Gastbild Nr. 4 hat mir Klaus-Henning P. zur Verfügung gestellt.
Vielen Dank!
Kay
Verfasst Mitte der sechziger Jahre von französischen Soziologen (leider nicht gut zu lesen; die schreiben, wie Rudi Dutschke geredet hat, nur noch umständlicher), beleuchtet dieses Buch den Gebrauchswert der Fotografie in der französischen Gesellschaft jener Tage.
Die verschiedensten Aspekte der Fotografie -Verbreitung, Art und Weise der Nutzung, Bedeutung des fotografischen Bildes und die damals noch hochaktuelle Diskussion um ihre Stellung in der Kunst- werden in diesem Buch nach wissenschaftlichen Kriterien gesellschaftlich eingeordnet und analysiert.
Hochinteressant und in weiten Teilen auch auf unsere Zeit übertragbar, zeigt dieses Buch für den gemeinen Fotobenutzer gänzlich neue Blickwinkel auf diese “illegitime Kunst”.
Kay
Eine illegitime Kunst, Pierre Bourdieu et al, Europäische Verlagsanstalt 2007
maloney, meyerowitz, shore, sternfeld
Mit den Arbeiten der der vier amerikanischen Fotografen Joe Maloney, Joel Meyerowitz, Stephen Shore und Joel Sternfeld präsentiert das Haus der Photographie vier fotografische Positionen, die die New Color Photography der 1970er Jahren nachhaltig geprägt haben. Neben der Tatsache, dass die Künstler die Farbfotografie als legitimes künstlerisches Ausdrucksmittel für sich entdeckten, sorgfältig untersuchten und konsequent anwendeten, ist das Thema dieser Ausstellung gerade im Hinblick auf die Rezeption der hier entwickelten Ästhetik durch zeitgenössische Fotografen aktueller denn je und macht ihre Wiederentdeckung unumgänglich.
Entscheidend für ihre fotografiehistorische Bedeutung ist, dass sich diese Künstler mit dem bewussten Einsatz der Farbe als künstlerischem Ausdrucksmittel im Medium der Fotografie nicht nur über die Behauptung Walker Evans’, die Farbe sei „vulgär“, erfolgreich hinwegsetzten, sondern ihnen gleichzeitig die kritische Abgrenzung von den überlieferten Anwendungsgebieten farbfotografischer Verfahrenstechniken in der Werbe- und Amateurfotografie gelang.
Neben dem Experimentieren und genauen Ausloten der spezifischen gestalterischen Möglichkeiten, die der Gebrauch der Großformatkamera ihnen ermöglichte, besteht eine klar erkennbare gestalterische Strategie in der bewussten Abstufung und Verfeinerung der Farbe, die erst auf diese Weise zum Ausdrucksträger der subjektiven Wahrnehmung des einzelnen Künstlers im Blick auf seine Umgebung werden konnte.
Stephen Shores (*1947 New York) im klassischen Sinne nüchterne wiewohl formalistisch geprägte Position löst urbane Situationen aus ihrer scheinbaren Banalität. Ihm gegenüber finden sich romantisch anmutende Farbfeldkompositionen, die Joel Meyerowitz (*1938 New York) auf Cape Cod in der „blauen Stunde“ für sich entdeckte. Die sensible, narrative Kraft eines Joel Sternfeld (*1944 New York) kommentiert zurückhaltend wiewohl ironisierend sozio-politische Strukturen amerikanischer Landschaft und ihrer Bewohner, während Joe Maloney (*1949 Worcester/ Massachusetts) mit einer bewusst verfremdeten Farbwiedergabe den Realitätsbegriff zugunsten einer surrealen Wahrnehmung irritiert.
Mit den charakteristischen, scheinbar banalen „deadpan views“ lassen die vier Künstler das Umfeld konzeptuell angelegter fotografischer Arbeiten, wie sie seriell arbeitende Künstler wie Ed Ruscha und Dan Graham seit den 1960er Jahren realisierten, weit hinter sich. Mittels einer präzis kalkulierten Bildästhetik entwarfen Maloney, Meyerowitz, Shore und Sternfeld schlagkräftige Alternativen innerhalb der ortsbeschreibenden Fotografie, die von zeitgenössischen Fotografen der jüngeren Generation wie Paul Graham und John Davies aber auch Andreas Gursky und Thomas Struth konsequent weiterentwickelt werden.
Die gezeigten vier Werkgruppen stammen aus der Dauerleihgabe der Sammlung F.C. Gundlach im Haus der Photographie in den Deichtorhallen Hamburg.
Kuratorin: Dr. Sabine Schnakenberg, Sammlungsbetreuung Haus der Photographie
21.11.2008 – 11.01.2009
im Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg
Tätää, letzte Woche lud ich das 750te Dazzledorf-Foto hoch; aufgenommen habe ich es Anfang Oktober in Düsseldorf Lohausen.
Ab und zu werde ich von Leuten gefragt, warum ich eigentlich so viele Fotos von Düsseldorf mache; es müßten doch ein paar Dutzend -wie in herkömmlichen Stadtbildbänden- reichen, um eine kleine Großstadt ausreichend zu dokumentieren. Mit dieser Meinung befinden sich diese Leute in bester Gesellschaft, da z.B. auch Thomas Struth der Ansicht ist, daß man mittels ein paar Aufnahmen “charakteristischer” Orte das eigentliche Wesen einer Stadt erfassen kann:”…Ich wähle diejenigen Stellen aus, welche den Charakter des Ortes stellvertretend besonders gut erscheinen lassen.”¹
Konträr zu dieser Auffassung bin ich der Meinung, daß ein paar Aufnahmen von für mich charakteristischen Orten lediglich mein Bild, meine Realität, aber niemals ein allgemeingültiges Bild der Stadt entwerfen kann. Ebensowenig gibt es die typische, den Charakter einer Person wiederspiegelnde Portraitaufnahme oder den decisive moment in der Fotografie. Für mich sind das -zumindest im Rahmen einer dokumentarischen Arbeit- Klischees, unzulässige Vereinfachungen, Ikonisierungen hochkomplexer Motive.
Und so bleibt mir nichts anderes übrig, als möglichst viele Bilder Düsseldorfs aufzunehmen, damit der Betrachter sich aus zahlreichen verschiedenen Ansichten ein persönliches, natürlich auch unzulängliches -aber das liegt in der Natur der Fotografie- Bild der Stadt entwerfen kann.
Kay
¹Thomas Struth - Stadt und Straßenbilder, Dissertation von Annette Emde, Jonas Verlag 2008
Ab und zu nehme ich besonders gelungene Düsseldorf-Fotos fremder Fotografen in das Dazzledorf-Projekt auf.
Eben habe ich das dritte Gastbild und gleichzeitig das zweite Foto von Andi Blum eingefügt: eine Aufnahme des östlich gelegenen Hügellandes nahe zur Ratinger Stadtgrenze.
Ich möchte mich hier für diese Bilder bei Andi Blum und Johannes Bendzulla -dem zweiten Gastfotografen- bedanken und gleichzeitig auf die drei Bilder aufmerksam machen.
Kay
“Lassen Sie die Sache ruhen. Verbringen Sie einige Tage oder Wochen mit Broterwerbstätigkeit oder reisen Sie in ferne Länder. In dem Maße, in dem Ihre Sehnsucht nach Fortsetzung der Untersuchung steigt, werden Sie Klarheit über das Wesen der Untersuchung gewinnen.”
Punkt 10 der Sievertsschen Anleitung zur Erkundung von Städten¹ hat sich wieder mal bewahrheitet. Für ferne Länder reichen zwar Zeit und Geld nicht, aber ein Tagesausflug in sach- und ortskundiger Begleitung von Haiko Hebig nach Duisburg erfüllt auch seinen Zweck der Kopfbefreiung.
Ganz wohl war mir bei der Knipserei auf fremden Terrain natürlich nicht; ich hätte die Zeit ja auch “sinnvoller” mit der Fortführung des Dazzledorf-Projekts nutzen können, zudem bin ich mir auch ziemlich sicher, daß ich bereits “Klarheit über das Wesen der (Düsseldorf)-Untersuchung” gewonnen habe.
Ziemlich sicher, nun ja, oder vielleicht auch nur betriebsblind?
Schauen wir uns die Bilder an. Das Sujet ist ähnlich, auch wenn auf den Duisburg-Bildern die Industrielandschaft eine gewichtigere Rolle spielt. Bildaufbauten, Motive, eigentlich alles wie in Düsseldorf. Bis auf den Maßstab.
In Düsseldorf wahre ich fast immer einen angemessenen Abstand zu meinen Objekten und bin stets darauf bedacht, die Hauptobjekte in ihrem Kontext, in ihrer Umgebung darzustellen.
In Duisburg veränderte ich den Maßstab häufiger; so wechseln sich die von mir bevorzugten Halbtotalen mit “Makroaufnahmen” von z.B. isolierten Schaufenstern oder Stadtmöbeln ab.
Dieser variierende Maßstab sorgt für eine angenehme Abwechslung in der kleinen Duisburg-Serie und entspricht doch eher dem visuellen Eindruck, den ich auch ohne Kamera von diesem Ort mitgenommen hätte. Man läuft eben nicht mit konstant Fokus auf unendlich durch seine Welt, sondern geht auch ab und an ganz nah ran.
Gut, dann war ich also betriebsblind. Aber ich kann diese neue Erfahrung direkt in Form von Detailaufnahmen in das Dazzledorf-Projekt einfließen lassen. Natürlich nur in homöopathischen Dosen zur Auflockerung des Überblick verschaffenden Gesamtwerks.
Die Duisburg-Bilder werden demnächst unter www.kayroehlen.net zu finden sein.
Kay
Früher war alles besser. Alles? Nein, sicher nicht, sieht man deutlich auf Darchingers Fotos aus dem Zeitraum 1952-1967. Einer Zeit des Wiederaufbaus, bitterer Armut und verhaltenen Wohlstands, des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Umbruchs, zusammengefasst der Wirtschaftswunder-Zeit.
Drei große Themengebiete strukturieren das Buch: Familienleben, Wirtschaft, Politik.
Darchinger zeichnet mit seinen Fotos ein ausgesprochen vielfältiges Bild der jungen Bundesrepublik.
So gewährt ihm sein Status als Spiegel-Fotograf Einblicke in die Welt der bundesrepublikanischen Spitzenpolitik oder der wirtschaftlichen Führungselite. Er kam also ganz nah ran, bewahrt auf seinen Fotos aber immer einen angenehme Distanz zu seinen Sujets. Hier findet man keine simplifizierenden Ganz-nah-dran-Fotos, klamaukig spektakuläre Bildaufbauten oder emotional überfrachtete Aufnahmen, wie sie heutzutage üblich sind.
Auch das Alltagsleben der Arbeiter, Angestellten, der Kinder und der Familien wird zwar konzentriert, aber niemals vereinfacht wiedergegeben. Und hier beweist Darchinger sein fotografisches Gespür: unsere Welt kann nur fragmentarisch durch einmalige Decisive-Moment-Fotos dokumentiert werden; langfristig aussagekräftiger sind die unaufgeregten, ruhigen Aufnahmen der Dauerzustände unseres Alltagslebens.
Resümee: Früher war vieles schlechter, aber Darchingers dokumentarisch-fotografischer Blick auf das spektakulär Unspektakuläre war erheblich besser als der Blick vieler aktueller fotografischer Zeitchronisten.
Wirtschaftswunder ist mein Fotobuch des Jahres 2008, unbedingt empfehlenswert.
Kay
Wirtschaftswunder, Josef Heinrich Darchinger 2008
288 Seiten, Taschen-Verlag, 29,99 €
1. Kaufen Sie topografische Karten Ihrer Stadt im Maßstab 1:25.000 (gibt es in Deutschland im Katasteramt und bei den Landesvermessungsämtern)
2. Finden Sie heraus, welche die Ortsteile sind, die im kollektiven Bewußtsein der Stadt von sich selbst unterrepräsentiert bis nicht vorhanden sind.
3. Suchen Sie diese Orte auf. Stellen Sie Besonderheiten fest. Halten Sie sich über längere Zeiträume dort auf. Machen Sie Fotos von Orten, Dingen und Menschen, die Ihnen zugleich typisch und fotografisch repräsentierbar erscheinen. Sprechen Sie mit Leuten, die sich an diesen Orten schon länger aufhalten als Sie.
4. Lassen Sie die Fotos entwickeln und abziehen. Was sehen Sie? Was ist alles nicht auf den Fotos? Konnte es überhaupt auf Fotos erscheinen?
5. Kehren Sie zu den Orten zurück. Haben Sie Geduld. Lassen Sie Langeweile einfach vorübergehen.
6. Kehren Sie mehrfach zurück, mit und ohne Kamera. Führen Sie Gespräche, trinken Sie Kaffees in den unscheinbarsten Lokalen. Betrinken Sie sich am hellichten Tag. Schlafen Sie Ihren Rausch an einem unpassenden Ort aus. Kommen Sie wieder mit Schlafsack und Zelt oder übernachten Sie in einer Pension/ Zimmer mit Frühstück/ kleinem Hotel.
7. Gehen Sie nochmals ins Katasteramt, um Karten und Luftbilder des Gebietes Ihrer engeren Wahl, im Maßstab 1:5000, in zweifacher Ausführung, zu besorgen. Montieren Sie eine Ausführung zu einem zusammenhängenden Bild und hängen Sie dieses an die Wand Ihrer Wohnung/ Ihres Arbeitsraumes (wenn die Wandfläche nicht ausreichen sollte, mieten Sie für diese Zeit einen Raum mit entsprechend großen Wänden).
8. Lassen Sie die Grafik auf sich wirken. Vergleichen Sie die Struktur der unter Punkt 2 als unterrepräsentiert befundenen Ortsteile mit denen der identitätsbildenden Ortsteile. Was fällt Ihnen auf? Versuchen Sie, es in Worte zu fassen. Machen Sie Notizen.
9. Hängen Sie neben die Karten und Luftbilder im Maßstab 1:5000 Ihre topografische Karte im Maßstab 1:25.000. vergleichen Sie. Prägen Sie sich alles gut ein. Stecken Sie den zweiten Satz Karten und Luftbilder M 1:5.000 in eine Papprolle und legen Sie diese zu Ihrer Reiseausrüstung.
10. Lassen Sie die Sache ruhen. Verbringen Sie einige tage oder Wochen mit Broterwerbstätigkeit oder reisen Sie in ferne Länder. In dem Maße, in dem Ihre Sehnsucht nach Fortsetzung der Untersuchung steigt, werden Sie Klarheit über das Wesen der Untersuchung gewinnen.
11. Lesen Sie niemals die lokale Tageszeitung. Die Oberflächlichkeit ihrer Betrachtungen widerspricht ihrem Gewicht als Gedrucktem. Das würde Sie irritieren und zurückwerfen. Wahrscheinlich hat jede ihrer eigenen Erkenntnisse zu diesem Zeitpunkt bereits mehr Gewicht.
12. Besuchen Sie statt dessen Archive von Stadtverwaltungen, Wohnungsbaugesellschaften, die Lokalita-Regale von Antiquariaten, Plankammern, Bildarchive, Heimatvereine. Atmen Sie den Geist dieser Häuser.
13. Gehen Sie Fragen, die auftauchen, hartnäckig nach. Nicht, um die Wahrheit zu erfahren, sondern um viel zu hören zu bekommen; das hilft, die Grenzen zwischen Innenbildern und Faktizität aufzulösen.
14. Variieren und ergänzen Sie die Schritte 1 bis 13, bis Sie sich kompetent fühlen für die Schritte 15 bis 19.
15. Stellen Sie sich vor, Sie müßten Ihr Innerstes nach außen kehren. Dabei könnten Sie weder sprechen noch schreiben. Aber Sie kennen all diese Orte. Welche Orte würden Sie Ihrem Gegenüber zeigen, um etwas von sich zu erzählen? In welche Reihenfolge würden Sie sie bringen, um ihre Wirkung zu verstärken?
16. Ihr Gegenüber kommt aus identitätsbildenden Regionen der Stadt. Welches Gefühl für diese Terra Incognita möchten Sie ihm vermitteln?
17. Welche identitätsbildenden Elemente enthält die Terra Incognita selber? Tappen Sie nicht in die Falle der Stadtplaner und Lokalpolitiker, sondern nehmen Sie diese Elemente einfach zur Kenntnis. Meistens werden Sie sie umgehen.
18. Gibt es Sensationen? Wenn ja, welche? Kommt in diesen Sensationen etwas verstärkt zum Ausdruck, das das ganze Gebiet wie gewisse Gerüche, die man nur dicht über dem Boden riecht, durchzieht? Unbedingt einbauen!! (auch wenn die Lautstärke dieser Sensationen unter Umständen den ganzen Spannungsbogen neu zu gestalten zwingt). Andere Sensationen sind wertlos, wird es aber auch kaum geben.
19. Führen Sie Freunde und Fremde zu Ihren persönlichen Plätzen. Riskieren Sie peinliche Momente. Fassen Sie Ihre Vorlieben in Worte, die diese Vorlieben ausdrücken und begründen. Prägen Sie sich Formulierungen, bei denen die Peinlichkeit verschwindet, ein.
20. Verfeinern Sie den Weg über die Jahre
Boris Sieverts, Büro für Städtereisen
Die Hauptausstellung des Jubiläums wird vom museum kunst palast ausgerichtet werden. Ausgangspunkt sind die Werke der kurfürstlichen Sammlung, die sich noch im eigenen Bestand erhalten haben. Im Zentrum steht das monumentale Gemälde von Peter Paul Rubens „Die Himmelfahrt Mariae“ (Dauerleihgabe der Kunstakademie), das von Brüssel auf dem Rhein nach Düsseldorf gebracht wurde. Es stellt heute die bedeutendste Hinterlassenschaft der legendären Gemäldegalerie in Düsseldorf dar.
Das dramatische Schicksal dieser Holztafel, seine Varianten, Kopien und Nachfolgewerke, die bildkünstlerische und literarische Rezeption werden erstmals genauer vorgestellt. Eine Auswahl von hochkarätigen Leihgaben aus internationalen Sammlungen, die im engen Bezug zum Werk stehen, soll zum Verständnis von Rubens, seiner gegenreformatorischen Bilderwelt und dem damit verbundenen politischen Kalkül des Kurfürsten beitragen.
Ein weiteres wichtiges Kapitel innerhalb der Ausstellung beleuchtet den Hintergrund für die Sammelleidenschaft und Geschmackskultur Jan Wellems, die ganz entscheidend von seiner zweiten Frau Anna Maria Luisa de’ Medici und dem Florentiner Hof geprägt wurde. Am Beispiel Florenz soll der Kulturtransfer zwischen Florenz und Düsseldorf als eine Form der höfischen Macht- und Kulturpolitik veranschaulicht werden.
Florentiner Schätze aus den Uffizien, der Galleria Palatina und dem Museo degli Argenti des Palazzo Pitti, die mit Jan Wellem und Anna Maria Luisa de’ Medici in Verbindung gebracht werden können, sollen erstmals in Düsseldorf gezeigt werden. Darunter sind Selbstbildnisse der Düsseldorfer Hofmaler und Werke der niederländischen Feinmalerei von Jan Douven, Adriaen van der Werff oder der Stilllebenmalerin Rachel Ruysch, aber auch weitgehend unbekannte Bildnisse und Kostümbilder des fürstlichen Paares sowie kunsthandwerkliche Schmuckstücke.
Ein besonderes Erlebnis für die Besucher wird zusätzlich sein, dass die „Himmelfahrt Mariae“ von Rubens durch eine virtuelle, dreidimensionale CAD-Rekonstruktion in ihren wieder entdeckten, originalen Prunkrahmen und in den ehemaligen Kirchenraum versetzt wird. Das museum kunst palast kooperiert dafür mit Prof. M. Koob, Leiter des Fachbereichs Informations- und Kommunikationstechnologie in der Architektur an der TU Darmstadt, und Marc Grellert, Leiter der „Architectura Virtualis Gmbh, Darmstadt“.
Zugleich wird die große Holztafel von Rubens erstmals auch technologisch genauer untersucht werden in Kooperation mit der Universität Hamburg, Fachbereich Holzwissenschaft, durch Prof. Dr. P. Klein, den führenden Experten auf dem Gebiet der Dendrochronologie.
Das umfangreiche Rahmenprogramm können Sie dem Kalender entnehmen.
Der wissenschaftliche Katalog zur Ausstellung enthält einen Anhang mit historischen und literarischen Quellen zur Rezeption der kurfürstlichen Gemäldegalerie.
Stiftung museum kunst palast
Ehrenhof 4-5
40479 Düsseldorf
info@museum-kunst-palast.de
Fon 0211 8924242 (Infoband)
Fon 0211 8992460 (11–18 Uhr)Di–So 11–18 Uhr
Eintritt: 8 Euro
ermäßigt: 6,00 Euro
Wie wollen ältere Menschen in Düsseldorf leben? Neben historischen Exponaten der eigenen Museumssammlung, die Altsein und Alter im Lauf der Düsseldorfer Stadtgeschichte zeigen, stehen die Lebenswelten älterer Menschen im Mittelpunkt, wie sie sich heute zeigen und schon morgen aussehen könnten. Die Ausstellung dokumentiert, wie sich der Lebensraum Stadt den neuen demografischen Bedingungen anpasst und sich daraus positiv entwickeln kann.
Gemälde, Grafiken, Modelle, Fotografien, Ton- und Filmaufnahmen, Tagespresse, Printmedien und Gebrauchsgegenstände schaffen Raum zum Dialog sowie zur Diskussion. Ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm mit Arbeitsgruppen, Seminaren und Vorträgen fordert Alt und Jung auf, mit zu diskutieren, zu entwerfen, zu gestalten oder sich einfach zu informieren. Lokale, überregionale und auch internationale Experten und Expertinnen stehen dabei zur Seite. Die Ergebnisse werden stetig in die bestehende Ausstellung integriert und in einem abschließenden Forum präsentiert.
ALT + jung: Stadt im demografischen Wandel
Die Ausstellung im Stadtmuseum, Berger Allee 2, ist dienstags bis sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
27. September bis 28. Dezember 2008
Forum: Sonntag, 07. Dezember um 15 Uhr
“Auch bundesdeutsche Wissenschaftler beschäftigen sich seit einigen Jahren mit den neuen Städtern. In Metropolen, wo »Mode, Kultur, Banken und High-Tech prosperieren«, schreiben die Stadtsoziologen Hartmut Häußermann und Walter Siebel, tragen die erfolgreichen Yuppies gemeinsam mit den Alternativen die »Reurbanisierung«. Das vereinfachte Schema: Zunächst tritt die alternative Szene mit Intellekt und Kreativität an, um sich eine passende Infrastruktur mit Läden, Kneipen und Kulturangeboten herzurichten. Auf dem Nährboden der Alternativen entwickelt sich später dann, so das Autorenpaar, »ihr Erfolgszwilling, die Yuppie-Kultur«”
Tom Schimmeck im Spiegel Nr.36, 1988
In den kurzen goldenen Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg schien die europäische Stadt der Modellfall eines sozial ausgeglichenen, kulturell integrierten und prosperierenden Gemeinwesens. Heute wird ihr Ende vorhergesagt. Ihre Gestalt verliert sich in einem gesichtslosen Siedlungsbrei. Der öffentliche Raum wird privatisiert. Leerstehende Wohnungen und Industriebrachen reißen Lücken in das städtische Gefüge. Es entstehen abgeschottete Quartiere der Armen und der Einwanderer. Die Globalisierung, die Macht der Immobilienentwickler und die Finanzmisere stellen die europäische Stadt als eine Bastion des Wohlfahrtsstaats in Frage. Aber es gibt auch soziale, kulturelle, ökonomische und politische Gegentendenzen. Sie werden in diesem Band diskutiert, der sich an Stadtplaner, Stadtpolitiker und alle stadtpolitisch Interessierten ebenso richtet wie an Architekten und Sozialwissenschaftler. Beiträger sind u. a. Dieter Läpple, Peter Marcuse, Enzo Mingione, Claus Offe, Saskia Sassen, Thomas Sieverts und Erika Spiegel.
Urbanität ist ein Kennzeichen der Moderne, die Entstehung der europäischen Metropolen rief Staunen und Kritik hervor. Dabei galten Städte nie als natürlicher Lebensraum; strategische Interventionen und sozialpolitische Projekte prägen bis heute ihr Erscheinungsbild. Der aktuelle Band der »Neuen Sozialwissenschaftlichen Bibliothek« widmet sich der Theorie und der Geschichte der Stadtpolitik in Deutschland. Der zeitdiagnostische Teil bietet einen Überblick über Themen wie Gentrification, Einkaufszentren und die Renaissance der Innenstadt.
Eine Arch+ Ausgabe, die die Situationistische Internationale als Herkunftsort vieler heutiger Planungsstrategien interpretiert?
Eigentlich gar nicht so überraschend wie man denken könnte. War doch die Stadt Paris nicht nur der Bezugsraum der Situationistischen Internationale (SI), sondern auch der Fluchtpunkt ihrer Bemühungen um die Aufhebung der Kunst und der Überführung der Kunst in ein freies Leben.
1972 hat Guy Debord die Situationistische Internationale aufgelöst. Trotzdem lebt sie als „Phantom Avantgarde“ (Roberto Ohrt) fort, fasziniert weiterhin und ist zum Bezugspunkt des theoretischen Diskurses um Kunst und Gesellschaft geworden – mit Auswirkungen auch auf Architektur und Städtebau.
Aus der SI haben sich verschiedene, ganz praktische Strategien entwickelt, die heute in der Architektur und dem Städtebau für Furore sorgen und sich zunehmend verbreitern und durchsetzen: der Stadtspaziergang, das cognitive mapping, die Zwischennutzung und die Orientierung am Alltag.
So haben wir versucht, das Heft nicht nur retrospektiv, sondern auch prospektiv zu gliedern, um diese Entwicklungen durch folgende Gegensatzpaare zu fassen: Dérive/Stadtspaziergang, Psychogeographie/cognitive mapping, Détournement/ Zwischennutzung, Revolution des Alltagslebens/Alltag.
Wir wollen dabei das Konzept einer Ermöglichungsarchitektur aufgreifen und weiter denken – und zum Mitdenken und Mitmachen einladen. Ziel ist ein Entwurf von Raum, der wiederum zur Produktion von Räumen anregt: eine Raumproduktion zweiter Ordnung.
Die Orientierung an der Situation vor Ort wird dabei eine der Strategien sein, um sich diesem neuen Raumbewusstsein zu stellen. In diesem Sinne vermuten wir, dass sich die Situation vor Ort, die atmosphärische Einheit des Quartiers und die archipelartige Gliederung der Stadt als die neuen Leitbegriffe des situativen Urbanismus etablieren werden – hier weiter zu denken, diesen Ansatz auszubauen, dazu soll diese Ausgabe von Arch+ anregen.
Die Stadt Hamburg diente für das umfangreiche gemeinsame Projekt Mapping a City. Hamburg-Kartierung der Galerie für Landschaftskunst und des Kunstvereins in Hamburg als exemplarische urbane Metropole. Internationale Künstlerinnen und Künstler unternahmen in ihren Arbeiten Erkundungen des städtischen Raums und untersuchten Vorstellungen von Natur und Landschaft. Die Publikation präsentiert neben einem allgemeinen Reader zum Phänomen “Mapping” die vielgestaltigen Ergebnisse dieser künstlerischen und wissenschaftlichen Recherchen. So spürte etwa der Amerikaner Bob Braine den ehemaligen Wall- und Befestigungsanlagen um die alte Hansestadt sowie dem Auftreten und Fehlen von Vegetation im heutigen Stadtbild mittels Infrarotaufnahmen nach. Till Krause lief auf einer geraden Linie von seiner Wohnung in Altona nach Kiel und kartografierte Blickhindernisse und Handyempfang. Und der Brite Nils Norman sah die alte Hansestadt als gigantischen Abenteuerspielplatz.
Alt, aber immer noch bemerkenswert. Jacobs Betrachtungen und Analysen beziehen sich zwar auf den US-amerikanischen Stadtraum, können aber zum größten Teil auch auf den europäischen urbanen Raum übertragen werden.
Die New Yorker Kritik schrieb: “Jacobs durchleuchtet in leidenschaftlichem Engagement die fragwürdigen Methoden der Stadtplanung und Stadtsanierung. Auf dieser scharfsinnigen Analyse gründen ihre konstruktiven Vorschläge.”
Tod und Leben großer amerikanischer Städte, Jane Jacobs 1963
“düsseldorf repariert” ist die Fortführung einer Reihe von künstlerischen Aktivitäten der Gruppe HIRNSTURM aus dem Raum Düsseldorf, die sich als tätige und koordinierende Künstler und gestaltende Personen verstehen.
In dieser Aktion ist Düsseldorf das Operationsfeld positiver Veränderungen. Das Suchen und Finden von Mängeln, die Verbesserung und Beseitigung von Unvollkommenheiten, das Darstellen von Lösungen und deren Beurteilung und Präsentation in der Öffentlichkeit ist das Programm dieser künstlerischen Aktion, zu der gestaltende Menschen verschiedenster Berufsgruppen spartenübergreifend und überregional eingeladen wurden.
Bildende Künstler mit malerischem, bildhauerischen und konzeptionellem Ansatz, Medienkünstler, Landschaftsarchitekten, Städteplaner, Hochbauarchitekten und Philosophen aus dem In- und Ausland haben sich an dieser Aufgabe beteiligt.
Für die Jurierung der eingereichten Vorschläge im April 2008 konnten mit Gabi Runge und Prof. Dr. Thorsten Scheer zwei Kunsthistoriker, mit Kay Röhlen ein Fotograf aus Düsseldorf und mit Astrid Klein vom Büro Klein-Dytham aus Tokio eine Architektin und Designerin gewonnen werden.
Ausstellungseröffnung am Freitag, den 27.06.2008 um 17:00 Uhr im Ballhaus, Düsseldorf Nordpark.
Im Jahr 1958 hat das Kulturamt der Stadt Düsseldorf zum 300. Geburtstag Jan Wellems eine Festschrift herausgegeben, in der die Bedeutung der Erfahrungen durch Geschichte hervorgehoben wird. In diesem Jahr wird zum 350. Geburtstag die Jan-Wellem-Hochstraße zum Abriß freigegeben und der Platz verkauft und bebaut.
War nicht das Ensemble von Tausendfüßler, Schauspielhaus und Dreischeibenhaus lange Zeit die moderne Ansicht von Düsseldorf?
Und jetzt wird, statt diesen Bereich der Stadt zu pflegen und mit Sachverstand die freien Flächen zu gestalten, die ganze gewachsene Situation zerschlagen. Eine Stadtbild prägende denkmalgeschützte Architektur wird durch beliebige Bürobebauung mit riesigen Kosten und Folgekosten, ohne jede Notwendigkeit ersetzt, nur aus unreflektierten geschmacklichen Gründen und um wenigen die Möglichkeit zu geben sich auf Kosten aller zu bereichern.
Aus diesem Grund findet das Ausstellungsprojekt unter freiem Himmel statt. Welche Rolle spielt die bildende Kunst bei der Gestaltung des öffentlichen Raumes? Künstlerinnen und Künstler sind eingeladen sich mittelbar und unmittelbar im Stadtraum zu äußern. Die Ausstellung und das dazu gehörige Veranstaltungsprogramm finden auf der direkten Achse zwischen Worringer- und Jan-Wellem-Platz in Ladenlokalen, Auslagen und auf der Straße statt und ist auf Veränderung ausgerichtet. Die Ausstellung in ihrem Entstehungsprozess stellt den Ergebnissen von Planung eine andere Vorgehensweise an die Seite.
Dementsprechend dient www.mitohne.de als Kommunikationsplattform der Entwicklung des Projekts. Die Liste der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler sowie der Ausstellungsorte und das Veranstaltungsprogramm werden regelmäßig dem aktuellen Stand angepaßt, bzw. erweitert. Zudem enthält sie Möglichkeiten direkter Kommunikation und Dokumentation.
Das Ausstellungsprojekt gliedert sich in 2 Phasen. Phase 1 findet im Juni statt; Phase 2 im September 2008 ist für Beiträge, die eine längere Entwicklungszeit benötigen, vorgesehen.
Der Wiederaufbau Düsseldorfs nach dem Zweiten Weltkrieg gilt vielfach als besonders modern und ästhetisch gelungen.
Die Entwicklung zur “Stadt modern” war aber auch von Auseinandersetzungen um Stadtplanung und Architektur, um unterschiedliche Stadtentwürfe gekennzeichnet.
Düsseldorfs Weg zur modernen Architekturstadt der 1950er/60er-Jahre dokumentiert bis zum 31. August die Ausstellung “Architektenstreit - Wiederaufbau zwischen Kontinuität und Neubeginn”.
Zu sehen sind Karten, Pläne, Fotografien wie auch Ton- und Filmaufnahmen sowie Tagespresse und Archivalien.
Die Schau im Stadtmuseum, Berger Allee 2, ist dienstags bis sonntags jeweils von 11 bis 18 Uhr geöffnet.
Ausstellungseröffnung: Freitag, 06.06.08 um 19:30 Uhr
Vortrag anläßlich eines Symposions zum 80.ten Geburtstag von Prof. Rolf Lederbogen an der Fakultät für Architektur der Uni Karlsruhe.
Download kay_roehlen_standpunkte_030608.pdf (3 MByte)
© Plakat: Anja Grunwald
Ich habe nun die bislang statische Aktuell-Seite von www.dazzledorf.net in einen Blog umstrukturiert.
Bislang war ich immer zu faul, die statische Seite umständlich per HTML-Editor auf den neuesten Stand zu bringen, das soll sich jetzt ändern. Außerdem haben die Leser jetzt die Möglichkeit, direkter mit mir zu kommunizieren.
In diesem Blog werde ich neben Düsseldorf-spezifischen Themen auch Projekte und Veranstaltungen posten, die sich allgemein mit Stadtentwicklung politisch, wirtschaftlich und künstlerisch auseinandersetzen.
Auch Literatur zu diesen Themengebieten werde ich hier vorstellen.
Die Blog-Software läuft noch nicht rund, so gibt es z.B. Anzeigeprobleme mit diesem unsäglichen Internet Explorer (Menüleiste rutscht ganz nach unten). Bitte schreibt mir, wenn euch weitere Probleme mit dieser Seite auffallen.
Kay