Düsseldorf/Aktuell


 

Assoziativ Aufgelockertes

Alles, was woanders nicht reinpaßt.

WEEKEND

Liebenswertes Köln

Liebenswertes Köln

…, daß sie besonders häßlich ist.

Jaques Tilly, Düsseldorfer Karnevalswagenbauer in der WDR-Sendung Rivalen am Rhein: Düsseldorf und Köln

Vieles ist bereits geschrieben worden zum Thema Google Street View, viel Emotionales, viel Sachliches, deshalb nur ein kurzes Statement meinerseits, da in dieser Diskussion ganz maßgeblich die elementare Voraussetzung für dokumentierende (Stadt)Fotografie in Frage gestellt wird, die Panoramafreiheit:

§ 59 UrhG – Werke an öffentlichen Plätzen

„(1) Zulässig ist, Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Grafik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben. Bei Bauwerken erstrecken sich diese Befugnisse nur auf die äußere Ansicht.“
Erweitert wird dieses Gesetz bezüglich der Abbildung von Personen im öffentlichen Raum über:

§ 23 KunstUrhG: Ohne Einwilligung erlaubt sind unter Anderem „Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen“ und„Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben“.

Paris zensiert, Eugene Atget

Paris zensiert, Eugene Atget

Die Rechtslage ist also klar, gewisse Feinheiten wie z.B. Kunstwerke im öffentlichen Raum werden in weiteren Paragraphen abgehandelt. Trotzdem gerieren sich die Deutschen, vorneweg unter anderem der Chef unserer Spaß- und Egopartei Guido Westerwelle oder die Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, als ob ihnen durch die Ablichtung ihrer Hausfassaden nicht nur ihr Besitz, sondern auch noch die Seele geraubt werden könnte. In einigen Diskussionen wurden Häusern gar Persönlichkeitsrechte, resp. das Recht am eigenen Bild zugesprochen.

All das ist nur wieder Ausdruck unseres postmodernen übersteigerten Individualismus und Egoismus, der Horizont dieser Personen erstreckt sich offensichtlich nur bis zum eigenen Gartenzaun. Unter’m Strich zähle ICH, ICH, ICH und MEIN BESITZ. Daß man aber immer noch Teil einer Gesellschaft, daß das eigene Haus Teil einer Straße, eines Viertels, einer Stadt, eines Ganzen ist, wird schlichtweg geleugnet und komplett überzogene Verlustängste über geltendes Recht gestellt.

Leider betrifft diese idiotische Diskussion im speziellen die Stadtfotografie, im allgemeinen die Geschichtsschreibung. Was wären Eugene Atgets Parisaufnahmen oder Julius Söhns Aufnahmen Düsseldorfs mit geschwärzten Häusern heute wert? Nichts.

Meine Düsseldorfbilder wurden alle unter Beachtung geltenden Rechts erstellt, freiwillig gelöscht oder geschwärzt wird hier gar nichts.

Abschließend noch der Link zum Bilderbuch-Prozeß, eine Klägerin verlangte die Löschung eines georeferenzierten Fotos ihrer Hauses von der Seite www.bilderbuch-koeln.de, die Klage wurde vom Landgericht Köln Anfang 2010 abgewiesen:

http://www.telemedicus.info/urteile/Datenschutzrecht/982-LG-Koeln-Az-28-O-57809-Fotos-von-Strassen-und-Gebaeuden-Bilderbuch-Koeln.html

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Prädikatsfotografie
Prekariatsfotografie
Operettenfotografie
hochsterilisierte Fotografie
Anstrengungslose Wohlstandsfotografie
Spätrömische Dekadenzfotografie
Gefährdete Mittelstandsfotografie
Fotografie muß sich wieder lohnen!
Leitfotografie
Barrierefreie Fotografie
authentische Fotografie
Kompetenzfotografie
Das wird man ja wohl noch fotografieren dürfen!
Top-Kill-Fotografie
unbürokratische Fotografie
Sommermärchenfotografie
präsidiale Fotografie
Triple A-Fotografie
Gesunde Volksfotografie
Rumpelfotografie
Win-Win-Fotografie
Lose-Lose-Fotografie
Lieber schlechte Fotos als gar keine Fotos!
intelligente Fotografie
wertkonservative Fotografie
hintergründige Migrationsfotografie
verantwortungsvolle Fotografie
hochuninteressante Fotografie
Sackkinofotografie
mißverstandene Fotografie
brutalstmögliche Fotografie
epochale Revolutionsfotografie
systemimmanente Fotografie
tiefbegabte Fotografie
arbeitsplatzgefährdende Fotografie
arbeitsplatzsichernde Fotografie
nicht hilfreiche Fotografie
Deutsche Volksfotografie

Google Home View

Kays Home View: www.kayroehlen.net/wohnungen/wohnungen.html

Frei nach Claude Chabrol, der meint, daß er lieber schlechte Filme als gar keine drehen würde.
Chabrol feiert heute seinen achtzigsten Geburtstag, herzlichen Glückwunsch!

So ist es immer…

Filmplakat Alphaville

Filmplakat Alphaville

So ist es immer, man versteht nie etwas.
Eines abends endet es damit, daß man daran stirbt.

Eddie Constantine alias Lemmy Caution in Alphaville,
Jean Luc Godard 1965

Der Weinreinbringer

Fünf Männer seh ich
inhaltsschwer -
wer sind die fünf?
Wofür steht wer?

Des ersten Wams strahlt blutigrot -
das ist der Tod
das ist der Tod

Der zweite hält die Geißel fest -
das ist die Pest
das ist die Pest

Der dritte sitzt in grauem Kleid -
das ist das Leid
das ist das Leid

Des vierten Schild trieft giftignaß -
das ist der Haß
das ist der Haß

Der fünfte bringt stumm Wein herein -
das wird der
Weinreinbringer sein.

Robert Gernhardt

Das Leben

Meistens ist das Leben ja langweilig.

Und es wird nicht viel spannender, nur weil man die Kamera draufhält“,

Bjarne Mädel alias Rüdiger Bunz in Der kleine Mann

so der Kunsthistoriker Beat Wyss in einer Sondersendung des Deutschlandradio Kultur von der Art Basel. Naja, Tomaten soll es soweit ich weiß auch ohne Supermärkte geben.
Die Sendung war gespickt mit solch fragwürdigen Äußerungen unterschiedlichster Interviewpartner allesamt mit dem Ziel, die Wirtschaftskrise weg- und schönzureden. Plötzlich hieß es, daß die spektakulären Höchstpreise -die vor kurzer Zeit niemand ernsthaft in Frage gestellt hat- für Kunst in den letzten Jahren sowieso viel zu hoch waren und der Markt sich jetzt endlich! wieder normalisiert. Zurück bleiben die wahren! Kunstliebhaber und Sammler, die ohne unlautere Spekulationsabsichten für reine! Kunst angemessene Preise zahlen werden, hihi.
Ok, lautes Pfeifen im dunklen Rezessionswald von Leuten, deren wirtschaftliche Existenz direkt vom Kunstmarkt abhängt; kann man verstehen. Aber ganz unabhängig von der Wirtschaftskrise befinden wir uns schon seit geraumer Zeit in einer Phase, die den bestehenden Kunstmarkt zwar nicht vollständig umwälzen oder verändern, sondern um einige interessante Aspekte erweitern, vielleicht sogar bereichern wird.
Angetrieben von dem diffusen Drang zur Selbstverwirklichung, versuchen sich Unmengen von Menschen auf kreativen Gebieten zu individualisieren, etwas eigenes und persönliches als Kontrapunkt zu unserer Massengesellschaft zu schaffen. Die “Kunst” ist nicht länger eingeschlossen in avantgardistischen oder akademischen Kreisen, sie ist zur Massenkunst geworden und wird über das Massenmedium Internet schnell, effektiv und preiswert verbreitet. Sie bleibt aber keineswegs virtuell, sondern findet ihren Weg in die reale und öffentliche Welt häufig in Form von Galerien oder Ausstellungen zurück. Zusätzlich besteht der Mehrwert dieser Kunst nicht selten in persönlichen Kontakten zum Künstler und im Vergleich zur Spekulationsmarktkunst sehr niedrigen Preisen. Über die Qualität¹ dieser Kunst kann man geteilter Meinung sein, rein quantitativ betrachtet dürfte die Menge an hochwertigen Werken aber enorm anwachsen.
Sicherlich wird weiterhin der Spekulationskunstmarkt existieren und somit auch die “Kunst wegen des Marktes²“, daneben wächst aber nun auch ein bunter Amateurkunstmarkt mit vielfältigen Absatzmöglichkeiten. Tomaten gibt es eben auch nicht nur im Supermarkt oder Feinschmeckergeschäft, sondern auch beim Türken um die Ecke oder bei der direkt erzeugenden Nachbarin ausm Biogarten.

¹ Geht man von einer Gaußschen Normalverteilung in der künstlerischen Qualität (jaja, künstlerische Qualität ist nicht meßbar, aber mein persönlicher Eindruck korreliert mit dieser Kurve) der gezeigten Werke aus, so ist der Großteil im Mittelfeld anzusiedeln: nicht richtig schlecht und nicht richtig gut, eben der erwartete Durchschnittswert. Sehr wenig ist abgrundtief schlecht und ebenso wenig ist herausragend gut. Sehr wenig im Zeitalter des Massenindividualismus und der Massenkunst bedeutet aber in absoluten Zahlen eine ganze Menge: 1 Promille herausragender Künstler von einer Million sind immerhin 1000 Personen.

² Das soll aber nicht heißen, daß es auf dem Spekulationskunstmarkt nur marktorientierte Kunst gibt.

Helnweins Donald Duck zum 50ten Geburtstag

Etwas vorschnell haben einige Kulturwissenschaftler in diesen Tagen die postcarbone Ära eingeläutet, die postdonalde Ära hat nach 75 Jahren leider tatsächlich begonnen.
Auch wenn die Donald Duck-Comics neueren Datums nicht mehr die Qualität der von Carl Barks gezeichneten und von Erika Fuchs übersetzten alten Comics haben, ist es doch etwas schade, Donalds 75ten zu feiern und ihn gleichzeitig zu Grabe tragen zu müssen, da es keine neuen Geschichten mit dem cholerisch-chaotischen Enterich mehr geben wird: die in den USA erscheinende Heftreihe „Donald Duck Adventures“ wird eingestellt.

Schönheit #2

Die Schönheit hat nur eine Gestalt, die Hässlichkeit hat Tausende“,
Victor Hugo

©: Titanic

Das Schöne

Ich will ihm beantworten, was das Schöne ist und er soll gewiß nichts dagegen haben.
Nämlich wisse nur Sokrates, wenn ich es Dir recht sagen soll, ein schönes Mädchen ist schön
“,
Hippias :-)