Düsseldorf/Aktuell


 

Verschleierungsverbot für Häuser!

Vieles ist bereits geschrieben worden zum Thema Google Street View, viel Emotionales, viel Sachliches, deshalb nur ein kurzes Statement meinerseits, da in dieser Diskussion ganz maßgeblich die elementare Voraussetzung für dokumentierende (Stadt)Fotografie in Frage gestellt wird, die Panoramafreiheit:

§ 59 UrhG – Werke an öffentlichen Plätzen

„(1) Zulässig ist, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Grafik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Bei Bauwerken erstrecken sich diese Befugnisse nur auf die äußere Ansicht.“
Erweitert wird dieses Gesetz bezüglich der Abbildung von Personen im öffentlichen Raum über:

§ 23 KunstUrhG: Ohne Einwilligung erlaubt sind unter Anderem „Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen“ und„Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben“.

Paris zensiert, Eugene Atget

Paris zensiert, Eugene Atget

Die Rechtslage ist also klar, gewisse Feinheiten wie z.B. Kunstwerke im öffentlichen Raum werden in weiteren Paragraphen abgehandelt. Trotzdem gerieren sich die Deutschen, vorneweg unter anderem der Chef unserer Spaß- und Egopartei Guido Westerwelle oder die Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, als ob ihnen durch die Ablichtung ihrer Hausfassaden nicht nur ihr Besitz, sondern auch noch die Seele geraubt werden könnte. In einigen Diskussionen wurden Häusern gar Persönlichkeitsrechte, resp. das Recht am eigenen Bild zugesprochen.

All das ist nur wieder Ausdruck unseres postmodernen übersteigerten Individualismus und Egoismus, der Horizont dieser Personen erstreckt sich offensichtlich nur bis zum eigenen Gartenzaun. Unter’m Strich zähle ICH, ICH, ICH und MEIN BESITZ. Daß man aber immer noch Teil einer Gesellschaft, daß das eigene Haus Teil einer Straße, eines Viertels, einer Stadt, eines Ganzen ist, wird schlichtweg geleugnet und komplett überzogene Verlustängste über geltendes Recht gestellt.

Leider betrifft diese idiotische Diskussion im speziellen die Stadtfotografie, im allgemeinen die Geschichtsschreibung. Was wären Eugene Atgets Parisaufnahmen oder Julius Söhns Aufnahmen Düsseldorfs mit geschwärzten Häusern heute wert? Nichts.

Meine Düsseldorfbilder wurden alle unter Beachtung geltenden Rechts erstellt, freiwillig gelöscht oder geschwärzt wird hier gar nichts.

Abschließend noch der Link zum Bilderbuch-Prozeß, eine Klägerin verlangte die Löschung eines georeferenzierten Fotos ihrer Hauses von der Seite www.bilderbuch-koeln.de, die Klage wurde vom Landgericht Köln Anfang 2010 abgewiesen:

http://www.telemedicus.info/urteile/Datenschutzrecht/982-LG-Koeln-Az-28-O-57809-Fotos-von-Strassen-und-Gebaeuden-Bilderbuch-Koeln.html