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Dazzledorf intern

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Kiefernstraße

Sie ist zwar kein touristisches Highlight wie der Medienhafen oder die Königsallee, aber zumindest unter Alternativen über die Stadtgrenzen bekannt: die Kiefernstraße in Düsseldorf Flingern.
Anfang des vorigen Jahrhunderts wurden die Mietshäuser auf der Kiefernstraße gebaut und vornehmlich von den Arbeitern und ihren Angehörigen des benachbarten Klöckner-Stahlwerks bewohnt.
Nach Schließung des Stahlwerks gingen die Eigentumsrechte der Wohnungen an die Stadt Düsseldorf über, Anfang der Achtziger sollte die Bebauuung im Rahmen einer geplanten Flächenumnutzung abgerissen werden.
In die teilweise bereits entmieteten Wohnungen wurden aber zwischenzeitlich afrikanische Flüchtlinge einquartiert, die anderen leerstehenden Wohnungen wurden von Wohnungssuchenden besetzt.
Daraufhin kam es in den Achtzigern immer wieder zu Unruhen zwischen den Hausbesetzern und der Stadt, unter anderem wurden den Besetzern Verbindungen zur RAF nachgesagt, die zu mehreren Großrazzien führte.
1987 entspannte sich die Situation und die Stadt legitimierte die Hausbesetzungen durch Mietverträge.
Heute wohnen auf der Kiefernstraße rund 800 Menschen aus 40 Nationen und laut Aussage der Bewohner scheint es auch im großen und ganzen gut zu funktionieren.

Mir bot sich bei meinen kurzen Besuchen auf der Kiefernstraße ein positiver Gesamteindruck. Die Straße weist strukturell sehr angenehme Eigenschaften, wie z.B. sehr breite und hohe Bürgersteige mit doppelter Kante auf, die das Zuparken des Bürgersteigs verhindert. Durch die Höhe der Bürgersteige kann man auch (als Erwachsener mit Standardgröße) immer schön über die parkenden Autos hinweg schauen und es befällt einen nicht dieses enge Parkplatzgefühl wie auf anderen zugeparkten Wohnstraßen.
Aufgrund der beidseitigen Parkreihen verbleibt nur ein recht schmaler Fahrweg, der automatisch die Durchfahrtsgeschwindigkeit passierender Fahrzeuge beschränkt. Auf eine recht hohe soziale Interaktion im öffentlichen Raum zwischen den Anwohnern weisen viele anscheinend privat installierte Sitzgelegenheiten unter den Bäumen und der vor dem Kinderclub ausgewiesene Spielstraßenbereich hin.
Sozialer Treffpunkt der Bewohner dürfte “Schmidts Laden” sein, ein schon lange existierendes und gerade gelungen renoviertes Büdchen mit unschlagbar preiswerten Kaffee und einer sehr netten Besitzerin, die mir ungefragt eine große Plastiktüte zum Schutz meiner Kamera vor den starken Regenfällen anbot. Auch die anderen persönlichen Kontakte zu den Anwohnern/Passanten waren durchweg positiv. Man erkundigte sich über mein Tun, erzählte bereitwillig Details zur Geschichte der Straße. Im allgemeinen scheint die Identifikation der Bewohner mit der Straße recht groß zu sein, findet man heutzutage in Wohnstraßen solcher Art eher selten.

Optisch ist der Eindruck im wahrsten Sinne des Wortes zwiespältig: die Hausfassaden der ehemals besetzten Seite mit den ungeraden Hausnummern sind bis auf 2 Ausnahmen vollständig bemalt, auf den Häusern der “geraden” Seite mit vorwiegend ausländischen Bewohnern dürfte noch der Schmutz des vor Jahrzehnten geschlossenen Stahlwerks kleben.
Die Wandmotive auf der ungeraden Seite sind sehr individuell und sicherlich nicht jedermanns Geschmack, aber doch aufwendig und ordentlich angefertigt.
Negativ fiel die große Menge an Sperrmüll und Unrat auf, der auf den Bürgersteigen schön verteilt herumlag. Ob hier eine Sperrmüllabfuhr vergessen wurde und sich die Haufen durch Plünderungen großflächig ausbreiteten oder ob es sich hier um den Standardzustand handelt, kann ich nicht beurteilen. Allerdings könnten ein paar mehr installierte städtische Abfalleimer wenigstens den kleinteiligen Unrat vermeiden helfen.

Resümee: Eine sehr sympathische und belebte Straße mit hohem Identifikationswert. Trotz vieler ethnischer, sozialer und religiöser Unterschiede bei den Anwohnern, scheint hier ein vernünftiges Zusammenleben möglich zu sein.

Kay

Alle Bilder der Kiefernstraße und ihrer direkten Umgebung

 
Westdeutsche Zeitung vom 18.01.06: Kiefernstraße

Wikipedia: Kiefernstraße

Politische Aktionen gegen Wohnungsnot und Umstrukturierung und die HausbesetzerInnenbewegung in Düsseldorf von 1972 bis heute, Diplomarbeit von: Volker Rekittke & Klaus Martin Becker Düsseldorf, den 17.11.1995

www.kiefern.de

Gastbild Nr. 4

Vennhauser Allee © by Klaus-Henning P.

Gastbild Nr. 4 hat mir Klaus-Henning P. zur Verfügung gestellt.
Vielen Dank!

Kay

750 BilderTätää, letzte Woche lud ich das 750te Dazzledorf-Foto hoch; aufgenommen habe ich es Anfang Oktober in Düsseldorf Lohausen.
Ab und zu werde ich von Leuten gefragt, warum ich eigentlich so viele Fotos von Düsseldorf mache; es müßten doch ein paar Dutzend -wie in herkömmlichen Stadtbildbänden- reichen, um eine kleine Großstadt ausreichend zu dokumentieren. Mit dieser Meinung befinden sich diese Leute in bester Gesellschaft, da z.B. auch Thomas Struth der Ansicht ist, daß man mittels ein paar Aufnahmen “charakteristischer” Orte das eigentliche Wesen einer Stadt erfassen kann:”…Ich wähle diejenigen Stellen aus, welche den Charakter des Ortes stellvertretend besonders gut erscheinen lassen.”¹

Konträr zu dieser Auffassung bin ich der Meinung, daß ein paar Aufnahmen von für mich charakteristischen Orten lediglich mein Bild, meine Realität, aber niemals ein allgemeingültiges Bild der Stadt entwerfen kann. Ebensowenig gibt es die typische, den Charakter einer Person wiederspiegelnde Portraitaufnahme oder den decisive moment in der Fotografie. Für mich sind das -zumindest im Rahmen einer dokumentarischen Arbeit- Klischees, unzulässige Vereinfachungen, Ikonisierungen hochkomplexer Motive.

Und so bleibt mir nichts anderes übrig, als möglichst viele Bilder Düsseldorfs aufzunehmen, damit der Betrachter sich aus zahlreichen verschiedenen Ansichten ein persönliches, natürlich auch unzulängliches -aber das liegt in der Natur der Fotografie- Bild der Stadt entwerfen kann.

Kay

¹Thomas Struth - Stadt und Straßenbilder, Dissertation von Annette Emde, Jonas Verlag 2008

Gastbilder

Ab und zu nehme ich besonders gelungene Düsseldorf-Fotos fremder Fotografen in das Dazzledorf-Projekt auf.

Eben habe ich das dritte Gastbild und gleichzeitig das zweite Foto von Andi Blum eingefügt: eine Aufnahme des östlich gelegenen Hügellandes nahe zur Ratinger Stadtgrenze.

Ich möchte mich hier für diese Bilder bei Andi Blum und Johannes Bendzulla -dem zweiten Gastfotografen- bedanken und gleichzeitig auf die drei Bilder aufmerksam machen.

Kay

Clarissenstraße © by Johannes Bendzulla

Clarissenstraße © by Johannes Bendzulla

Flughafenbrücke © by Andi Blum

Flughafenbrücke © by Andi Blum

Stadtwald © by Andi Blum

Stadtwald © by Andi Blum

Westfalenschädel vor Thomas-Birne

Haiko Hebig

Lassen Sie die Sache ruhen. Verbringen Sie einige Tage oder Wochen mit Broterwerbstätigkeit oder reisen Sie in ferne Länder. In dem Maße, in dem Ihre Sehnsucht nach Fortsetzung der Untersuchung steigt, werden Sie Klarheit über das Wesen der Untersuchung gewinnen.

Punkt 10 der Sievertsschen Anleitung zur Erkundung von Städten¹ hat sich wieder mal bewahrheitet. Für ferne Länder reichen zwar Zeit und Geld nicht, aber ein Tagesausflug in sach- und ortskundiger Begleitung von Haiko Hebig nach Duisburg erfüllt auch seinen Zweck der Kopfbefreiung.
Ganz wohl war mir bei der Knipserei auf fremden Terrain natürlich nicht; ich hätte die Zeit ja auch “sinnvoller” mit der Fortführung des Dazzledorf-Projekts nutzen können, zudem bin ich mir auch ziemlich sicher, daß ich bereits “Klarheit über das Wesen der (Düsseldorf)-Untersuchung” gewonnen habe.

Ziemlich sicher, nun ja, oder vielleicht auch nur betriebsblind?

Schauen wir uns die Bilder an. Das Sujet ist ähnlich, auch wenn auf den Duisburg-Bildern die Industrielandschaft eine gewichtigere Rolle spielt. Bildaufbauten, Motive, eigentlich alles wie in Düsseldorf. Bis auf den Maßstab.
In Düsseldorf wahre ich fast immer einen angemessenen Abstand zu meinen Objekten und bin stets darauf bedacht, die Hauptobjekte in ihrem Kontext, in ihrer Umgebung darzustellen.
In Duisburg veränderte ich den Maßstab häufiger; so wechseln sich die von mir bevorzugten Halbtotalen mit “Makroaufnahmen” von z.B. isolierten Schaufenstern oder Stadtmöbeln ab.

Schaufenster auf der Stahlstraße in Duisburg Meiderich

Dieser variierende Maßstab sorgt für eine angenehme Abwechslung in der kleinen Duisburg-Serie und entspricht doch eher dem visuellen Eindruck, den ich auch ohne Kamera von diesem Ort mitgenommen hätte. Man läuft eben nicht mit konstant Fokus auf unendlich durch seine Welt, sondern geht auch ab und an ganz nah ran.

Gut, dann war ich also betriebsblind. Aber ich kann diese neue Erfahrung direkt in Form von Detailaufnahmen in das Dazzledorf-Projekt einfließen lassen. Natürlich nur in homöopathischen Dosen zur Auflockerung des Überblick verschaffenden Gesamtwerks.

Die Duisburg-Bilder werden demnächst unter www.kayroehlen.net zu finden sein.

Kay

¹Boris Sieverts, Büro für Städtereisen

Vortrag anläßlich eines Symposions zum 80.ten Geburtstag von Prof. Rolf Lederbogen an der Fakultät für Architektur der Uni Karlsruhe.

Download kay_roehlen_standpunkte_030608.pdf (3 MByte)

© Plakat: Anja Grunwald

Ich habe nun die bislang statische Aktuell-Seite von www.dazzledorf.net in einen Blog umstrukturiert.
Bislang war ich immer zu faul, die statische Seite umständlich per HTML-Editor auf den neuesten Stand zu bringen, das soll sich jetzt ändern. Außerdem haben die Leser jetzt die Möglichkeit, direkter mit mir zu kommunizieren.

In diesem Blog werde ich neben Düsseldorf-spezifischen Themen auch Projekte und Veranstaltungen posten, die sich allgemein mit Stadtentwicklung politisch, wirtschaftlich und künstlerisch auseinandersetzen.
Auch Literatur zu diesen Themengebieten werde ich hier vorstellen.

Die Blog-Software läuft noch nicht rund, so gibt es z.B. Anzeigeprobleme mit diesem unsäglichen Internet Explorer (Menüleiste rutscht ganz nach unten). Bitte schreibt mir, wenn euch weitere Probleme mit dieser Seite auffallen.

Kay