2
Gelsenkirchener Straße 181, 45309 Essen
www.zollverein.de

28.05.09 - 11.07.09, Vernissage Mittwoch 27.05.09, 19:00h
Di bis Fr 14:00h - 18:00h
Sa, So und an Feiertagen 11:00h - 18:00h

Download Flyer

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Am 23. April um 18 Uhr findet im Wissenschaftspark Gelsenkirchen die Vernissage zur diesjährigen Gruppenausstellung des Pixelprojekt Ruhrgebiet statt.
Vom 23. April bis zum 13. Juni 2009 werden etwa 200 Fotos von über 30 verschiedenen Fotografen zu sehen sein.

© Hilla und Bernd Becher

© Hilla und Bernd Becher

Premiere in Anwesenheit der Regisseurin und Hilla Becher am 22.04.09 um 20h im atelier-Kino
Graf Adolf Str. 47 · 0211 – 566 34 96 · atelier@filmkunstkinos.de

Deutschland 2009 – 90 Min. – Farbe/sw – Dokumentarfilm von Marianne Kapfer. Mitwirkende: Bernd Becher, Hillla Becher, Thomas Struth, Thomas Ruff, Candida Höfer, Matthias Koch, Götz Diergarten, Susanne Lange, Ludger Derenthal u.a.

Die Hochöfen, Fördertürme, Aufbereitungsanlagen – inzwischen vielerorts zerstörte Zeugnisse industrieller Entwicklung – leben in den Fotografien von Bernd und Hilla Becher weiter. Das Düsseldorfer Künstlerpaar erzählt in dem Dokumentarfilm “Die Fotografen Bernd und Hilla Becher” von seinem Leben, Werk und Wirken, das fünf Jahrzehnte lang dem Fotografieren von Industriebauten gewidmet war.

Schwarz–weiß, nüchtern präzise, vor immer grauen Hintergrund von leicht erhöhtem Standpunkt aus aufgenommen: So sehen die Bilder der Bechers unverändert seit den Sechziger Jahren aus: “Als wir merkten, dass die Industriebauten verschwinden, haben wir sie mit dem Fotoapparat festgehalten.” Bernd und Hilla Becher haben nichts anderes mehr gemacht. “Es war wie eine Verpflichtung für uns”.

Somit haben die Bechers dazu beigetragen ein Bewusstsein für den Erhalt des industriellen Kulturguts zu schaffen. In diesem Film geben Bernd und Hilla Becher uns einen Einblick in ihr Leben und Werk: Ihre Herangehensweise, Motivation und Faszination für industrielle Bauwerke. “Bernd Becher konnte einen morgens um halb sieben anrufen und über das richtige Objektiv diskutieren. Diese Leidenschaft für die Fotografie war eine große Inspiration für mich.” So Thomas Struth über Bernd Becher, der zwanzig Jahre als Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf lehrte. Studenten der Bechers wie die Fotografen Thomas Struth, Thomas Ruff und Candida Höfer, Jörg Sasse ergänzen das Bild von den beiden Künstlerpersönlichkeiten.

©: Titanic

Das Schöne

Ich will ihm beantworten, was das Schöne ist und er soll gewiß nichts dagegen haben.
Nämlich wisse nur Sokrates, wenn ich es Dir recht sagen soll, ein schönes Mädchen ist schön
“,
Hippias :-)

links: Kunstarchiv Kaiserswerth mit der Sammlung Bernd und Hilla Becher

links: Kunstarchiv Kaiserswerth mit der Sammlung Bernd und Hilla Becher

“Ach Hilla, was wollen wir denn auf Teneriffa? Da passen wir doch gar nicht hin.”, waren Bernd Bechers Worte zu seiner Ehefrau Hilla, nachdem ihm sein Arzt nahe legte, seine Bronchitis auf Teneriffa auszukurieren.
Nachzulesen ist diese bezeichnende Aussage in dem sehr interessanten Interview der SZ mit Hilla Becher, ein Jahr nach dem Tod ihres Ehemanns 2007.

Da stellt sich natürlich die Frage, wo die beiden besser hingepasst hätten.
Wahlheimat der Bechers war bis vor kurzem eine alte Papiermühle in Düsseldorf Wittlaer. Mit seinem Buch “Die Mühle” hat Matthias Schaller in den Jahren 2001/2002 Wohn- und Arbeitsräume der Bechers in dieser Mühle hervorragend fotografisch festgehalten.
Unweit der Papiermühle im Stadtteil Kaiserswerth befindet sich am Suitbertus-Stiftsplatz in einem ehemaligen Schulhaus seit 2002 das Kunstarchiv Kaiserswerth mit dem fotografischen Werk der Bechers. Samstags und Sonntags von 14-17h kann man hier ausgewählte Arbeiten der Bechers betrachten.

Für meinen Geschmack passen diese beiden besessenen und ruhelosen Fotografen aber auch nicht so recht in das Bild ihrer sehr beschaulichen Wahlheimat Düsseldorf Kaiserswerth.
Am besten aufgehoben waren sie wohl nirgendwo/irgendwo auf ihren langen Fotoreisen zu den alten Industriebauten.
 
Kay

 
Links:
 
SZ-Interview mit Hilla Becher: sz-magazin.sueddeutsche.de/drucken/text/24539

Düsseldorf Wittlaer: de.wikipedia.org/wiki/wittlaer

“Die Mühle” von Matthias Schaller: www.amazon.de/Die-M%C3%BChle-Matthias-Petrus-Schaller/dp/3865214320/

Matthias Schaller: www.matthiasschaller.com/home.asp

Düsseldorf Kaiserswerth: de.wikipedia.org/wiki/kaiserswerth

Kunstarchiv Kaiserswerth: www.museum-kunst-palast.de/UNIQ123246278912978/doc97A

I, OBJECT

© eva baales und eva wernet

Einladung zur Vernissage

gloriahalle, belsenstraße 20, düsseldorf oberkassel

fr 30.01.09 um 18 uhr, ab 22 uhr party
sa 31.01.09 von 12–22 uhr
so 01.02.09 von 10–20 uhr, ab 15 uhr kaffee und kuchen

portraitfotografien von:

daniel hofer
dirk rose
eva baales
jonas holthaus
karsten kronas
kay röhlen
malte wandel
mark ansorg
michael englert
michael thieme
olga kessler
sabine springer
sandra muequin
valerie schmidt

weitere informationen finden sie unter www.youngphotographers.de

Pressetext: i_object_pressetext.pdf

Ausgestellte Fotoserien: i_object_arbeiten.pdf

“Revitalisierung”

Revitalisierung, Wiederbelebung findet zurzeit an einem 34-jährigen Patienten statt, dem von HPP 1974 errichteten Hauptverwaltungsgebäude der VEBA in Düsseldorf Golzheim. Klinisch war der Patient also tot.
Optisch tot trifft es wohl eher. Der vormals typische 70er Jahre Büroblock mit bronzefarbener Aluminiumfassade und dunkelgetönten Fensterscheiben passte nicht mehr in das Selbstbild des zukünftigen Mieters, irgendeines beliebigen Wirtschaftsunternehmens.
Hell und freundlich wie das Arbeitsklima :-) , transparent und offen wie die Firmenpolitik :-) müssen die aktuellen Verwaltungsgebäude der Wirtschaft wirken. Und abends kann man sich noch ein Beispiel an dem emsigen Humankapital nehmen dürfen, welches gut sichtbar hinter den großen Glasfronten zu später Stunde noch seiner Beschäftigung nachgeht.

Das alte VEBA-Gebäude (zuletzt Degussa-Verwaltung) symbolisierte optisch genau das Gegenteil: dunkel, mächtig, verspiegelte Fenster verwehrten den Einblick.
Und deshalb wird es revitalisiert, wiederbelebt, gefacelifted; die nicht unbedingt “schöne”, aber bemerkenswerte und für ihren Entstehungszeitraum typische alte Fassade weicht einer trendig-neuen Vorhangfassade mit vertikal rhythmisierenden, versetzt angeordneten Fassadenelementen.

Hübsch anzusehen, verglichen mit dem Urzustand leider langweilig und beliebig.

Kay

Kiefernstraße

Sie ist zwar kein touristisches Highlight wie der Medienhafen oder die Königsallee, aber zumindest unter Alternativen über die Stadtgrenzen bekannt: die Kiefernstraße in Düsseldorf Flingern.
Anfang des vorigen Jahrhunderts wurden die Mietshäuser auf der Kiefernstraße gebaut und vornehmlich von den Arbeitern und ihren Angehörigen des benachbarten Klöckner-Stahlwerks bewohnt.
Nach Schließung des Stahlwerks gingen die Eigentumsrechte der Wohnungen an die Stadt Düsseldorf über, Anfang der Achtziger sollte die Bebauuung im Rahmen einer geplanten Flächenumnutzung abgerissen werden.
In die teilweise bereits entmieteten Wohnungen wurden aber zwischenzeitlich afrikanische Flüchtlinge einquartiert, die anderen leerstehenden Wohnungen wurden von Wohnungssuchenden besetzt.
Daraufhin kam es in den Achtzigern immer wieder zu Unruhen zwischen den Hausbesetzern und der Stadt, unter anderem wurden den Besetzern Verbindungen zur RAF nachgesagt, die zu mehreren Großrazzien führte.
1987 entspannte sich die Situation und die Stadt legitimierte die Hausbesetzungen durch Mietverträge.
Heute wohnen auf der Kiefernstraße rund 800 Menschen aus 40 Nationen und laut Aussage der Bewohner scheint es auch im großen und ganzen gut zu funktionieren.

Mir bot sich bei meinen kurzen Besuchen auf der Kiefernstraße ein positiver Gesamteindruck. Die Straße weist strukturell sehr angenehme Eigenschaften, wie z.B. sehr breite und hohe Bürgersteige mit doppelter Kante auf, die das Zuparken des Bürgersteigs verhindert. Durch die Höhe der Bürgersteige kann man auch (als Erwachsener mit Standardgröße) immer schön über die parkenden Autos hinweg schauen und es befällt einen nicht dieses enge Parkplatzgefühl wie auf anderen zugeparkten Wohnstraßen.
Aufgrund der beidseitigen Parkreihen verbleibt nur ein recht schmaler Fahrweg, der automatisch die Durchfahrtsgeschwindigkeit passierender Fahrzeuge beschränkt. Auf eine recht hohe soziale Interaktion im öffentlichen Raum zwischen den Anwohnern weisen viele anscheinend privat installierte Sitzgelegenheiten unter den Bäumen und der vor dem Kinderclub ausgewiesene Spielstraßenbereich hin.
Sozialer Treffpunkt der Bewohner dürfte “Schmidts Laden” sein, ein schon lange existierendes und gerade gelungen renoviertes Büdchen mit unschlagbar preiswerten Kaffee und einer sehr netten Besitzerin, die mir ungefragt eine große Plastiktüte zum Schutz meiner Kamera vor den starken Regenfällen anbot. Auch die anderen persönlichen Kontakte zu den Anwohnern/Passanten waren durchweg positiv. Man erkundigte sich über mein Tun, erzählte bereitwillig Details zur Geschichte der Straße. Im allgemeinen scheint die Identifikation der Bewohner mit der Straße recht groß zu sein, findet man heutzutage in Wohnstraßen solcher Art eher selten.

Optisch ist der Eindruck im wahrsten Sinne des Wortes zwiespältig: die Hausfassaden der ehemals besetzten Seite mit den ungeraden Hausnummern sind bis auf 2 Ausnahmen vollständig bemalt, auf den Häusern der “geraden” Seite mit vorwiegend ausländischen Bewohnern dürfte noch der Schmutz des vor Jahrzehnten geschlossenen Stahlwerks kleben.
Die Wandmotive auf der ungeraden Seite sind sehr individuell und sicherlich nicht jedermanns Geschmack, aber doch aufwendig und ordentlich angefertigt.
Negativ fiel die große Menge an Sperrmüll und Unrat auf, der auf den Bürgersteigen schön verteilt herumlag. Ob hier eine Sperrmüllabfuhr vergessen wurde und sich die Haufen durch Plünderungen großflächig ausbreiteten oder ob es sich hier um den Standardzustand handelt, kann ich nicht beurteilen. Allerdings könnten ein paar mehr installierte städtische Abfalleimer wenigstens den kleinteiligen Unrat vermeiden helfen.

Resümee: Eine sehr sympathische und belebte Straße mit hohem Identifikationswert. Trotz vieler ethnischer, sozialer und religiöser Unterschiede bei den Anwohnern, scheint hier ein vernünftiges Zusammenleben möglich zu sein.

Kay

Alle Bilder der Kiefernstraße und ihrer direkten Umgebung

 
Westdeutsche Zeitung vom 18.01.06: Kiefernstraße

Wikipedia: Kiefernstraße

Politische Aktionen gegen Wohnungsnot und Umstrukturierung und die HausbesetzerInnenbewegung in Düsseldorf von 1972 bis heute, Diplomarbeit von: Volker Rekittke & Klaus Martin Becker Düsseldorf, den 17.11.1995

www.kiefern.de

Annette Emdes Dissertation über Thomas Struths Stadtfotos gliedert sich im wesentlichen in 2 größere Abschnitte:

Im ersten Hauptteil wird neben des Versuchs ihrer Begriffsbestimmung der Funktionswandel der Architekturfotografie vom reinen Dokumentationswerkzeug zum Ausdrucksmittel der künstlerischen Reflexion über die an Architektur ablesbaren gesellschaftlichen Verhältnisse betrachtet.

Im bedeutend umfangreicheren zweiten Hauptteil werden Struths Stadtfotos aus dem Zeitraum 1977-2001 thematisch und formal untergliedert und anhand vieler Beispiele Bezüge zur klassischen Architektur- und Vedutenmalerei, aber auch zu anderen zeitgenössischen Kunstfotografen, wie Beat Streuli, Jeff Wall oder Andreas Gursky, gebildet. Ein kurzer Exkurs zu Struths Museumsbildern schließt sich an.

Neben diesen beiden Hauptteilen findet man noch ein umfangreiches Quellenverzeichnis und zwei bislang noch nicht veröffentlichte Interviews der Autorin mit Thomas Struth aus den Jahren 1998 und 2003; außerdem in der Einleitung einen kurzen Überblick über Thomas Struths fotografischen Werdegang.

Insgesamt betrachtet ergibt sich ein recht ordenlicher Eindruck, der geprägt ist von zahllosen, sehr häufig von der Autorin unkommentierten Zitaten.
Schön und größtenteils nachvollziehbar sind die vergleichenden Betrachtungen formaler Aspekte zwischen Struths Bildern und Beispielen aus der klassischen Malerei oder Werken anderer Fotografen.
Auch Struths Hauptintention in der Stadtfotografie, die Suche nach den unbewußten und den prototypischen Orten, wird ausführlichst herausgearbeitet und durch die beiden Interviews zusätzlich belegt.

Das Bild wird ein wenig getrübt durch häufige Wiederholungen “Anders gesagt…” und teilweise sehr sehr leeren Satzhülsen: “…Struth sei ein kritischer Künstler, der zugleich auch ganz und gar unkritisch betrachtet werden könnte.” oder “Struth zeigt Orte innerhalb einer Welt von Ähnlichkeiten, aber auch Unterschieden”. :-)

Ärgerlich ist die in der Beurteilung von Stadtfotos auch bei anderen Autoren immer wiederkehrende Interpretation der Menschenleere auf den Stadtansichten. Diese Interpretationen suggerieren eine absichtliche Ausblendung der Menschen durch den Fotografen, um eine zuerst von Walter Benjamin in Worte gefasste, sogenannte “Konvention” der dokumentarischen (Stadt)fotografie zu erfüllen: “Wo aber der Mensch aus der Fotografie sich zurückzieht, da tritt erstmals der Ausstellungswert dem Kultwert überlegen entgegen”.
Meiner Meinung nach unterliegt die Menschenleere auf Struths oder anderen Stadtlandschaftbildern in den meisten Fällen nicht dieser Konvention, sondern der Realität. Abgesehen von Einkaufsstraßen, Nahverkehrsknotenpunkten oder touristischen Sehenswürdigkeiten trifft man im öffentlichen Raum kaum auf Fußgänger. Das Leben in unseren Städten findet vorherrschend in den nicht öffentlichen Räumen wie Wohnungen, Büros, Schulen statt; zwischen diesen Räumen bewegt sich der Mensch heutzutage überwiegend in seinen kleinen, mobilen Privaträumen: den Autos.

Menschenleere Stadtansichten finde ich nicht weiter bemerkenswert, wirklich verblüffend wären autofreie Stadtansichten.

Kay

Thomas Struth - Stadt- und Straßenbilder, Annette Emde, Jonas-Verlag 2008

Gastbild Nr. 4

Vennhauser Allee © by Klaus-Henning P.

Gastbild Nr. 4 hat mir Klaus-Henning P. zur Verfügung gestellt.
Vielen Dank!

Kay

Verfasst Mitte der sechziger Jahre von französischen Soziologen (leider nicht gut zu lesen; die schreiben, wie Rudi Dutschke geredet hat, nur noch umständlicher), beleuchtet dieses Buch den Gebrauchswert der Fotografie in der französischen Gesellschaft jener Tage.

Die verschiedensten Aspekte der Fotografie -Verbreitung, Art und Weise der Nutzung, Bedeutung des fotografischen Bildes und die damals noch hochaktuelle Diskussion um ihre Stellung in der Kunst- werden in diesem Buch nach wissenschaftlichen Kriterien gesellschaftlich eingeordnet und analysiert.

 
Hochinteressant und in weiten Teilen auch auf unsere Zeit übertragbar, zeigt dieses Buch für den gemeinen Fotobenutzer  gänzlich neue Blickwinkel auf diese “illegitime Kunst”.

Kay

Eine illegitime Kunst, Pierre Bourdieu et al, Europäische Verlagsanstalt 2007

Joe Maloney, Pearl River, New York, 1978 Sammlung F.C. Gundlach, Hamburg

maloney, meyerowitz, shore, sternfeld

Mit den Arbeiten der der vier amerikanischen Fotografen Joe Maloney, Joel Meyerowitz, Stephen Shore und Joel Sternfeld präsentiert das Haus der Photographie vier fotografische Positionen, die die New Color Photography der 1970er Jahren nachhaltig geprägt haben. Neben der Tatsache, dass die Künstler die Farbfotografie als legitimes künstlerisches Ausdrucksmittel für sich entdeckten, sorgfältig untersuchten und konsequent anwendeten, ist das Thema dieser Ausstellung gerade im Hinblick auf die Rezeption der hier entwickelten Ästhetik durch zeitgenössische Fotografen aktueller denn je und macht ihre Wiederentdeckung unumgänglich.

Entscheidend für ihre fotografiehistorische Bedeutung ist, dass sich diese Künstler mit dem bewussten Einsatz der Farbe als künstlerischem Ausdrucksmittel im Medium der Fotografie nicht nur über die Behauptung Walker Evans’, die Farbe sei „vulgär“, erfolgreich hinwegsetzten, sondern ihnen gleichzeitig die kritische Abgrenzung von den überlieferten Anwendungsgebieten farbfotografischer Verfahrenstechniken in der Werbe- und Amateurfotografie gelang.

Neben dem Experimentieren und genauen Ausloten der spezifischen gestalterischen Möglichkeiten, die der Gebrauch der Großformatkamera ihnen ermöglichte, besteht eine klar erkennbare gestalterische Strategie in der bewussten Abstufung und Verfeinerung der Farbe, die erst auf diese Weise zum Ausdrucksträger der subjektiven Wahrnehmung des einzelnen Künstlers im Blick auf seine Umgebung werden konnte.

Stephen Shores (*1947 New York) im klassischen Sinne nüchterne wiewohl formalistisch geprägte Position löst urbane Situationen aus ihrer scheinbaren Banalität. Ihm gegenüber finden sich romantisch anmutende Farbfeldkompositionen, die Joel Meyerowitz (*1938 New York) auf Cape Cod in der „blauen Stunde“ für sich entdeckte. Die sensible, narrative Kraft eines Joel Sternfeld (*1944 New York) kommentiert zurückhaltend wiewohl ironisierend sozio-politische Strukturen amerikanischer Landschaft und ihrer Bewohner, während Joe Maloney (*1949 Worcester/ Massachusetts) mit einer bewusst verfremdeten Farbwiedergabe den Realitätsbegriff zugunsten einer surrealen Wahrnehmung irritiert.

Mit den charakteristischen, scheinbar banalen „deadpan views“ lassen die vier Künstler das Umfeld konzeptuell angelegter fotografischer Arbeiten, wie sie seriell arbeitende Künstler wie Ed Ruscha und Dan Graham seit den 1960er Jahren realisierten, weit hinter sich. Mittels einer präzis kalkulierten Bildästhetik entwarfen Maloney, Meyerowitz, Shore und Sternfeld schlagkräftige Alternativen innerhalb der ortsbeschreibenden Fotografie, die von zeitgenössischen Fotografen der jüngeren Generation wie Paul Graham und John Davies aber auch Andreas Gursky und Thomas Struth konsequent weiterentwickelt werden.

Die gezeigten vier Werkgruppen stammen aus der Dauerleihgabe der Sammlung F.C. Gundlach im Haus der Photographie in den Deichtorhallen Hamburg.

Kuratorin: Dr. Sabine Schnakenberg, Sammlungsbetreuung Haus der Photographie

21.11.2008 – 11.01.2009
im Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg

750 BilderTätää, letzte Woche lud ich das 750te Dazzledorf-Foto hoch; aufgenommen habe ich es Anfang Oktober in Düsseldorf Lohausen.
Ab und zu werde ich von Leuten gefragt, warum ich eigentlich so viele Fotos von Düsseldorf mache; es müßten doch ein paar Dutzend -wie in herkömmlichen Stadtbildbänden- reichen, um eine kleine Großstadt ausreichend zu dokumentieren. Mit dieser Meinung befinden sich diese Leute in bester Gesellschaft, da z.B. auch Thomas Struth der Ansicht ist, daß man mittels ein paar Aufnahmen “charakteristischer” Orte das eigentliche Wesen einer Stadt erfassen kann:”…Ich wähle diejenigen Stellen aus, welche den Charakter des Ortes stellvertretend besonders gut erscheinen lassen.”¹

Konträr zu dieser Auffassung bin ich der Meinung, daß ein paar Aufnahmen von für mich charakteristischen Orten lediglich mein Bild, meine Realität, aber niemals ein allgemeingültiges Bild der Stadt entwerfen kann. Ebensowenig gibt es die typische, den Charakter einer Person wiederspiegelnde Portraitaufnahme oder den decisive moment in der Fotografie. Für mich sind das -zumindest im Rahmen einer dokumentarischen Arbeit- Klischees, unzulässige Vereinfachungen, Ikonisierungen hochkomplexer Motive.

Und so bleibt mir nichts anderes übrig, als möglichst viele Bilder Düsseldorfs aufzunehmen, damit der Betrachter sich aus zahlreichen verschiedenen Ansichten ein persönliches, natürlich auch unzulängliches -aber das liegt in der Natur der Fotografie- Bild der Stadt entwerfen kann.

Kay

¹Thomas Struth - Stadt und Straßenbilder, Dissertation von Annette Emde, Jonas Verlag 2008

Gastbilder

Ab und zu nehme ich besonders gelungene Düsseldorf-Fotos fremder Fotografen in das Dazzledorf-Projekt auf.

Eben habe ich das dritte Gastbild und gleichzeitig das zweite Foto von Andi Blum eingefügt: eine Aufnahme des östlich gelegenen Hügellandes nahe zur Ratinger Stadtgrenze.

Ich möchte mich hier für diese Bilder bei Andi Blum und Johannes Bendzulla -dem zweiten Gastfotografen- bedanken und gleichzeitig auf die drei Bilder aufmerksam machen.

Kay

Clarissenstraße © by Johannes Bendzulla

Clarissenstraße © by Johannes Bendzulla

Flughafenbrücke © by Andi Blum

Flughafenbrücke © by Andi Blum

Stadtwald © by Andi Blum

Stadtwald © by Andi Blum

Westfalenschädel vor Thomas-Birne

Haiko Hebig

Lassen Sie die Sache ruhen. Verbringen Sie einige Tage oder Wochen mit Broterwerbstätigkeit oder reisen Sie in ferne Länder. In dem Maße, in dem Ihre Sehnsucht nach Fortsetzung der Untersuchung steigt, werden Sie Klarheit über das Wesen der Untersuchung gewinnen.

Punkt 10 der Sievertsschen Anleitung zur Erkundung von Städten¹ hat sich wieder mal bewahrheitet. Für ferne Länder reichen zwar Zeit und Geld nicht, aber ein Tagesausflug in sach- und ortskundiger Begleitung von Haiko Hebig nach Duisburg erfüllt auch seinen Zweck der Kopfbefreiung.
Ganz wohl war mir bei der Knipserei auf fremden Terrain natürlich nicht; ich hätte die Zeit ja auch “sinnvoller” mit der Fortführung des Dazzledorf-Projekts nutzen können, zudem bin ich mir auch ziemlich sicher, daß ich bereits “Klarheit über das Wesen der (Düsseldorf)-Untersuchung” gewonnen habe.

Ziemlich sicher, nun ja, oder vielleicht auch nur betriebsblind?

Schauen wir uns die Bilder an. Das Sujet ist ähnlich, auch wenn auf den Duisburg-Bildern die Industrielandschaft eine gewichtigere Rolle spielt. Bildaufbauten, Motive, eigentlich alles wie in Düsseldorf. Bis auf den Maßstab.
In Düsseldorf wahre ich fast immer einen angemessenen Abstand zu meinen Objekten und bin stets darauf bedacht, die Hauptobjekte in ihrem Kontext, in ihrer Umgebung darzustellen.
In Duisburg veränderte ich den Maßstab häufiger; so wechseln sich die von mir bevorzugten Halbtotalen mit “Makroaufnahmen” von z.B. isolierten Schaufenstern oder Stadtmöbeln ab.

Schaufenster auf der Stahlstraße in Duisburg Meiderich

Dieser variierende Maßstab sorgt für eine angenehme Abwechslung in der kleinen Duisburg-Serie und entspricht doch eher dem visuellen Eindruck, den ich auch ohne Kamera von diesem Ort mitgenommen hätte. Man läuft eben nicht mit konstant Fokus auf unendlich durch seine Welt, sondern geht auch ab und an ganz nah ran.

Gut, dann war ich also betriebsblind. Aber ich kann diese neue Erfahrung direkt in Form von Detailaufnahmen in das Dazzledorf-Projekt einfließen lassen. Natürlich nur in homöopathischen Dosen zur Auflockerung des Überblick verschaffenden Gesamtwerks.

Die Duisburg-Bilder werden demnächst unter www.kayroehlen.net zu finden sein.

Kay

¹Boris Sieverts, Büro für Städtereisen

Früher war alles besser. Alles? Nein, sicher nicht, sieht man deutlich auf Darchingers Fotos aus dem Zeitraum 1952-1967. Einer Zeit des Wiederaufbaus, bitterer Armut und verhaltenen Wohlstands, des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Umbruchs, zusammengefasst der Wirtschaftswunder-Zeit.

Drei große Themengebiete strukturieren das Buch: Familienleben, Wirtschaft, Politik.
Darchinger zeichnet mit seinen Fotos ein ausgesprochen vielfältiges Bild der jungen Bundesrepublik.
So gewährt ihm sein Status als Spiegel-Fotograf Einblicke in die Welt der bundesrepublikanischen Spitzenpolitik oder der wirtschaftlichen Führungselite. Er kam also ganz nah ran, bewahrt auf seinen Fotos aber immer einen angenehme Distanz zu seinen Sujets. Hier findet man keine simplifizierenden Ganz-nah-dran-Fotos, klamaukig spektakuläre Bildaufbauten oder emotional überfrachtete Aufnahmen, wie sie heutzutage üblich sind.
Auch das Alltagsleben der Arbeiter, Angestellten, der Kinder und der Familien wird zwar konzentriert, aber niemals vereinfacht wiedergegeben. Und hier beweist Darchinger sein fotografisches Gespür: unsere Welt kann nur fragmentarisch durch einmalige Decisive-Moment-Fotos dokumentiert werden; langfristig aussagekräftiger sind die unaufgeregten, ruhigen Aufnahmen der Dauerzustände unseres Alltagslebens.

Resümee: Früher war vieles schlechter, aber Darchingers dokumentarisch-fotografischer Blick auf das spektakulär Unspektakuläre war erheblich besser als der Blick vieler aktueller fotografischer Zeitchronisten.

Wirtschaftswunder ist mein Fotobuch des Jahres 2008, unbedingt empfehlenswert.

Kay

Wirtschaftswunder, Josef Heinrich Darchinger 2008
288 Seiten, Taschen-Verlag, 29,99 €

1. Kaufen Sie topografische Karten Ihrer Stadt im Maßstab 1:25.000 (gibt es in Deutschland im Katasteramt und bei den Landesvermessungsämtern)

2. Finden Sie heraus, welche die Ortsteile sind, die im kollektiven Bewußtsein der Stadt von sich selbst unterrepräsentiert bis nicht vorhanden sind.

3. Suchen Sie diese Orte auf. Stellen Sie Besonderheiten fest. Halten Sie sich über längere Zeiträume dort auf. Machen Sie Fotos von Orten, Dingen und Menschen, die Ihnen zugleich typisch und fotografisch repräsentierbar erscheinen. Sprechen Sie mit Leuten, die sich an diesen Orten schon länger aufhalten als Sie.

4. Lassen Sie die Fotos entwickeln und abziehen. Was sehen Sie? Was ist alles nicht auf den Fotos? Konnte es überhaupt auf Fotos erscheinen?

5. Kehren Sie zu den Orten zurück. Haben Sie Geduld. Lassen Sie Langeweile einfach vorübergehen.

6. Kehren Sie mehrfach zurück, mit und ohne Kamera. Führen Sie Gespräche, trinken Sie Kaffees in den unscheinbarsten Lokalen. Betrinken Sie sich am hellichten Tag. Schlafen Sie Ihren Rausch an einem unpassenden Ort aus. Kommen Sie wieder mit Schlafsack und Zelt oder übernachten Sie in einer Pension/ Zimmer mit Frühstück/ kleinem Hotel.

7. Gehen Sie nochmals ins Katasteramt, um Karten und Luftbilder des Gebietes Ihrer engeren Wahl, im Maßstab 1:5000, in zweifacher Ausführung, zu besorgen. Montieren Sie eine Ausführung zu einem zusammenhängenden Bild und hängen Sie dieses an die Wand Ihrer Wohnung/ Ihres Arbeitsraumes (wenn die Wandfläche nicht ausreichen sollte, mieten Sie für diese Zeit einen Raum mit entsprechend großen Wänden).

8. Lassen Sie die Grafik auf sich wirken. Vergleichen Sie die Struktur der unter Punkt 2 als unterrepräsentiert befundenen Ortsteile mit denen der identitätsbildenden Ortsteile. Was fällt Ihnen auf? Versuchen Sie, es in Worte zu fassen. Machen Sie Notizen.

9. Hängen Sie neben die Karten und Luftbilder im Maßstab 1:5000 Ihre topografische Karte im Maßstab 1:25.000. vergleichen Sie. Prägen Sie sich alles gut ein. Stecken Sie den zweiten Satz Karten und Luftbilder M 1:5.000 in eine Papprolle und legen Sie diese zu Ihrer Reiseausrüstung.

10. Lassen Sie die Sache ruhen. Verbringen Sie einige tage oder Wochen mit Broterwerbstätigkeit oder reisen Sie in ferne Länder. In dem Maße, in dem Ihre Sehnsucht nach Fortsetzung der Untersuchung steigt, werden Sie Klarheit über das Wesen der Untersuchung gewinnen.

11. Lesen Sie niemals die lokale Tageszeitung. Die Oberflächlichkeit ihrer Betrachtungen widerspricht ihrem Gewicht als Gedrucktem. Das würde Sie irritieren und zurückwerfen. Wahrscheinlich hat jede ihrer eigenen Erkenntnisse zu diesem Zeitpunkt bereits mehr Gewicht.

12. Besuchen Sie statt dessen Archive von Stadtverwaltungen, Wohnungsbaugesellschaften, die Lokalita-Regale von Antiquariaten, Plankammern, Bildarchive, Heimatvereine. Atmen Sie den Geist dieser Häuser.

13. Gehen Sie Fragen, die auftauchen, hartnäckig nach. Nicht, um die Wahrheit zu erfahren, sondern um viel zu hören zu bekommen; das hilft, die Grenzen zwischen Innenbildern und Faktizität aufzulösen.

14. Variieren und ergänzen Sie die Schritte 1 bis 13, bis Sie sich kompetent fühlen für die Schritte 15 bis 19.

15. Stellen Sie sich vor, Sie müßten Ihr Innerstes nach außen kehren. Dabei könnten Sie weder sprechen noch schreiben. Aber Sie kennen all diese Orte. Welche Orte würden Sie Ihrem Gegenüber zeigen, um etwas von sich zu erzählen? In welche Reihenfolge würden Sie sie bringen, um ihre Wirkung zu verstärken?

16. Ihr Gegenüber kommt aus identitätsbildenden Regionen der Stadt. Welches Gefühl für diese Terra Incognita möchten Sie ihm vermitteln?

17. Welche identitätsbildenden Elemente enthält die Terra Incognita selber? Tappen Sie nicht in die Falle der Stadtplaner und Lokalpolitiker, sondern nehmen Sie diese Elemente einfach zur Kenntnis. Meistens werden Sie sie umgehen.

18. Gibt es Sensationen? Wenn ja, welche? Kommt in diesen Sensationen etwas verstärkt zum Ausdruck, das das ganze Gebiet wie gewisse Gerüche, die man nur dicht über dem Boden riecht, durchzieht? Unbedingt einbauen!! (auch wenn die Lautstärke dieser Sensationen unter Umständen den ganzen Spannungsbogen neu zu gestalten zwingt). Andere Sensationen sind wertlos, wird es aber auch kaum geben.

19. Führen Sie Freunde und Fremde zu Ihren persönlichen Plätzen. Riskieren Sie peinliche Momente. Fassen Sie Ihre Vorlieben in Worte, die diese Vorlieben ausdrücken und begründen. Prägen Sie sich Formulierungen, bei denen die Peinlichkeit verschwindet, ein.

20. Verfeinern Sie den Weg über die Jahre

Boris Sieverts, Büro für Städtereisen

Die Hauptausstellung des Jubiläums wird vom museum kunst palast ausgerichtet werden. Ausgangspunkt sind die Werke der kurfürstlichen Sammlung, die sich noch im eigenen Bestand erhalten haben. Im Zentrum steht das monumentale Gemälde von Peter Paul Rubens „Die Himmelfahrt Mariae“ (Dauerleihgabe der Kunstakademie), das von Brüssel auf dem Rhein nach Düsseldorf gebracht wurde. Es stellt heute die bedeutendste Hinterlassenschaft der legendären Gemäldegalerie in Düsseldorf dar.
Das dramatische Schicksal dieser Holztafel, seine Varianten, Kopien und Nachfolgewerke, die bildkünstlerische und literarische Rezeption werden erstmals genauer vorgestellt. Eine Auswahl von hochkarätigen Leihgaben aus internationalen Sammlungen, die im engen Bezug zum Werk stehen, soll zum Verständnis von Rubens, seiner gegenreformatorischen Bilderwelt und dem damit verbundenen politischen Kalkül des Kurfürsten beitragen.

Ein weiteres wichtiges Kapitel innerhalb der Ausstellung beleuchtet den Hintergrund für die Sammelleidenschaft und Geschmackskultur Jan Wellems, die ganz entscheidend von seiner zweiten Frau Anna Maria Luisa de’ Medici und dem Florentiner Hof geprägt wurde. Am Beispiel Florenz soll der Kulturtransfer zwischen Florenz und Düsseldorf als eine Form der höfischen Macht- und Kulturpolitik veranschaulicht werden.
Florentiner Schätze aus den Uffizien, der Galleria Palatina und dem Museo degli Argenti des Palazzo Pitti, die mit Jan Wellem und Anna Maria Luisa de’ Medici in Verbindung gebracht werden können, sollen erstmals in Düsseldorf gezeigt werden. Darunter sind Selbstbildnisse der Düsseldorfer Hofmaler und Werke der niederländischen Feinmalerei von Jan Douven, Adriaen van der Werff oder der Stilllebenmalerin Rachel Ruysch, aber auch weitgehend unbekannte Bildnisse und Kostümbilder des fürstlichen Paares sowie kunsthandwerkliche Schmuckstücke.

Ein besonderes Erlebnis für die Besucher wird zusätzlich sein, dass die „Himmelfahrt Mariae“ von Rubens durch eine virtuelle, dreidimensionale CAD-Rekonstruktion in ihren wieder entdeckten, originalen Prunkrahmen und in den ehemaligen Kirchenraum versetzt wird. Das museum kunst palast kooperiert dafür mit Prof. M. Koob, Leiter des Fachbereichs Informations- und Kommunikationstechnologie in der Architektur an der TU Darmstadt, und Marc Grellert, Leiter der „Architectura Virtualis Gmbh, Darmstadt“.
Zugleich wird die große Holztafel von Rubens erstmals auch technologisch genauer untersucht werden in Kooperation mit der Universität Hamburg, Fachbereich Holzwissenschaft, durch Prof. Dr. P. Klein, den führenden Experten auf dem Gebiet der Dendrochronologie.

Das umfangreiche Rahmenprogramm können Sie dem Kalender entnehmen.
Der wissenschaftliche Katalog zur Ausstellung enthält einen Anhang mit historischen und literarischen Quellen zur Rezeption der kurfürstlichen Gemäldegalerie.

Stiftung museum kunst palast
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
info@museum-kunst-palast.de
Fon 0211 8924242 (Infoband)
Fon 0211 8992460 (11–18 Uhr)Di–So 11–18 Uhr

Eintritt: 8 Euro
ermäßigt: 6,00 Euro

Wie wollen ältere Menschen in Düsseldorf leben? Neben historischen Exponaten der eigenen Museumssammlung, die Altsein und Alter im Lauf der Düsseldorfer Stadtgeschichte zeigen, stehen die Lebenswelten älterer Menschen im Mittelpunkt, wie sie sich heute zeigen und schon morgen aussehen könnten. Die Ausstellung dokumentiert, wie sich der Lebensraum Stadt den neuen demografischen Bedingungen anpasst und sich daraus positiv entwickeln kann.

Gemälde, Grafiken, Modelle, Fotografien, Ton- und Filmaufnahmen, Tagespresse, Printmedien und Gebrauchsgegenstände schaffen Raum zum Dialog sowie zur Diskussion. Ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm mit Arbeitsgruppen, Seminaren und Vorträgen fordert Alt und Jung auf, mit zu diskutieren, zu entwerfen, zu gestalten oder sich einfach zu informieren. Lokale, überregionale und auch internationale Experten und Expertinnen stehen dabei zur Seite. Die Ergebnisse werden stetig in die bestehende Ausstellung integriert und in einem abschließenden Forum präsentiert.

ALT + jung: Stadt im demografischen Wandel
Die Ausstellung im Stadtmuseum, Berger Allee 2, ist dienstags bis sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

27. September bis 28. Dezember 2008
Forum: Sonntag, 07. Dezember um 15 Uhr

“Auch bundesdeutsche Wissenschaftler beschäftigen sich seit einigen Jahren mit den neuen Städtern. In Metropolen, wo »Mode, Kultur, Banken und High-Tech prosperieren«, schreiben die Stadtsoziologen Hartmut Häußermann und Walter Siebel, tragen die erfolgreichen Yuppies gemeinsam mit den Alternativen die »Reurbanisierung«. Das vereinfachte Schema: Zunächst tritt die alternative Szene mit Intellekt und Kreativität an, um sich eine passende Infrastruktur mit Läden, Kneipen und Kulturangeboten herzurichten. Auf dem Nährboden der Alternativen entwickelt sich später dann, so das Autorenpaar, »ihr Erfolgszwilling, die Yuppie-Kultur«”
Tom Schimmeck im Spiegel Nr.36, 1988

Neue Urbanität, Siebel 1987

In den kurzen goldenen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg schien die europäische Stadt der Modellfall eines sozial ausgeglichenen, kulturell integrierten und prosperierenden Gemeinwesens. Heute wird ihr Ende vorhergesagt. Ihre Gestalt verliert sich in einem gesichtslosen Siedlungsbrei. Der öffentliche Raum wird privatisiert. Leerstehende Wohnungen und Industriebrachen reißen Lücken in das städtische Gefüge. Es entstehen abgeschottete Quartiere der Armen und der Einwanderer. Die Globalisierung, die Macht der Immobilienentwickler und die Finanzmisere stellen die europäische Stadt als eine Bastion des Wohlfahrtsstaats in Frage. Aber es gibt auch soziale, kulturelle, ökonomische und politische Gegentendenzen. Sie werden in diesem Band diskutiert, der sich an Stadtplaner, Stadtpolitiker und alle stadtpolitisch Interessierten ebenso richtet wie an Architekten und Sozialwissenschaftler. Beiträger sind u. a. Dieter Läpple, Peter Marcuse, Enzo Mingione, Claus Offe, Saskia Sassen, Thomas Sieverts und Erika Spiegel.

Die europäische Stadt, Siebel 2004

Urbanität ist ein Kennzeichen der Moderne, die Entstehung der europäischen Metropolen rief Staunen und Kritik hervor. Dabei galten Städte nie als natürlicher Lebensraum; strategische Interventionen und sozialpolitische Projekte prägen bis heute ihr Erscheinungsbild. Der aktuelle Band der »Neuen Sozialwissenschaftlichen Bibliothek« widmet sich der Theorie und der Geschichte der Stadtpolitik in Deutschland. Der zeitdiagnostische Teil bietet einen Überblick über Themen wie Gentrification, Einkaufszentren und die Renaissance der Innenstadt.

Stadtpolitik, Häußermann, Siebel, Läpple, 2007

Eine Arch+ Ausgabe, die die Situationistische Internationale als Herkunftsort vieler heutiger Planungsstrategien interpretiert?
Eigentlich gar nicht so überraschend wie man denken könnte. War doch die Stadt Paris nicht nur der Bezugsraum der Situationistischen Internationale (SI), sondern auch der Fluchtpunkt ihrer Bemühungen um die Aufhebung der Kunst und der Überführung der Kunst in ein freies Leben.

1972 hat Guy Debord die Situationistische Internationale aufgelöst. Trotzdem lebt sie als „Phantom Avantgarde“ (Roberto Ohrt) fort, fasziniert weiterhin und ist zum Bezugspunkt des theoretischen Diskurses um Kunst und Gesellschaft geworden – mit Auswirkungen auch auf Architektur und Städtebau.

Aus der SI haben sich verschiedene, ganz praktische Strategien entwickelt, die heute in der Architektur und dem Städtebau für Furore sorgen und sich zunehmend verbreitern und durchsetzen: der Stadtspaziergang, das cognitive mapping, die Zwischennutzung und die Orientierung am Alltag.

So haben wir versucht, das Heft nicht nur retrospektiv, sondern auch prospektiv zu gliedern, um diese Entwicklungen durch folgende Gegensatzpaare zu fassen: Dérive/Stadtspaziergang, Psychogeographie/cognitive mapping, Détournement/ Zwischennutzung, Revolution des Alltagslebens/Alltag.

Wir wollen dabei das Konzept einer Ermöglichungsarchitektur aufgreifen und weiter denken – und zum Mitdenken und Mitmachen einladen. Ziel ist ein Entwurf von Raum, der wiederum zur Produktion von Räumen anregt: eine Raumproduktion zweiter Ordnung.

Die Orientierung an der Situation vor Ort wird dabei eine der Strategien sein, um sich diesem neuen Raumbewusstsein zu stellen. In diesem Sinne vermuten wir, dass sich die Situation vor Ort, die atmosphärische Einheit des Quartiers und die archipelartige Gliederung der Stadt als die neuen Leitbegriffe des situativen Urbanismus etablieren werden – hier weiter zu denken, diesen Ansatz auszubauen, dazu soll diese Ausgabe von Arch+ anregen.

archplus 183: Situativer Urbanismus, 2007

Die Stadt Hamburg diente für das umfangreiche gemeinsame Projekt Mapping a City. Hamburg-Kartierung der Galerie für Landschaftskunst und des Kunstvereins in Hamburg als exemplarische urbane Metropole. Internationale Künstlerinnen und Künstler unternahmen in ihren Arbeiten Erkundungen des städtischen Raums und untersuchten Vorstellungen von Natur und Landschaft. Die Publikation präsentiert neben einem allgemeinen Reader zum Phänomen “Mapping” die vielgestaltigen Ergebnisse dieser künstlerischen und wissenschaftlichen Recherchen. So spürte etwa der Amerikaner Bob Braine den ehemaligen Wall- und Befestigungsanlagen um die alte Hansestadt sowie dem Auftreten und Fehlen von Vegetation im heutigen Stadtbild mittels Infrarotaufnahmen nach. Till Krause lief auf einer geraden Linie von seiner Wohnung in Altona nach Kiel und kartografierte Blickhindernisse und Handyempfang. Und der Brite Nils Norman sah die alte Hansestadt als gigantischen Abenteuerspielplatz.

Mapping a City, Kunstverein Hamburg 2004

Alt, aber immer noch bemerkenswert. Jacobs Betrachtungen und Analysen beziehen sich zwar auf den US-amerikanischen Stadtraum, können aber zum größten Teil auch auf den europäischen urbanen Raum übertragen werden.

Die New Yorker Kritik schrieb: “Jacobs durchleuchtet in leidenschaftlichem Engagement die fragwürdigen Methoden der Stadtplanung und Stadtsanierung. Auf dieser scharfsinnigen Analyse gründen ihre konstruktiven Vorschläge.”

Tod und Leben großer amerikanischer Städte, Jane Jacobs 1963

düsseldorf repariert” ist die Fortführung einer Reihe von künstlerischen Aktivitäten der Gruppe HIRNSTURM aus dem Raum Düsseldorf, die sich als tätige und koordinierende Künstler und gestaltende Personen verstehen.

In dieser Aktion ist Düsseldorf das Operationsfeld positiver Veränderungen. Das Suchen und Finden von Mängeln, die Verbesserung und Beseitigung von Unvollkommenheiten, das Darstellen von Lösungen und deren Beurteilung und Präsentation in der Öffentlichkeit ist das Programm dieser künstlerischen Aktion, zu der gestaltende Menschen verschiedenster Berufsgruppen spartenübergreifend und überregional eingeladen wurden.

Bildende Künstler mit malerischem, bildhauerischen und konzeptionellem Ansatz, Medienkünstler, Landschaftsarchitekten, Städteplaner, Hochbauarchitekten und Philosophen aus dem In- und Ausland haben sich an dieser Aufgabe beteiligt.

Für die Jurierung der eingereichten Vorschläge im April 2008 konnten mit Gabi Runge und Prof. Dr. Thorsten Scheer zwei Kunsthistoriker, mit Kay Röhlen ein Fotograf aus Düsseldorf und mit Astrid Klein vom Büro Klein-Dytham aus Tokio eine Architektin und Designerin gewonnen werden.

Ausstellungseröffnung am Freitag, den 27.06.2008 um 17:00 Uhr im Ballhaus, Düsseldorf Nordpark.

Im Jahr 1958 hat das Kulturamt der Stadt Düsseldorf zum 300. Geburtstag Jan Wellems eine Festschrift herausgegeben, in der die Bedeutung der Erfahrungen durch Geschichte hervorgehoben wird. In diesem Jahr wird zum 350. Geburtstag die Jan-Wellem-Hochstraße zum Abriß freigegeben und der Platz verkauft und bebaut.

War nicht das Ensemble von Tausendfüßler, Schauspielhaus und Dreischeibenhaus lange Zeit die moderne Ansicht von Düsseldorf?

Und jetzt wird, statt diesen Bereich der Stadt zu pflegen und mit Sachverstand die freien Flächen zu gestalten, die ganze gewachsene Situation zerschlagen. Eine Stadtbild prägende denkmalgeschützte Architektur wird durch beliebige Bürobebauung mit riesigen Kosten und Folgekosten, ohne jede Notwendigkeit ersetzt, nur aus unreflektierten geschmacklichen Gründen und um wenigen die Möglichkeit zu geben sich auf Kosten aller zu bereichern.

Aus diesem Grund findet das Ausstellungsprojekt unter freiem Himmel statt. Welche Rolle spielt die bildende Kunst bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes? Künstlerinnen und Künstler sind eingeladen sich mittelbar und unmittelbar im Stadtraum zu äußern. Die Ausstellung und das dazu gehörige Veranstaltungsprogramm finden auf der direkten Achse zwischen Worringer- und Jan-Wellem-Platz in Ladenlokalen, Auslagen und auf der Straße statt und ist auf Veränderung ausgerichtet. Die Ausstellung in ihrem Entstehungsprozess stellt den Ergebnissen von Planung eine andere Vorgehensweise an die Seite.

Dementsprechend dient www.mitohne.de als Kommunikationsplattform der Entwicklung des Projekts. Die Liste der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler sowie der Ausstellungsorte und das Veranstaltungsprogramm werden regelmäßig dem aktuellen Stand angepaßt, bzw. erweitert. Zudem enthält sie Möglichkeiten direkter Kommunikation und Dokumentation.

Das Ausstellungsprojekt gliedert sich in 2 Phasen. Phase 1 findet im Juni statt; Phase 2 im September 2008 ist für Beiträge, die eine längere Entwicklungszeit benötigen, vorgesehen.

Der Wiederaufbau Düsseldorfs nach dem Zweiten Weltkrieg gilt vielfach als besonders modern und ästhetisch gelungen.
Die Entwicklung zur “Stadt modern” war aber auch von Auseinandersetzungen um Stadtplanung und Architektur, um unterschiedliche Stadtentwürfe gekennzeichnet.

Düsseldorfs Weg zur modernen Architekturstadt der 1950er/60er-Jahre dokumentiert bis zum 31. August die Ausstellung “Architektenstreit - Wiederaufbau zwischen Kontinuität und Neubeginn”.
Zu sehen sind Karten, Pläne, Fotografien wie auch Ton- und Filmaufnahmen sowie Tagespresse und Archivalien.

Die Schau im Stadtmuseum, Berger Allee 2, ist dienstags bis sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Ausstellungseröffnung: Freitag, 06.06.08 um 19:30 Uhr

Vortrag anläßlich eines Symposions zum 80.ten Geburtstag von Prof. Rolf Lederbogen an der Fakultät für Architektur der Uni Karlsruhe.

Brigida Gonzales, Stuttgart
Lukas Roth, Köln
Kay Röhlen, Düsseldorf

Download kay_roehlen_standpunkte_030608.pdf (3 MByte)

© Plakat: Anja Grunwald

Ich habe nun die bislang statische Aktuell-Seite von www.dazzledorf.net in einen Blog umstrukturiert.
Bislher war ich immer zu faul, die statische Seite umständlich per HTML-Editor auf den neuesten Stand zu bringen, das soll sich jetzt ändern. Außerdem haben die Leser jetzt die Möglichkeit, direkter mit mir zu kommunizieren.

In diesem Blog werde ich neben Düsseldorf-spezifischen Themen auch Projekte und Veranstaltungen posten, die sich allgemein mit Stadtentwicklung politisch, wirtschaftlich und künstlerisch auseinandersetzen.
Auch Literatur zu diesen Themengebieten werde ich hier vorstellen.

Die Blog-Software läuft noch nicht rund, so gibt es z.B. Anzeigeprobleme mit diesem unsäglichen Internet Explorer (Menüleiste rutscht ganz nach unten). Bitte schreibt mir, wenn euch weitere Probleme mit dieser Seite auffallen.

Kay